Donnerstag, 25. Dezember 2008
In welcher Zeit lebt die Anthroposophie?
Der info3-Artikel
"Kulturfaktor mit Eintrittskarte?" von Ramon Brüll hat viel Staub aufgewirbelt. Seiner These, dass die anthroposophische Gesellschaft als soziale Form für die anthroposophische Bewegung nicht mehr zeitgemäß sei, wird erwartungsgemäß von vielen Seiten widersprochen.
Wenn die Frage gestellt wird, ob eine vor knapp 100 Jahren gegründete Institution noch die zeitgemäße Form für den anthroposophischen Impuls darstellt, dann ist es schon ein wagemutiges Unterfangen, dieser Frage mit Zitaten zu begegnen, die aus dem Kontext der Gründung dieser Institution stammen. Komplett absurd wird es, wenn diese Zitate im Grunde das genaue Gegenteil dessen aussagen, wofür sie herangezogen werden.
Hartwig Schiller führt in seinem Aufsatz mit dem programmatischen Titel
"Die unsterbliche Gesellschaft" gegen die Thesen von Brüll das folgende Zitat Steiners an: "Aber, meine lieben Freunde, wenn wir die Anthroposophische Gesellschaft auflösen würden, so wäre sie gar nicht aufgelöst. Wir haben gar nicht so wie andere Gesellschaften und Vereine die Möglichkeit, die Anthroposophische Gesellschaft so ohne weiteres aufzulösen. Denn wir unterscheiden uns als Anthroposophische Gesellschaft, die eine Gesellschaft für eine geisteswissenschaftliche Bewegung ist, von anderen Gesellschaften gerade dadurch, dass wir nicht auf Programmpunkte, das heißt nicht auf Irreales, bloß Gedachtes, sondern uns auf Reales begründen, auf einer wirklichen Basis stehen."
Und er führt noch weitere Zitate an, um die Idee des übersinnlichen Wesens der Anthroposophie, das seine Realität unabhängig von aller äußeren Form wahrt, zu fundieren. Sein überraschendes Fazit allerdings: "Die Anthroposophische Gesellschaft will Basis, Werkzeug und Vollzug einer solchen Bewegung sein. Das war sie in der Vergangenheit zu großen Teilen, ist es in der Gegenwart und wird es bei hinreichender Anstrengung auch in der Zukunft sein können."
Es ist geradezu rohe Gewalt, die Schiller anwenden muss, um das "unsterbliche" Wesen der Anthroposophie, das er mit Pathos und Überzeugung vorträgt, als Argument für die "Unsterblichkeit" der Anthroposophischen Gesellschaft einzusetzen. Mit diesem Fazit leugnet er im Grunde alles, was er zuvor ausgeführt hat und reduziert die Anthroposophie auf das, was sie auch nach Steiner eben gerade nicht ist: ein Verein, der mit seiner Auflösung verschwindet! Die Verwechslung von sozialer Form und spirituellem Inhalt könnte fataler nicht sein. Die selbe Verwechslung liegt all jenen Kommentaren zugrunde, die Brüll und info3 nun idiotischerweise vorwerfen, er wolle die Anthroposophie vernichten.
Für Andreas Neider tritt mit dem Artikel von Ramon Brüll "ein zunehmender Rückzug vom Werk Rudolf Steiners vor Augen, zugunsten einer immer stärkeren Beschäftigung mit esoterischen Praktiken und Traditionen amerikanischer Herkunft (K. Wilber, A. Cohen, N.D. Walsh u. a.). Und zunehmend vermisse ich dabei das, was Rudolf Steiner von jedem seiner Schüler erwartete, nämlich die eigenständige esoterische Erarbeitung und Weiterentwicklung eben dieser Anthroposophie."
Und offenbar fällt ihm der Widerspruch, der sich in diesen beiden Sätzen symptomatisch ausdrückt, überhaupt nicht auf. Symptomatisch deswegen, weil sich offenbar noch immer hartnäckig die Überzeugung hält, dass Steiner-Exegese und Konservierung der von Steiner geschaffenen Formen "eigenständige esoterische Erarbeitung" sei und die Weiterentwicklung der Anthroposophie in einer Abschottung gegen jegliche Form von ideellem Input bestehe.
Eine eigenständige esoterische Erarbeitung und Weiterentwicklung der Anthroposophie und die Einsicht in das unsterbliche geistige Wesen der Anthroposophie muss nicht notwendigerweise zu der Überzeugung führen, dass die Anthroposophische Gesellschaft als zeitgemäße Form ausgedient habe, aber sie muss unbedingt in der Lage sein, diesen Gedanken in einem gegenwärtigen Kontext zu denken, ohne sich reflexartig an Steinerzitate zu klammern und gerade dasjenige, was die scheinbar ketzerische Idee von Brüll zur Diskussion stellt, nämlich die äußere Form der anthroposophischen Bewegung, als Gegenargument anzuführen. Oder mit etwas weniger Pathos ausgedrückt: wenn jemand die AAG für obsolet hält, entbehrt es jeglicher Logik, sein Gegenargument auf die "Unsterblichkeit" dieser Institution zu stützen, denn genau diese Prämisse ist es, die zur Debatte steht.
Dass Brülls Artikel eine so heftige Diskussion ausgelöst hat, ist nicht nur ein gutes Zeichen sondern es zeigt auch, dass seine Fragen virulent sind. Dass die Diskussion allerdings auf einem so niedrigen argumentativen Niveau stattfindet, in dem bei Licht besehen im Grunde nur Dogmen ausgetauscht werden, ist sehr bedauerlich, wenngleich nicht unbedingt überraschend. Richtig ärgerlich ist aber das bornierte spirituelle Spießbürgertum, das sich in den hier wie anderswo nicht enden wollenden Anfeindungen gegen info3 niederschlägt, weil sie unbequeme Fragen stellt, weil sie Ernst macht mit dem "eigenständigen Erarbeiten" und weil sie die Anthroposophie schon für so gereift und salonfähig hält, dass sie mit anderen spirituellen Bewegungen in einen Dialog treten kann, ohne sich dabei selbst zu verlieren. Ganz im Gegenteil: gerade in solchen Dialogen könnte sich die Anthroposophie als eine der pubertären Egozentrik entwachsene, kulturell relevante Bewegung wiederfinden. Es ist eines der größten Verdienste der Redaktion von Info3, diesen Entwicklungsschritt einzuleiten. Denn eine Bewegung, die bei jedem geringsten Ansatz von Pluralität "Ketzer" und "Häretiker" schreit und am liebsten jedem Andersdenkenden das Recht absprechen möchte, sich Anthroposoph zu nennen, steckt derart in ihrem eigenen Dogma fest, dass die bisweilen panisch anmutenden Reaktionen auf den Auflösungsvorschlag den Schluss nahelegen, dass sich das lebendige Wesen des anthroposophischen Kulturimpulses aus seiner äußeren Hülle längst verabschiedet hat und diese nur noch als leere Puppe ihrem schieren institutionellen Selbsterhaltungstrieb folgt.
Hier verschränkt sich der Diskurs mit seiner eigenen Metaebene und die angeführten Argumentationen gegen die Thesen von Ramon Brüll werden selbst zu deren metadiskursorischen Bestätigung! Sofern die liebe Anthroposophia also noch lebt, wird dies erst der spärliche Anfang einer weitreichenden Debatte sein.
Wenn die Frage gestellt wird, ob eine vor knapp 100 Jahren gegründete Institution noch die zeitgemäße Form für den anthroposophischen Impuls darstellt, dann ist es schon ein wagemutiges Unterfangen, dieser Frage mit Zitaten zu begegnen, die aus dem Kontext der Gründung dieser Institution stammen. Komplett absurd wird es, wenn diese Zitate im Grunde das genaue Gegenteil dessen aussagen, wofür sie herangezogen werden.
Hartwig Schiller führt in seinem Aufsatz mit dem programmatischen Titel
Es ist geradezu rohe Gewalt, die Schiller anwenden muss, um das "unsterbliche" Wesen der Anthroposophie, das er mit Pathos und Überzeugung vorträgt, als Argument für die "Unsterblichkeit" der Anthroposophischen Gesellschaft einzusetzen. Mit diesem Fazit leugnet er im Grunde alles, was er zuvor ausgeführt hat und reduziert die Anthroposophie auf das, was sie auch nach Steiner eben gerade nicht ist: ein Verein, der mit seiner Auflösung verschwindet! Die Verwechslung von sozialer Form und spirituellem Inhalt könnte fataler nicht sein. Die selbe Verwechslung liegt all jenen Kommentaren zugrunde, die Brüll und info3 nun idiotischerweise vorwerfen, er wolle die Anthroposophie vernichten.
Für Andreas Neider tritt mit dem Artikel von Ramon Brüll "ein zunehmender Rückzug vom Werk Rudolf Steiners vor Augen, zugunsten einer immer stärkeren Beschäftigung mit esoterischen Praktiken und Traditionen amerikanischer Herkunft (K. Wilber, A. Cohen, N.D. Walsh u. a.). Und zunehmend vermisse ich dabei das, was Rudolf Steiner von jedem seiner Schüler erwartete, nämlich die eigenständige esoterische Erarbeitung und Weiterentwicklung eben dieser Anthroposophie."
Eine eigenständige esoterische Erarbeitung und Weiterentwicklung der Anthroposophie und die Einsicht in das unsterbliche geistige Wesen der Anthroposophie muss nicht notwendigerweise zu der Überzeugung führen, dass die Anthroposophische Gesellschaft als zeitgemäße Form ausgedient habe, aber sie muss unbedingt in der Lage sein, diesen Gedanken in einem gegenwärtigen Kontext zu denken, ohne sich reflexartig an Steinerzitate zu klammern und gerade dasjenige, was die scheinbar ketzerische Idee von Brüll zur Diskussion stellt, nämlich die äußere Form der anthroposophischen Bewegung, als Gegenargument anzuführen. Oder mit etwas weniger Pathos ausgedrückt: wenn jemand die AAG für obsolet hält, entbehrt es jeglicher Logik, sein Gegenargument auf die "Unsterblichkeit" dieser Institution zu stützen, denn genau diese Prämisse ist es, die zur Debatte steht.
Dass Brülls Artikel eine so heftige Diskussion ausgelöst hat, ist nicht nur ein gutes Zeichen sondern es zeigt auch, dass seine Fragen virulent sind. Dass die Diskussion allerdings auf einem so niedrigen argumentativen Niveau stattfindet, in dem bei Licht besehen im Grunde nur Dogmen ausgetauscht werden, ist sehr bedauerlich, wenngleich nicht unbedingt überraschend. Richtig ärgerlich ist aber das bornierte spirituelle Spießbürgertum, das sich in den hier wie anderswo nicht enden wollenden Anfeindungen gegen info3 niederschlägt, weil sie unbequeme Fragen stellt, weil sie Ernst macht mit dem "eigenständigen Erarbeiten" und weil sie die Anthroposophie schon für so gereift und salonfähig hält, dass sie mit anderen spirituellen Bewegungen in einen Dialog treten kann, ohne sich dabei selbst zu verlieren. Ganz im Gegenteil: gerade in solchen Dialogen könnte sich die Anthroposophie als eine der pubertären Egozentrik entwachsene, kulturell relevante Bewegung wiederfinden. Es ist eines der größten Verdienste der Redaktion von Info3, diesen Entwicklungsschritt einzuleiten. Denn eine Bewegung, die bei jedem geringsten Ansatz von Pluralität "Ketzer" und "Häretiker" schreit und am liebsten jedem Andersdenkenden das Recht absprechen möchte, sich Anthroposoph zu nennen, steckt derart in ihrem eigenen Dogma fest, dass die bisweilen panisch anmutenden Reaktionen auf den Auflösungsvorschlag den Schluss nahelegen, dass sich das lebendige Wesen des anthroposophischen Kulturimpulses aus seiner äußeren Hülle längst verabschiedet hat und diese nur noch als leere Puppe ihrem schieren institutionellen Selbsterhaltungstrieb folgt.
Hier verschränkt sich der Diskurs mit seiner eigenen Metaebene und die angeführten Argumentationen gegen die Thesen von Ramon Brüll werden selbst zu deren metadiskursorischen Bestätigung! Sofern die liebe Anthroposophia also noch lebt, wird dies erst der spärliche Anfang einer weitreichenden Debatte sein.
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Samstag, 29. November 2008
Spinat-Ricotta-Ravioli und Höhlengnome
Es duftet nach Bienenwachs und gebrannten Mandeln, an den Wänden hängt Tannenreisig, Kerzen brennen, handgemalte Schilder weisen den Weg zu Stuben und Buden, in denen allerlei Handgemachtes aus Wolle und Holz verkauft wird. Nicht ganz perfekte, aber liebevolle Unikate. Alles ist zurechtgemacht, profane Funktionselemente des Schulgebäudes sind mit Seidentüchern oder Weihnachtsgestecken kaschiert, von irgendwo tönt Musik. Die Ästhetik der Waren und Dekorationen zeugt von Anspruch, wird bisweilen aber auch von allzu ernster Schwere erdrückt. Kinder werden mit Märchen, bekerzten Nussschalenschiffchen und der langwierigen schichtweisen Herstellung von Bienenwachskerzen unterhalten. Grellbuntes, Aufdringliches, Quäkendes und Plärrendes, profanes Plastik und monotone Industrieware muss draußen bleiben. Alles folgt einer stillschweigenden ästhetischen und qualitativen Norm: Adventsbasar an der Waldorfschule!
Die typische Athmosphäre eines Waldorfbasars kennt nur, wer dort war. Und als Schüler war ich notgedrungen jedes Jahr dort. Heute war ich nach gut 20 Jahren wieder einmal auf dem Adventsbasar meiner ehemaligen Schule. Besagte Atmosphäre allerdings nicht. Dabei war vordergründig alles wie immer. Kerzenziehen, gebrannte Mandeln, Märchen, Kuchen, Filz und Naturfarben. Alles war da. Aber bei näherem Hinsehen: ein waldorfpädagogisches No-Go nach dem anderen! Kaum Reisig an den Wänden. Unverhüllte Feuerlöscher. Die Zimmer durchnummeriert. Statt wachskreidenbemalter Wegzeiger ein schnöder Orientierungsplan. Zu Essen gab es Spinat-Ricotta-Ravioli in Schinken-Sahne-Sauce mit Parmesan und Ruccola an Balsamico. Zwar lecker, aber vom Adventsbasar-Charme her nicht im Ansatz mit Wienerli & Kartoffelsalat oder selbstgebackenen Waffeln zu vergleichen. An den Verkaufsständen zum größten Teil kommerzielle Waren von externen Anbietern: Bücher, Kurzwaren aus Wolle, Obst und Gemüse, Perlen und Schmuck, Spielwaren. Die handgemachten Weidezäune für die waldorfkompatible Ritterburg, selbstgefilzte Höhlengnome und handbemaltes Tongeschirr musste man teilweise erfolglos suchen. Schließlich doch noch eine Bastelecke, in der man sich für 50 Cent aus Baumscheiben, Moos und Wachsknete eine weihnachtliche Miniaturlandschaft basteln konnte.
Ich kann nicht so einfach sagen, was mir fehlte. Denn im Grunde darf man froh sein, dass die enge und bisweilen von jeglicher Frischluftzufuhr abgeschnittene Subkultur der klassisch waldorfpiätistischen Weleda-Ästhetik in weiten Teilen der Vergangenheit angehört. Bei diesem Adventsbasar hatte ich allerdings das Gefühl, dass damit zugleich etwas über Bord geworfen wurde, das nicht nur zur gewohnten Atmosphäre des Basars gehört, sondern auch zur originären Idee der Waldorfpädagogik. Denn was hinter der ästhetischen Enge immer auch noch steckte, war ein gewisser Qualitätsanspruch, der sich - nicht unbedingt in dieser Ausformung, aber in seiner Haltung - überall dort findet, wo versucht wird, seinem Tun über die rein technische Funktion hinaus einen Sinn zu verleihen, der sich nicht an der Sache, sondern am Menschen orientiert. "Für Menschen mit Sinn gestaltet" könnte der passende Marketing-Slogan lauten. Sinn für Gediegenheit, für Ursprünglichkeit, für Originalität, für die unmittelbare Sinnlichkeit des natürlichen, für die seelenpflegende Wirkung von Ästhetik, für den wechselseitigen Einfluss von Form und Funktion, für die charakterbildende Kraft des Wahren, Schönen und Guten, für die soziale und persönliche Reifung durch sinnstiftende Kulturtechniken. Kurz ein Sinn für den Sinn einer an einem geistigen Menschenbild und an der konkreten Individualität des Einzelnen Kindes orientierten Pädagogik. Denn geistiges Menschenbild heißt nichts anderes als ein Bild, das den Menschen nicht nur als kausal wirkender Teil einer physikalisch-biologischen Natur sieht, sondern darüber hinaus als einen, der sich und seine Umwelt aus sich heraus mit einem ganz eigenen, alles physikalisch-biologisch-kausale übersteigenden Sinnzusammenhang versieht. In diesem Sinnzusammenhang kann der Mensch überhaupt erst seine Freiheit entfalten, weil er selbst es ist, der den ansich profan und wertneutral der Kausalität folgenden Dingen eine höhere Bedeutung verleiht.
Pädagogik - weit über Schule hinaus - ist aber am Ende nichts anderes, als die behutsame Einführung eines rein biologisch-kausal funktionierenden Eiweißbündels in die Kunst der autopoetischen Sinngebung, in das Herausheben des eigenen Ichs aus der nichtssagenden Relativität der schieren kausalen Sterblichkeit, in die Zeugung der eigenen Biographie. Und Schule stellt in unserer Kultur dafür einen der wichtigsten Parcours an Anregungen, um diesen eigentlich paradoxen Sprung aus der kausalen Funktionalität hinein in das spontane und freie Versehen der Welt mit Sinn zu schaffen. So wie sich die Freiheit des Gedankens erst dann entfalten kann, wenn das Denken sich zuerst in das Korsett der Regeln einer Sprache gezwängt hat und an ihrem Erlernen überhaupt erst prototypisch die Bedeutung von 'Bedeutung' für sich gleichsam aus dem Nichts erschaffen hat, so kann sich auch der junge Mensch erst dann seinen eigenen Sinn geben, wenn er die Fähigkeit der Sinngebung an einer sinnhaften Welt erlernt hat. Nicht weil er diesen Sinn übernehmen soll, sondern weil er daran die Fähigkeit zur selbständigen Sinnstiftung und damit zum freien Handeln in einer über das biophysische hinaus gehenden psychischen, sozialen, künstlerischen und geistigen Welt erlernen muss.
Das ist die eigentliche Idee der "Erziehung zur Freiheit", die hinter der Waldorfpädagogik steckt und die trotz all der muffigen Szeneästhetik als originärer und bewusster Qualitätsanspruch immer zu spüren war. Doch sie scheint immer mehr verloren zu gehen und einer an Traditionen, Gewohnheiten, Moden und scheinbaren Sachzwängen orientierten Beliebigkeit zu weichen, die sich zwar durchaus an netten Dingen erfreut - an Spinat-Ricotta-Ravioli und Unterhosen aus Wolle-Seide-Gemisch zum Beispiel - die aber nicht mehr den Unterschied spürt, zwischen dem Inhalt einer Sache und ihrem Sinn, ihrem inneren Zusammenhang in der Welt. Genau da ist aber der Unterschied zwischen einer Pippi-Langstrumpf-CD und einer Märchenerzählerin, die im Kerzenschein und von Wurzeln und Wollzwergen umringt die Kinder mit ihrer Erzählkunst fasziniert. Nicht weil Pippi-Langstrumpf-CDs irgendwie gefährlich oder ungesund wären, sondern weil die Märchenerzählerin dem Kind (im richtigen Alter) ganz unabhängig vom Inhalt schon als schierer Akt und Performance einen viel reicheren Sinnzusammenhang gibt, an den das Kind anknüpfen kann und durch den das Kind in seiner autopoetischen Sinnstiftung angeregt wird. Es ist nicht die Versorgung des Kindes mit der Information über den Inhalt des Märchens, der den eigentlichen pädagogischen Wert darstellt, sondern der Akt des Erzählens, das Eintauchen in die Geschichte, der Soziale Akt der Veranstaltung, das Erleben des Besonderen, die Interaktion mit Menschen und die Faszination an der Evokation von Vorstellungen. Das alles bringt natürlich auch die CD mit sich, aber in viel schwächerem Maße. Sie ist im Vergleich zur Märchenerzählerin für das Kind wie eine trockene Brotrinde zu einem opulenten Festmahl.
Ob also die Zwerge aus Filz und naturfarben oder ob sie aus Plastik und neonbunt sind, wäre letztlich egal, wenn sie denn nur nicht als beliebiger Dekoartikel in einem Sammelsurium an Zufälligkeiten auftreten (und das tun auch die Filzzwerge mittlerweile viel zu oft), sondern wenn sie sich als Teil eines nachvollziehbaren und sinnlich opulent erfahrbaren Sinnzusammenhanges darstellen, an dem sich die pädagogische Stimulation zur autopoetischen Biographie-Zeugung entzünden kann. Denn das tut die fünfhundertste Merchandising-Figur aus Plastik nicht, der Filzzwerg aber durchaus, weil er seine feste Rolle in der Märchenwelt und damit in jenem kindlichen Instrumentarium zur protoreflektiven Handhabung seiner Innerlichkeit hat. Die Plastikfigur hat da allenfalls eine feste Rolle in der kommerziellen Konsumerziehung.
Und so ist auch der Adventsbasar nur in zweiter Linie eine Verkaufsveranstaltung zur Finanzierung der Schule (so richtig gewichtig ist der Erlös ohnehin nicht) und deswegen auch das Augenmerk auf Verkaufbarkeit, Marktfähigkeit und Nachfrageorientierung der Artikel nur bedingt interessant. In erster Linie ist es ein sozialer Akt, ein Event und eine Gelegenheit, nicht nur für die Kinder sondern auch für die Eltern und Lehrer und nicht zuletzt für die Besucher, sich als Schulgemeinschaft und Schulumwelt, aber auch als Einzelne zur Sinnstiftung anzuregen, indem man gemeinsam in einen zwar beliebig zu wählenden, aber in sich nicht beliebigen Zusammenhang eintaucht, durchaus auch ohne gleich darin zu ersticken.
Das ist es, was ich hinter all der ästhetischen Zumutung, die ein Adventsbasar bisweilen mit sich brachte, heute an meiner ehemaligen Schule vermisst habe. Die Aufmerksamkeit für Gediegenheit, für Zusammenhang und Sinn, die sich im Detail in der nur scheinbar funktional überflüssigen Ästhetik und Qualität niederschlägt. Kurz: Kultur! Und das steht nur als pars pro toto für den Eindruck, den ich von der Waldorfpädagogik insgesamt gegenwärtig habe - man korrigiere mich gerne mit empirischen Belegen! - sie verliert ihre Marotten, aber zugleich auch ihre Substanz.
Die typische Athmosphäre eines Waldorfbasars kennt nur, wer dort war. Und als Schüler war ich notgedrungen jedes Jahr dort. Heute war ich nach gut 20 Jahren wieder einmal auf dem Adventsbasar meiner ehemaligen Schule. Besagte Atmosphäre allerdings nicht. Dabei war vordergründig alles wie immer. Kerzenziehen, gebrannte Mandeln, Märchen, Kuchen, Filz und Naturfarben. Alles war da. Aber bei näherem Hinsehen: ein waldorfpädagogisches No-Go nach dem anderen! Kaum Reisig an den Wänden. Unverhüllte Feuerlöscher. Die Zimmer durchnummeriert. Statt wachskreidenbemalter Wegzeiger ein schnöder Orientierungsplan. Zu Essen gab es Spinat-Ricotta-Ravioli in Schinken-Sahne-Sauce mit Parmesan und Ruccola an Balsamico. Zwar lecker, aber vom Adventsbasar-Charme her nicht im Ansatz mit Wienerli & Kartoffelsalat oder selbstgebackenen Waffeln zu vergleichen. An den Verkaufsständen zum größten Teil kommerzielle Waren von externen Anbietern: Bücher, Kurzwaren aus Wolle, Obst und Gemüse, Perlen und Schmuck, Spielwaren. Die handgemachten Weidezäune für die waldorfkompatible Ritterburg, selbstgefilzte Höhlengnome und handbemaltes Tongeschirr musste man teilweise erfolglos suchen. Schließlich doch noch eine Bastelecke, in der man sich für 50 Cent aus Baumscheiben, Moos und Wachsknete eine weihnachtliche Miniaturlandschaft basteln konnte.
Ich kann nicht so einfach sagen, was mir fehlte. Denn im Grunde darf man froh sein, dass die enge und bisweilen von jeglicher Frischluftzufuhr abgeschnittene Subkultur der klassisch waldorfpiätistischen Weleda-Ästhetik in weiten Teilen der Vergangenheit angehört. Bei diesem Adventsbasar hatte ich allerdings das Gefühl, dass damit zugleich etwas über Bord geworfen wurde, das nicht nur zur gewohnten Atmosphäre des Basars gehört, sondern auch zur originären Idee der Waldorfpädagogik. Denn was hinter der ästhetischen Enge immer auch noch steckte, war ein gewisser Qualitätsanspruch, der sich - nicht unbedingt in dieser Ausformung, aber in seiner Haltung - überall dort findet, wo versucht wird, seinem Tun über die rein technische Funktion hinaus einen Sinn zu verleihen, der sich nicht an der Sache, sondern am Menschen orientiert. "Für Menschen mit Sinn gestaltet" könnte der passende Marketing-Slogan lauten. Sinn für Gediegenheit, für Ursprünglichkeit, für Originalität, für die unmittelbare Sinnlichkeit des natürlichen, für die seelenpflegende Wirkung von Ästhetik, für den wechselseitigen Einfluss von Form und Funktion, für die charakterbildende Kraft des Wahren, Schönen und Guten, für die soziale und persönliche Reifung durch sinnstiftende Kulturtechniken. Kurz ein Sinn für den Sinn einer an einem geistigen Menschenbild und an der konkreten Individualität des Einzelnen Kindes orientierten Pädagogik. Denn geistiges Menschenbild heißt nichts anderes als ein Bild, das den Menschen nicht nur als kausal wirkender Teil einer physikalisch-biologischen Natur sieht, sondern darüber hinaus als einen, der sich und seine Umwelt aus sich heraus mit einem ganz eigenen, alles physikalisch-biologisch-kausale übersteigenden Sinnzusammenhang versieht. In diesem Sinnzusammenhang kann der Mensch überhaupt erst seine Freiheit entfalten, weil er selbst es ist, der den ansich profan und wertneutral der Kausalität folgenden Dingen eine höhere Bedeutung verleiht.
Pädagogik - weit über Schule hinaus - ist aber am Ende nichts anderes, als die behutsame Einführung eines rein biologisch-kausal funktionierenden Eiweißbündels in die Kunst der autopoetischen Sinngebung, in das Herausheben des eigenen Ichs aus der nichtssagenden Relativität der schieren kausalen Sterblichkeit, in die Zeugung der eigenen Biographie. Und Schule stellt in unserer Kultur dafür einen der wichtigsten Parcours an Anregungen, um diesen eigentlich paradoxen Sprung aus der kausalen Funktionalität hinein in das spontane und freie Versehen der Welt mit Sinn zu schaffen. So wie sich die Freiheit des Gedankens erst dann entfalten kann, wenn das Denken sich zuerst in das Korsett der Regeln einer Sprache gezwängt hat und an ihrem Erlernen überhaupt erst prototypisch die Bedeutung von 'Bedeutung' für sich gleichsam aus dem Nichts erschaffen hat, so kann sich auch der junge Mensch erst dann seinen eigenen Sinn geben, wenn er die Fähigkeit der Sinngebung an einer sinnhaften Welt erlernt hat. Nicht weil er diesen Sinn übernehmen soll, sondern weil er daran die Fähigkeit zur selbständigen Sinnstiftung und damit zum freien Handeln in einer über das biophysische hinaus gehenden psychischen, sozialen, künstlerischen und geistigen Welt erlernen muss.
Das ist die eigentliche Idee der "Erziehung zur Freiheit", die hinter der Waldorfpädagogik steckt und die trotz all der muffigen Szeneästhetik als originärer und bewusster Qualitätsanspruch immer zu spüren war. Doch sie scheint immer mehr verloren zu gehen und einer an Traditionen, Gewohnheiten, Moden und scheinbaren Sachzwängen orientierten Beliebigkeit zu weichen, die sich zwar durchaus an netten Dingen erfreut - an Spinat-Ricotta-Ravioli und Unterhosen aus Wolle-Seide-Gemisch zum Beispiel - die aber nicht mehr den Unterschied spürt, zwischen dem Inhalt einer Sache und ihrem Sinn, ihrem inneren Zusammenhang in der Welt. Genau da ist aber der Unterschied zwischen einer Pippi-Langstrumpf-CD und einer Märchenerzählerin, die im Kerzenschein und von Wurzeln und Wollzwergen umringt die Kinder mit ihrer Erzählkunst fasziniert. Nicht weil Pippi-Langstrumpf-CDs irgendwie gefährlich oder ungesund wären, sondern weil die Märchenerzählerin dem Kind (im richtigen Alter) ganz unabhängig vom Inhalt schon als schierer Akt und Performance einen viel reicheren Sinnzusammenhang gibt, an den das Kind anknüpfen kann und durch den das Kind in seiner autopoetischen Sinnstiftung angeregt wird. Es ist nicht die Versorgung des Kindes mit der Information über den Inhalt des Märchens, der den eigentlichen pädagogischen Wert darstellt, sondern der Akt des Erzählens, das Eintauchen in die Geschichte, der Soziale Akt der Veranstaltung, das Erleben des Besonderen, die Interaktion mit Menschen und die Faszination an der Evokation von Vorstellungen. Das alles bringt natürlich auch die CD mit sich, aber in viel schwächerem Maße. Sie ist im Vergleich zur Märchenerzählerin für das Kind wie eine trockene Brotrinde zu einem opulenten Festmahl.
Ob also die Zwerge aus Filz und naturfarben oder ob sie aus Plastik und neonbunt sind, wäre letztlich egal, wenn sie denn nur nicht als beliebiger Dekoartikel in einem Sammelsurium an Zufälligkeiten auftreten (und das tun auch die Filzzwerge mittlerweile viel zu oft), sondern wenn sie sich als Teil eines nachvollziehbaren und sinnlich opulent erfahrbaren Sinnzusammenhanges darstellen, an dem sich die pädagogische Stimulation zur autopoetischen Biographie-Zeugung entzünden kann. Denn das tut die fünfhundertste Merchandising-Figur aus Plastik nicht, der Filzzwerg aber durchaus, weil er seine feste Rolle in der Märchenwelt und damit in jenem kindlichen Instrumentarium zur protoreflektiven Handhabung seiner Innerlichkeit hat. Die Plastikfigur hat da allenfalls eine feste Rolle in der kommerziellen Konsumerziehung.
Und so ist auch der Adventsbasar nur in zweiter Linie eine Verkaufsveranstaltung zur Finanzierung der Schule (so richtig gewichtig ist der Erlös ohnehin nicht) und deswegen auch das Augenmerk auf Verkaufbarkeit, Marktfähigkeit und Nachfrageorientierung der Artikel nur bedingt interessant. In erster Linie ist es ein sozialer Akt, ein Event und eine Gelegenheit, nicht nur für die Kinder sondern auch für die Eltern und Lehrer und nicht zuletzt für die Besucher, sich als Schulgemeinschaft und Schulumwelt, aber auch als Einzelne zur Sinnstiftung anzuregen, indem man gemeinsam in einen zwar beliebig zu wählenden, aber in sich nicht beliebigen Zusammenhang eintaucht, durchaus auch ohne gleich darin zu ersticken.
Das ist es, was ich hinter all der ästhetischen Zumutung, die ein Adventsbasar bisweilen mit sich brachte, heute an meiner ehemaligen Schule vermisst habe. Die Aufmerksamkeit für Gediegenheit, für Zusammenhang und Sinn, die sich im Detail in der nur scheinbar funktional überflüssigen Ästhetik und Qualität niederschlägt. Kurz: Kultur! Und das steht nur als pars pro toto für den Eindruck, den ich von der Waldorfpädagogik insgesamt gegenwärtig habe - man korrigiere mich gerne mit empirischen Belegen! - sie verliert ihre Marotten, aber zugleich auch ihre Substanz.
Geschrieben von Christian Grauer
in Anthroposophie, Gesellschaft
um
23:16
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Sonntag, 16. November 2008
Dummheit und Gegendummheit
"Denn wen, wenn er ein Kind geschlagen hat, nicht die brennende Scham ergreift, der sollte die Hände lassen vom Erzieherberuf." (Erich Gabert)
"Und jeder Schlag, den er trotzdem in der Erregung des Augenblicks etwa noch austeilt, wird ihn je länger je mehr in seinem Gewissen brennen. Er wird auf ihn zurückschauend sich eingestehen müssen, daß er hier trotz allem und allem, was man anführen kann, doch eigentlich pädagogisch versagt hat, als er zu diesem kümmerlichsten, primitivsten aller erzieherischen Mittel griff, daß in diesem Augenblick Zorn, Gekränktheit, Bequemlichkeit, mangelnde Phantasie und Lieblosigkeit in ihm die Oberhand gewonnen hatten." (Erich Gabert)Dies sind Passagen aus dem Kapitel "Soll man Kinder Schlagen?" aus dem Buch "Die Strafe in der Selbsterziehung und in der Erziehung des Kindes" von Erich Gabert, das Michael Grandt in seinem "Schwarzbuch Waldorf" als Beleg dafür heranziehen will, dass die Waldorfpädagogik die Anwendung körperlicher Gewalt toleriere.
Die zitierten Passagen beweisen schon hinlänglich, dass Grandts Urteil völlig absurd ist. Es kommt dadurch zustande, dass er - absichtlich oder aus Nachlässigkeit - die von Gabert in indirekter Rede ausgeführte Verteidigungsrede eines hypothetischen Prügelstrafenbefürworters zitiert und diese seinen Lesern stillschweigend als die Ansicht Gaberts verkauft. Außerdem stellt er Passagen aus unterschiedlichen Kapiteln so zusammen, dass ein scheinbarer Bezug vorgetäuscht wird, der im Buch nicht besteht und er stellt Negativbeispiele von Gabert so dar, als gäben sie die Ansicht Gaberts wieder. Ich führe am Ende dieses Beitrages den kompletten Text des betreffenden Kapitels aus Gaberts Buch auf, so dass sich jeder Leser selbst ein Urteil bilden kann.
Es ist anhand des Volltextes unschwer zu erkennen, dass Erich Gabert - wohlgemerkt im Jahre 1951, als Prügelstrafen in öffentlichen Schulen noch Gang und Gäbe waren - sich klar und deutlich gegen Prügelstrafen ausspricht, wenn er sie als die "kümmerlichsten, primitivsten aller erzieherischen Mittel" bezeichnet. Dass er dabei, anders als das ein heutige Autor machen würde, Prügelstrafen als etwas weitgehend "normales" behandelt ("Der Autor schließt körperliche Strafen nicht ausdrücklich aus, sondern zieht sie sogar in Betracht" (Grandt, S. 56)), hat seinen Grund nicht darin, dass er sie gutheißt, sondern dass sie im Jahre 1951 außerhalb der Waldorfschulen tatsächlich noch etwas normales waren! Grandt liefert hier mit seiner bewussten Verfälschung der klaren Aussagen von Gabert ein Paradebeispiel für seinen Schmierenjournalismus. Andere Publikationen wie z.B. der anonyme Waldorfhasser "Nachrichten aus der Welt der Anthroposophie", der eine besondere Vorliebe für die Verzerrung der Wirklichkeit hat, hängen sich an Grandts Verfälschungen und lügen ihre Leser unbekümmert an: "Der 'renommierte' Waldorfpädagoge Erich Gabert sieht hingegen ganz klar, was in solchen Fällen zu tun ist: Kinder, die andere Kinder schlagen, müssen ihrerseits Prügel von einem Erwachsenen beziehen."
Dieser Umstand wäre angesichts der Tatsache, dass das ganze Buch von Grandt auf diesem Qualitätsniveau erstellt ist, nicht weiter erwähnenswert, hätte nicht der Bund der Freien Waldorfschulen (BdFW) eben diesen Verweis auf das Buch von Gabert zum Gegenstand einer seiner Klagen auf Einstweilige Verfügung gegen Grandts Machwerk gemacht. Allerdings moniert der BdFW keineswegs die völlige Falschdarstellung der Inhalte des Buches von Gabert, sondern nur dass Grand eine alte Auflage zitiert und die neue, überarbeitete Version nicht erwähnt. Damit räumt der BdFW implizit ein, dass die von Grandt erhobenen Vorwürfe zumindest für die alte, unkommentierte Ausgabe eine gewisse Berechtigung hätten.
Der BdFW prägte damit in der Öffentlichkeit selbst ein völlig verzerrtes Bild des Buches von Gabert, das überhaupt erst durch die Klage des BdFW ins Gespräch gebracht wurde. Der BdFW erweckte den Eindruck, als vertete das Buch von Gabert in der ursprünglichen Version tatsächlich die Prügelstrafe als legitimes Erziehungsmittel und als hätte erst die Überarbeitung durch Georg Kniebe eine deutliche Abkehr von der Prügelstrafe kenntlich gemacht. Offenbar kennt der BdFW seine eigenen Bücher nicht. Denn bevor ich das Gabert-Buch im Original gelesen hatte, folgte auch für mich aus der Klage des BdFW auf Berücksichtigung der Neufassung, dass die Originalfassung offenbar fragwürdige Passagen enthalten müsse. Und der BdFW hat nichts unternommen, diesen Eindruck zu korrigieren. Nirgends findet sich eine Stellungnahme, in der das Bild des Gabert-Buches richtig gestellt wird. Selbst die waldorfnahe Zeitschrift info3, die das Grandt-Buch vehement kritisiert, spricht von den "umstrittenen Passagen aus dem Buch von Erich Gabert"
Dass dieses Bild entstanden ist und nunmehr die Diskussion unweigerlich prägt, hat der Bund der Freien Waldorfschulen zu verantworten. Es ist ein weiteres Beispiel
Zuguterletzt folgt hier noch das vollständige Kapitel aus dem Buch von Erich Gabert, und zwar in der ursprünglichen, nicht überarbeiteten Version, die Grandt für sein Buch verwendet hat. Die Hervorhebungen sind von mir und beziehen sich auf meine Anmerkungen oben.
Geschrieben von Christian Grauer
in Anthroposophie, Esobashing
um
02:19
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Freitag, 7. November 2008
Esowatch watet weiter durch den Sumpf
Die Esobasher-Szene hat tief gewühlt und aus dem Archiv der Rudolf-Steiner-Mailingliste
eine Diskussion aus dem Jahre 2005 zum damals tagesaktuellen Thema Kindesmissbrauch ausgegraben.
In dieser Diskussion vertrat Felix Hau eine kontroverse Meinung und warf in durchaus provokanten Worten der gesellschaftlichen Diskussion vor, unangemessene Hysterisieung und Pauschalisierung zu betreiben, statt das Problem sachlich und mit Augenmaß zu behandeln. Er forderte, sexuelle Handlungen mit Jugendlichen von Vergewaltigungen mit Kindern deutlicher zu unterscheiden, insbesondere hinsichtlich der Traumatisierung und dem Umstand, dass solche Handlungen von Jugendlichen teilweise auch provoziert werden. Weiter sah er durch die Hysterisierung im Einzelfall eine unnötige Verstärkung der Traumatisierung der Opfer. Ebenso stellte er in Frage, inwieweit die oralen oder exhibitionistischen Praktiken der damals diskutierten Fälle im Strafmaß sowie in der gesellschaftlichen Ächtung eine Gleichstellung mit Kindesvergewaltigungen rechtfertigten. Die Diskussion ist auf Felix Haus Blog Berzengeschnetz
dokumentiert .
Esowatch pickt nun in einem
Blogeintrag einige Passagen der Diskussion heraus und beweist in unfreiwilliger Selbstironie prototypisch, was Felix Hau mit Pauschalisierung und Hysterisierung meint. Im Konzert mit der Esobasher-Szene, die im wesentlichen aus
Andreas Lichte , „Christoph“, dem mutmaßlichen Autor des anonymen Blogs
NWA , einer Schar anonymer alter egos von
Andreas Lichte , den Autoren von Esowatch, dem Blog „Netzklempnerin“, „elphaba“, Autorin des Blogs „ADS/ADHS Chaos im Kopf“, dem
"RatgeberNews-Blog" und Alexander Otto alias „chefarztfrau“ besteht, wird nun eine der primitivsten Kampagnen gegen Felix Hau aufgefahren, in der er u.a. von
Andreas Lichte alias „Justine“ als
"Kindesmissbrauchverharmloser" und von Alexander Otto als
„Pädophiler Anthroposoph“ diffamiert wird. Der mutmaßliche Autor des
NWA-Blogs entblödet sich nicht, Felix Haus Thesen als
"Plädoyer für den Kindesmissbrauch" zu bezeichnen (der Kommentar wurde zwischenzeitlich vom Blogbetreiber wieder entfernt, der Beleg ist ein Screenshot meines Feedreaders).
Dass diese Vorwürfe nicht nur infam und haltlos sondern deswegen auch justiziabel sind, stört die Esobasher keineswegs. Diffamierungskampagnen gehören zu deren Standardinstrumentarium. Hierfür betreibt Esowatch z.B. extra eine
Sammlung von Dossiers über unliebsame Personen, in denen die Diffamierungen zusammengefasst werden. Ein Beispiel für die Perfidie, mit der dabei vorgegangen wird, zeigt sich in dem harmlos erscheinenden Kommentar von „elphaba“, in dem sie über Hau schreibt: "wen interessiert schon seine Homosexualität, die bringt er laufend ins Spiel, von sonst niemandem wurde die nämlich bis jetzt genannt."
#link> Tatsächlich hat aber Hau an keiner Stelle seine Homosexualität thematisiert, sondern eben mit diesem Satz hat „elphaba“ selbst Haus Homosexualität bewusst ins Spiel gebracht, um damit die klassischen Ingredienzen für eine Art von Hetzkampagnen zu haben, mit der sie sich in eine lange und traurige Tradition der Denunziation und Intoleranz stellt.
Einmal mehr zeigt sich überdeutlich, welche Absicht die Esobasher verfolgen: die Denunziation und existentielle Vernichtung der pauschal als böse vorverurteilten Vertreter bestimmter weltanschaulicher Richtungen. Die Motivation ist ihre Angst vor Andersdenkenden und vor der Erosion des eigenen festgefügten positivistischen Weltbildes. Das Ziel ist kulturelle Gleichschaltung und die totalitäre Verhinderung der Abweichung von den Deutungsansprüchen der für absolut gehaltenen eigenen Weltanschauung. Das methodische Repertoire reduziert sich dabei letztlich auf Lüge und Verleumdung, auf Hass und Diffamierung. Scheinheilige Rückfragen im Verhörstil transportieren bereits Urteile und Unterstellungen und sollen dem Opfer einen Widerruf entlocken, der ihm dann als Bestätigung aller Vorurteile ausgelegt wird. Die faulen rhetorischen Taschenspielertricks stinken vom Kopfe her und sind allzu durchschaubar. Daher sind auch Diskussionsversuche, Aufklärungs- und Klarstellungsversuche von vorneherein zum Scheitern verurteilt, weil sie von Esowatch und den Esobashern nur als Anlass und Steinbruch für weitere Diffamierungen genutzt werden. Völlig zurecht zieht Felix Hau in seiner
Stellungnahme Parallelen zu jener Mentalität, auf der totalitäre Systeme gedeihen.
In einer demokratischen, humanistisch gebildeten und rechtsstaatlich pluralistischen Gesellschaft hat solcherlei Denunziantentum keinen Platz, auch wenn es sich um eine winzige, im wesentlichen auf einige Internetseiten beschränkte Gruppe von Akteuren handelt. Denn diese Art der Agitation hat weder mit Aufklärung noch mit Kritik etwas zu tun, denn sie geht jeder Form von Dialog, Differenzierung und sachlicher Kritik gezielt aus dem Weg. Die zur Schau getragene Empörung und der unschuldig aufklärerische Impetus, mit dem die Diffamierungen immer wieder eingeleitet und gerechtfertigt werden, sind nur sympathieheischende Maske für eine gezielte und tatktisch perfide berechnete Hass- und Vernichtungskampagne gegen Andersdenkende.
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Nachtrag:

Ohne (weitere) Worte...
In dieser Diskussion vertrat Felix Hau eine kontroverse Meinung und warf in durchaus provokanten Worten der gesellschaftlichen Diskussion vor, unangemessene Hysterisieung und Pauschalisierung zu betreiben, statt das Problem sachlich und mit Augenmaß zu behandeln. Er forderte, sexuelle Handlungen mit Jugendlichen von Vergewaltigungen mit Kindern deutlicher zu unterscheiden, insbesondere hinsichtlich der Traumatisierung und dem Umstand, dass solche Handlungen von Jugendlichen teilweise auch provoziert werden. Weiter sah er durch die Hysterisierung im Einzelfall eine unnötige Verstärkung der Traumatisierung der Opfer. Ebenso stellte er in Frage, inwieweit die oralen oder exhibitionistischen Praktiken der damals diskutierten Fälle im Strafmaß sowie in der gesellschaftlichen Ächtung eine Gleichstellung mit Kindesvergewaltigungen rechtfertigten. Die Diskussion ist auf Felix Haus Blog Berzengeschnetz
Esowatch pickt nun in einem
Dass diese Vorwürfe nicht nur infam und haltlos sondern deswegen auch justiziabel sind, stört die Esobasher keineswegs. Diffamierungskampagnen gehören zu deren Standardinstrumentarium. Hierfür betreibt Esowatch z.B. extra eine
Einmal mehr zeigt sich überdeutlich, welche Absicht die Esobasher verfolgen: die Denunziation und existentielle Vernichtung der pauschal als böse vorverurteilten Vertreter bestimmter weltanschaulicher Richtungen. Die Motivation ist ihre Angst vor Andersdenkenden und vor der Erosion des eigenen festgefügten positivistischen Weltbildes. Das Ziel ist kulturelle Gleichschaltung und die totalitäre Verhinderung der Abweichung von den Deutungsansprüchen der für absolut gehaltenen eigenen Weltanschauung. Das methodische Repertoire reduziert sich dabei letztlich auf Lüge und Verleumdung, auf Hass und Diffamierung. Scheinheilige Rückfragen im Verhörstil transportieren bereits Urteile und Unterstellungen und sollen dem Opfer einen Widerruf entlocken, der ihm dann als Bestätigung aller Vorurteile ausgelegt wird. Die faulen rhetorischen Taschenspielertricks stinken vom Kopfe her und sind allzu durchschaubar. Daher sind auch Diskussionsversuche, Aufklärungs- und Klarstellungsversuche von vorneherein zum Scheitern verurteilt, weil sie von Esowatch und den Esobashern nur als Anlass und Steinbruch für weitere Diffamierungen genutzt werden. Völlig zurecht zieht Felix Hau in seiner
In einer demokratischen, humanistisch gebildeten und rechtsstaatlich pluralistischen Gesellschaft hat solcherlei Denunziantentum keinen Platz, auch wenn es sich um eine winzige, im wesentlichen auf einige Internetseiten beschränkte Gruppe von Akteuren handelt. Denn diese Art der Agitation hat weder mit Aufklärung noch mit Kritik etwas zu tun, denn sie geht jeder Form von Dialog, Differenzierung und sachlicher Kritik gezielt aus dem Weg. Die zur Schau getragene Empörung und der unschuldig aufklärerische Impetus, mit dem die Diffamierungen immer wieder eingeleitet und gerechtfertigt werden, sind nur sympathieheischende Maske für eine gezielte und tatktisch perfide berechnete Hass- und Vernichtungskampagne gegen Andersdenkende.
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Nachtrag:
Ohne (weitere) Worte...
Geschrieben von Christian Grauer
in Anthroposophie, Esobashing
um
19:41
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Samstag, 13. September 2008
Der Bund der Freien Waldorfschulen begeht Selbstmord
Gerade begann es so richtig genüsslich zu werden, wie das neue Buch von Michael Grandt, "Schwarzbuch Waldorf", nicht nur in anthroposophischen und waldorfnahen, sondern auch in Zeitungen wie der Süddeutschen und der ZEIT als niveauloses Machwerk in die Bedeutungslosigkeit rezensiert wurde. Da ereilt uns die Nachricht vom vorzeitigen gesellschaftlichen Selbstmordversuch des Bundes der Freien Waldorfschulen (BdFW).
Wie eben dieser Bund in einer Rundmail mitteilt, wurde nun beim Landgericht Stuttgart eine einstweilige Verfügung gegen das "Schwarzbuch Waldorf" erwirkt und damit die Auslieferung des Buches vorläufig gestoppt. Der Bund begründet den drastischen Schritt damit, dass Grandt falsche Tatsachenbehauptungen aufstellt, "in einem besonders gravierenden Fall die Behauptung, der Bund der Waldorfschulen verharmlose und rechtfertige körperliche Züchtigungen an Schülerinnen und Schülern". Da in einem direkten Gespräch mit dem Verlag offenbar keine Einigung gefunden werden konnte, entschloss sich der Bund, den juristischen Weg zu beschreiten.
Sowohl Grandt als auch die Anthroposophen sind geübt: vor 10 Jahren hatte man das "Schwarzbuch Anthroposophie" von Grandt auf diese Weise verbieten lassen und dadurch erreicht, dass es später mit gerichtlich angeordneten Schwärzungen doch erschienen ist, was nicht nur seinen Enthüllungsnimbus steigerte, sondern auch die nicht-geschwärzten Stellen gleichsam als gerichtlich abgesegnete Wahrheit erscheinen ließ. Von der Werbewirkung der Aktion für das Buch und den Image-Schaden für eine sich provinziell unsportlich gebärdende Anthroposophie ganz zu schweigen!
Die Dummheit, diesen faux Pas nun erneut zu begehen, verursacht fast physischen Schmerz. Gibt es denn in Stuttgart keine PR-Berater? Auf solche Aktionen haben Grandt und seine Mitstreiter doch nur gewartet wie ausgehungerte Piranhas, denn sie sind die beste PR für das Buch. Der Enthüllungsanspruch von Grandt, der hinter Waldorf eine rigorose Sekte vermutet, wird dadurch nur bestätigt und die gesellschaftliche Diskussionsunfähigkeit der Waldorfvertreter wird aktenkundig demonstriert. Statt mit einer offenen Debatte voll Esprit und Humor auf die tumbe Agitation von Grandt zu reagieren, begibt man sich noch weit unter dessen eigenes Niveau. Die heren Ansprüche von freiem Geistesleben und Pluralismus, mit dem man sich als Privatschule stets rechtfertigt, weichen einer geradezu spießbürgerlichen Borniertheit. Statt auf Argumente und positive gesellschaftliche Präsenz zu setzen manövriert man sich mit beispielloser Unprofessionalität ins gesellschaftliche Abseits einer Pitbull-Sekte, die auf unbescholtene Journalisten mit Klagen und Verfügungen losgeht.
Was können denn so jämmerliche Figuren wie Grandt und seine paranoiden Agitationen ausrichten gegen die offene und kultivierte Wirklichkeit der Waldorfschulen, gegen Generationen von Waldorfschülern, die in erfolgreich gelebten Biographien - ob prominent oder nicht - für Waldorfschulen Zeugnis ablegen, gegen die Ressourcen an gebildeten und geistreichen Anthropsophen und Waldorfleuten, die solch ungelenk formulierte Kritik mit Witz und Intelligenz zu kontern wissen, und schließlich gegen eine offene Diskussion und eine PR, die Waldorf als integrales Konzept einer freiheitlich-demokratischen, pluralistischen und humanistischen Gesellschaft in Szene setzt?
Diese peinliche Aktion treibt jedem Waldorfschüler die Schamesröte ins Gesicht und sie ist ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die sich mit Engagement und Phantasie öffentlich für die Ideen der Anthroposophie und der Waldorfpädagogik einsetzen und die einzigartigen Leistungen und Potentiale gegen die ebenso menschlichen Schattenseiten hervorzuheben bemüht sind. Denn hier endet mein Verständnis für die Menschlichkeit der offenbar vollständig unfähigen PR-Abteilung des Bundes der Waldorfschulen und ich weigere mich als Mitglied einer Waldorfschule, einen solchen Bund als Vertretung anzuerkennen.
Wie eben dieser Bund in einer Rundmail mitteilt, wurde nun beim Landgericht Stuttgart eine einstweilige Verfügung gegen das "Schwarzbuch Waldorf" erwirkt und damit die Auslieferung des Buches vorläufig gestoppt. Der Bund begründet den drastischen Schritt damit, dass Grandt falsche Tatsachenbehauptungen aufstellt, "in einem besonders gravierenden Fall die Behauptung, der Bund der Waldorfschulen verharmlose und rechtfertige körperliche Züchtigungen an Schülerinnen und Schülern". Da in einem direkten Gespräch mit dem Verlag offenbar keine Einigung gefunden werden konnte, entschloss sich der Bund, den juristischen Weg zu beschreiten.
Sowohl Grandt als auch die Anthroposophen sind geübt: vor 10 Jahren hatte man das "Schwarzbuch Anthroposophie" von Grandt auf diese Weise verbieten lassen und dadurch erreicht, dass es später mit gerichtlich angeordneten Schwärzungen doch erschienen ist, was nicht nur seinen Enthüllungsnimbus steigerte, sondern auch die nicht-geschwärzten Stellen gleichsam als gerichtlich abgesegnete Wahrheit erscheinen ließ. Von der Werbewirkung der Aktion für das Buch und den Image-Schaden für eine sich provinziell unsportlich gebärdende Anthroposophie ganz zu schweigen!
Die Dummheit, diesen faux Pas nun erneut zu begehen, verursacht fast physischen Schmerz. Gibt es denn in Stuttgart keine PR-Berater? Auf solche Aktionen haben Grandt und seine Mitstreiter doch nur gewartet wie ausgehungerte Piranhas, denn sie sind die beste PR für das Buch. Der Enthüllungsanspruch von Grandt, der hinter Waldorf eine rigorose Sekte vermutet, wird dadurch nur bestätigt und die gesellschaftliche Diskussionsunfähigkeit der Waldorfvertreter wird aktenkundig demonstriert. Statt mit einer offenen Debatte voll Esprit und Humor auf die tumbe Agitation von Grandt zu reagieren, begibt man sich noch weit unter dessen eigenes Niveau. Die heren Ansprüche von freiem Geistesleben und Pluralismus, mit dem man sich als Privatschule stets rechtfertigt, weichen einer geradezu spießbürgerlichen Borniertheit. Statt auf Argumente und positive gesellschaftliche Präsenz zu setzen manövriert man sich mit beispielloser Unprofessionalität ins gesellschaftliche Abseits einer Pitbull-Sekte, die auf unbescholtene Journalisten mit Klagen und Verfügungen losgeht.
Was können denn so jämmerliche Figuren wie Grandt und seine paranoiden Agitationen ausrichten gegen die offene und kultivierte Wirklichkeit der Waldorfschulen, gegen Generationen von Waldorfschülern, die in erfolgreich gelebten Biographien - ob prominent oder nicht - für Waldorfschulen Zeugnis ablegen, gegen die Ressourcen an gebildeten und geistreichen Anthropsophen und Waldorfleuten, die solch ungelenk formulierte Kritik mit Witz und Intelligenz zu kontern wissen, und schließlich gegen eine offene Diskussion und eine PR, die Waldorf als integrales Konzept einer freiheitlich-demokratischen, pluralistischen und humanistischen Gesellschaft in Szene setzt?
Diese peinliche Aktion treibt jedem Waldorfschüler die Schamesröte ins Gesicht und sie ist ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die sich mit Engagement und Phantasie öffentlich für die Ideen der Anthroposophie und der Waldorfpädagogik einsetzen und die einzigartigen Leistungen und Potentiale gegen die ebenso menschlichen Schattenseiten hervorzuheben bemüht sind. Denn hier endet mein Verständnis für die Menschlichkeit der offenbar vollständig unfähigen PR-Abteilung des Bundes der Waldorfschulen und ich weigere mich als Mitglied einer Waldorfschule, einen solchen Bund als Vertretung anzuerkennen.
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Montag, 8. September 2008
Tagung Ursprüngliche Anthroposophie 20./21.9.08 in Berlin
Wie bereits vorangekündigt findet am 20./21. September in Berlin die Veranstaltung "Ursprüngliche Anthroposophie" statt (weitere Infos s.u.), die bereits im Vorfeld für Aufregung sorgte. Ein großer Kreis der Anthroposophen betrachtet die frühen Werke von Steiner nur als philosophische Vorläufer dessen, was er nach der Jahrhundertwende (nach der Verbindung mit der Theosophie) als Anthroposophie in esoterisch-geisteswissenschaftlicher Arbeit entfaltet hat. Mancher hält die Beschäftigung mit Steiners Frühwerk und noch mehr mit anderen spirituellen Strömungen im Rahmen der Anthroposophie daher für eine Zerstörung derselben und warnt in privaten Zuschriften vor der Veranstaltung und ihren Referenten!
Die theosophische Anthroposophie nach der Jahrhundertwende fasziniert durch einen enormen Reichtum an Bildern, detaillierten Zusammenhängen und einer Aktivierung und Reaktivierung vor allem christlicher aber auch anderer tiefer spiritueller Weisheiten. Die Geschlossenheit, mit der Steiner diese Inhalte in eine ganz neue, individuelle und dem (damals) modernen Bewusstsein angemessene Form brachte und zu einem enorm inspirierenden Gesamtwerk machte, ist eine der faszinierendsten Leistungen Steiners. Diese Anthroposophie beschränkt sich aber trotz ihrer auf den ersten Blick ungewöhnlich esoterischen und blumigen Sprache nicht auf sonntägliche Erbauungsstunden oder private Selbstfindung und Bewusstseinsarbeit, sondern entzündete als kultureller Motor eine weltweite Bewegung und inspirierte Menschen auf den vielfältigsten praktischen Gebieten des Alltagslebens.
Das ist soweit bekannt und eine unanfechtbare Leistung der nachtheosophischen Anthroposophie. Ein Kennzeichen dieser Anthroposophie ist aber auch, dass sie als individuelle Leistung Steiners zugleich auf seine Authentizität und Autorität als Person und Inspirator fokussiert. Je größer die historische Distanz zu Steiner wird, desto schwieriger wird es, aus dieser Authentizität zu schöpfen und so zeigt sich bisweilen die schiere Tradierung auf Vertrauensbasis als ein Hindernis in der anthroposophischen Arbeit und macht sie zu einem teilweise hermetischen und die Anthroposophie als Offenbarung instrumentalisierenden Dogma, das mehr behindert als inspiriert. Ihre Vertreter, die durchaus noch die Authentizität der Steinerschen Inspiration intuitiv erfassen und als selbstgewählte Orientierung für ihre Arbeit wählen, können diese Authentizität aber nicht mehr an Dritte vermitteln. Die Anthroposophie erscheint dann vielfach als dogmatisches Lehrgebäude, das Traditionen wahrt in der Illusion, damit jene Authentizität sichern zu können.
Viele Anthroposophen spüren aber, dass sie nun selbst gefordert sind, jene Authentizität und Autorität zu bilden, die Steiner als Initiator der Anthroposophie ganz natürlich und in ganz besonderem Maße hatte. Nicht um Steiner zu negieren, nicht um mit der Anthroposophie zu brechen, sondern um ihren eigentlichen Kern, das eigentliche Erneuerungspotential zu nutzen, das in ihr liegt. Sie spüren, dass die lebendige Anthroposophie, die sich als spirituelle Strömung einem Dialog mit der Gegenwart stellte, zu einer blutleeren, dogmatisch tradierten Lehre wird, wenn sie nicht von uns selbst mit jener Authentizität und Unmittelbarkeit vertreten werden kann, wie sie das von Steiner wurde. Denn das Potential der Anthroposophie liegt nicht in ihren Traditionen und Gewohnheiten, in Arbeitsweisen und Detailerkenntnissen, sondern in einem spezifischen Zugang zur Welt, in einer Erkenntnishaltung und Fragestellung an das Leben, die sich aus Unbefangenheit und in spiritueller Aufklärung für die Integration einer geistigen Wirklichkeit öffnet, die nicht jenseits, sondern diesseits des sinnlichen Realitätsverständnisses liegt.
Die Veranstaltung "Ursprüngliche Anthroposophie" möchte im Frühwerk Steiners einer Erkenntnisdimension nachspüren, in der sich auch bei ihm noch vor der Ausarbeitung der Anthroposophie als solcher, ein unmittelbarer Zugang zu den spirituellen Dimensionen des Lebens finden. Dieses frühe Werk weist nicht den hohen Grad an Konkretion und Ausarbeitung auf, wie die spätere Anthroposophie. Es verzichtet auch auf Bezüge zu allerelei esoterischen, okkulten, mythischen und mystischen Traditionen. Dafür ist es aber auch frei von jeglichem traditionellen Ballast und sucht mit fast spröder Nüchternheit den Kern der spirituellen Erfahrung in philosophische Worte zu fassen. Sicherlich hat das Spätwerk eine andere biographische Reife. Dies zeigt sich insbesondere auch in seiner ganz anderen sozialen und kulturellen Wirkung. Aber keineswegs ist das Frühwerk deswegen aus spiritueller Sicht als minderwertig oder nur vorläufig anzusehen. Unter der Oberfläche philosophischer Ausdrucksweise und scheinbar paradoxer Formulierungen wird die selbe spirituelle Tiefe angesprochen, die sich durch die gesamte Anthroposophie zieht. Indem sich die frühen Schriften an das reine Denken wenden, sind sie oft schwerer zugänglich, als die faszinierenden theosophischen Bilder, sind sie aber zugleich auch unabhängiger von kulturellen Voreinstellungen und von der Authentizität des Autors. Sie stellen auch nach Steiners eigenen Aussagen eine Form des ursprünglichen Zugangs dar, aus dem eine Anthroposophie jederzeit individuell und authentisch hervorgehen kann.
Auch Verbindungen zu anderen modernen spirituellen Strömungen sind aus dieser Perspektive leichter als aus der kulturell stark geprägten nachtheosophischen Anthroposophie. Dies wird sich in der Veranstaltung am Beispiel von Ken Wilber darstellen, dessen Ansatz durch Michael Habecker vertreten sein wird. An diesem Beispiel kann vielleicht deutlich werden, wie jener ursprüngliche Zugang zur Anthroposophie zugleich auch Teil hat an jenem allgemein ursprünglichen spirituellen Zugang zum Leben, der sich als höchste oder tiefste Dimension letztlich hinter allen Versuchen, das Leben mit Erkenntnis zu durchdringen, auffinden lässt.
Als Referent dieser Veranstaltung sehe ich darin ein Chance, nicht nur die Anthroposophie mit neuer Lebenskraft zu versorgen, sondern auch für mich selbst einen Weg zu den Ursprüngen der Anthroposophie zu finden, ohne die Traditionen deswegen pauschal negieren zu müssen, aber um dadurch und auch im Dialog mit anderen modernen Inspirationen selbst jene Form der Authentizität für mich zu finden, die das Werk Steiners so kraftvoll und charismatisch macht.
Jeder, der sich dafür interessiert, mit diesem Ansatz neue, ggf. auch experimentelle Wege der Anthroposophie und der Spiritualität zu beschreiten und darüber ins Gespräch zu kommen, ist herzlich zu unserer Veranstaltung eingeladen. Ein zentraler Ansatz der Veranstaltung ist es daher auch, das Gewicht weg von den Vorträgen und hin auf die Gespräche und Übungen mit allen Teilnehmern zu lenken, um nicht nur vorbereitete Weisheiten abzuspulen sondern in einen lebendigen und unmittelbaren Erkenntnisdialog zu kommen.
"Ursprüngliche Anthroposophie"
Tagung mit Impulsreferaten, Übungen und Gesprächen
Referentinnen und Referenten:
Anna-Katharina Dehmelt
Christian Grauer
Sebastian Gronbach
Michael Habecker
Jens Heisterkamp
Termin: von Sa. 20.9.08 14:00 Uhr bis So. 2.9.08
Ort: Teltower Damm 269, 14167 Berlin
Teilnahmegebühr: 40 EUR (an der Tageskasse)
Veranstalter:
Zeitschrift info3,
Werkgemeinschaft Berlin-Brandenburg, Sozialtherapeutische Werkstätten gGmbH
Organisation und Durchführung: Frithkof Scholz, Uwe Gräßer (Werkgemeinschaft), Jens Heisterkamp (info3)
Programm:
Samstag, 14:00 Uhr
Teil 1:
Ursprüngliche Anthroposophie. Eine Spurensuche im Lebenswerk RUdolf Steiners.
Impulsreferat von Dr. Jens Heisterkamp. Übungen mit Anna-Katharina Dehmelt.
Bewusstsein als absolute Dimension unserer Erfahrung. Phänomenologische Annäherung an das Bewusstsein mit Christian Grauer
Teil 2:
Authentische Spirituelle Erfahrung: Bewusstseinserfahrung als Gotteserfahrung. Impulsreferat von Sebastian Gronbach
Sonntag, 9:30 Uhr
Teil 3:
Die höhere Wahrheit im Dialog. Krieterien einer zeitgemäßen und post-metaphysischen Spiritualität im Anschluss an Ken Wilber. Impulsreferat von Michael Habecker.#
Jede Einheit mit Übungen (A.-K. Dehmelt) und Gesprächen.
Die theosophische Anthroposophie nach der Jahrhundertwende fasziniert durch einen enormen Reichtum an Bildern, detaillierten Zusammenhängen und einer Aktivierung und Reaktivierung vor allem christlicher aber auch anderer tiefer spiritueller Weisheiten. Die Geschlossenheit, mit der Steiner diese Inhalte in eine ganz neue, individuelle und dem (damals) modernen Bewusstsein angemessene Form brachte und zu einem enorm inspirierenden Gesamtwerk machte, ist eine der faszinierendsten Leistungen Steiners. Diese Anthroposophie beschränkt sich aber trotz ihrer auf den ersten Blick ungewöhnlich esoterischen und blumigen Sprache nicht auf sonntägliche Erbauungsstunden oder private Selbstfindung und Bewusstseinsarbeit, sondern entzündete als kultureller Motor eine weltweite Bewegung und inspirierte Menschen auf den vielfältigsten praktischen Gebieten des Alltagslebens.
Das ist soweit bekannt und eine unanfechtbare Leistung der nachtheosophischen Anthroposophie. Ein Kennzeichen dieser Anthroposophie ist aber auch, dass sie als individuelle Leistung Steiners zugleich auf seine Authentizität und Autorität als Person und Inspirator fokussiert. Je größer die historische Distanz zu Steiner wird, desto schwieriger wird es, aus dieser Authentizität zu schöpfen und so zeigt sich bisweilen die schiere Tradierung auf Vertrauensbasis als ein Hindernis in der anthroposophischen Arbeit und macht sie zu einem teilweise hermetischen und die Anthroposophie als Offenbarung instrumentalisierenden Dogma, das mehr behindert als inspiriert. Ihre Vertreter, die durchaus noch die Authentizität der Steinerschen Inspiration intuitiv erfassen und als selbstgewählte Orientierung für ihre Arbeit wählen, können diese Authentizität aber nicht mehr an Dritte vermitteln. Die Anthroposophie erscheint dann vielfach als dogmatisches Lehrgebäude, das Traditionen wahrt in der Illusion, damit jene Authentizität sichern zu können.
Viele Anthroposophen spüren aber, dass sie nun selbst gefordert sind, jene Authentizität und Autorität zu bilden, die Steiner als Initiator der Anthroposophie ganz natürlich und in ganz besonderem Maße hatte. Nicht um Steiner zu negieren, nicht um mit der Anthroposophie zu brechen, sondern um ihren eigentlichen Kern, das eigentliche Erneuerungspotential zu nutzen, das in ihr liegt. Sie spüren, dass die lebendige Anthroposophie, die sich als spirituelle Strömung einem Dialog mit der Gegenwart stellte, zu einer blutleeren, dogmatisch tradierten Lehre wird, wenn sie nicht von uns selbst mit jener Authentizität und Unmittelbarkeit vertreten werden kann, wie sie das von Steiner wurde. Denn das Potential der Anthroposophie liegt nicht in ihren Traditionen und Gewohnheiten, in Arbeitsweisen und Detailerkenntnissen, sondern in einem spezifischen Zugang zur Welt, in einer Erkenntnishaltung und Fragestellung an das Leben, die sich aus Unbefangenheit und in spiritueller Aufklärung für die Integration einer geistigen Wirklichkeit öffnet, die nicht jenseits, sondern diesseits des sinnlichen Realitätsverständnisses liegt.
Die Veranstaltung "Ursprüngliche Anthroposophie" möchte im Frühwerk Steiners einer Erkenntnisdimension nachspüren, in der sich auch bei ihm noch vor der Ausarbeitung der Anthroposophie als solcher, ein unmittelbarer Zugang zu den spirituellen Dimensionen des Lebens finden. Dieses frühe Werk weist nicht den hohen Grad an Konkretion und Ausarbeitung auf, wie die spätere Anthroposophie. Es verzichtet auch auf Bezüge zu allerelei esoterischen, okkulten, mythischen und mystischen Traditionen. Dafür ist es aber auch frei von jeglichem traditionellen Ballast und sucht mit fast spröder Nüchternheit den Kern der spirituellen Erfahrung in philosophische Worte zu fassen. Sicherlich hat das Spätwerk eine andere biographische Reife. Dies zeigt sich insbesondere auch in seiner ganz anderen sozialen und kulturellen Wirkung. Aber keineswegs ist das Frühwerk deswegen aus spiritueller Sicht als minderwertig oder nur vorläufig anzusehen. Unter der Oberfläche philosophischer Ausdrucksweise und scheinbar paradoxer Formulierungen wird die selbe spirituelle Tiefe angesprochen, die sich durch die gesamte Anthroposophie zieht. Indem sich die frühen Schriften an das reine Denken wenden, sind sie oft schwerer zugänglich, als die faszinierenden theosophischen Bilder, sind sie aber zugleich auch unabhängiger von kulturellen Voreinstellungen und von der Authentizität des Autors. Sie stellen auch nach Steiners eigenen Aussagen eine Form des ursprünglichen Zugangs dar, aus dem eine Anthroposophie jederzeit individuell und authentisch hervorgehen kann.
Auch Verbindungen zu anderen modernen spirituellen Strömungen sind aus dieser Perspektive leichter als aus der kulturell stark geprägten nachtheosophischen Anthroposophie. Dies wird sich in der Veranstaltung am Beispiel von Ken Wilber darstellen, dessen Ansatz durch Michael Habecker vertreten sein wird. An diesem Beispiel kann vielleicht deutlich werden, wie jener ursprüngliche Zugang zur Anthroposophie zugleich auch Teil hat an jenem allgemein ursprünglichen spirituellen Zugang zum Leben, der sich als höchste oder tiefste Dimension letztlich hinter allen Versuchen, das Leben mit Erkenntnis zu durchdringen, auffinden lässt.
Als Referent dieser Veranstaltung sehe ich darin ein Chance, nicht nur die Anthroposophie mit neuer Lebenskraft zu versorgen, sondern auch für mich selbst einen Weg zu den Ursprüngen der Anthroposophie zu finden, ohne die Traditionen deswegen pauschal negieren zu müssen, aber um dadurch und auch im Dialog mit anderen modernen Inspirationen selbst jene Form der Authentizität für mich zu finden, die das Werk Steiners so kraftvoll und charismatisch macht.
Jeder, der sich dafür interessiert, mit diesem Ansatz neue, ggf. auch experimentelle Wege der Anthroposophie und der Spiritualität zu beschreiten und darüber ins Gespräch zu kommen, ist herzlich zu unserer Veranstaltung eingeladen. Ein zentraler Ansatz der Veranstaltung ist es daher auch, das Gewicht weg von den Vorträgen und hin auf die Gespräche und Übungen mit allen Teilnehmern zu lenken, um nicht nur vorbereitete Weisheiten abzuspulen sondern in einen lebendigen und unmittelbaren Erkenntnisdialog zu kommen.
"Ursprüngliche Anthroposophie"
Tagung mit Impulsreferaten, Übungen und Gesprächen
Referentinnen und Referenten:
Anna-Katharina Dehmelt
Christian Grauer
Sebastian Gronbach
Michael Habecker
Jens Heisterkamp
Termin: von Sa. 20.9.08 14:00 Uhr bis So. 2.9.08
Ort: Teltower Damm 269, 14167 Berlin
Teilnahmegebühr: 40 EUR (an der Tageskasse)
Veranstalter:
Zeitschrift info3,
Werkgemeinschaft Berlin-Brandenburg, Sozialtherapeutische Werkstätten gGmbH
Organisation und Durchführung: Frithkof Scholz, Uwe Gräßer (Werkgemeinschaft), Jens Heisterkamp (info3)
Programm:
Samstag, 14:00 Uhr
Teil 1:
Ursprüngliche Anthroposophie. Eine Spurensuche im Lebenswerk RUdolf Steiners.
Impulsreferat von Dr. Jens Heisterkamp. Übungen mit Anna-Katharina Dehmelt.
Bewusstsein als absolute Dimension unserer Erfahrung. Phänomenologische Annäherung an das Bewusstsein mit Christian Grauer
Teil 2:
Authentische Spirituelle Erfahrung: Bewusstseinserfahrung als Gotteserfahrung. Impulsreferat von Sebastian Gronbach
Sonntag, 9:30 Uhr
Teil 3:
Die höhere Wahrheit im Dialog. Krieterien einer zeitgemäßen und post-metaphysischen Spiritualität im Anschluss an Ken Wilber. Impulsreferat von Michael Habecker.#
Jede Einheit mit Übungen (A.-K. Dehmelt) und Gesprächen.
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Donnerstag, 4. September 2008
Esowatch - für Herrn Gerlach persönlich
Da der Esowatch-Blog meine Kommentare nur teilweise zulässt, mich ansonsten auf einer "Blacklist" führt (was Esowatch absurderweise abstreitet und als eine erfundene "Ausrede" meinerseits bezeichnet), veröffentliche ich den Rest meines etwas längeren Kommentars in Antwort auf Herrn Gerlach einfach hier. Er wird sich schon hier her verirren und vielleicht schaffe ich ja noch, den 4. und letzten Teil auch bei Esowatch zu posten. Die ersten 3 durfte ich immerhin schon.

Lieber Herr Gerlach,
Sie wollen es vorgekaut und ausführlich, weil sie zu faul sind, selbst zu lesen? Bitte, können Sie haben. Ich komme allerdings nicht umhin, etwas ausführlicher zu werden, weil die Wahrheit nunmal kein Multiple-Choice-Test ist, wie Sie sich das gerne vorstellen. Im Grunde ist es albern, aber ich will versuchen, Ihnen zu antworten und zu erläutern, warum ich zu dem in meinem Artikel gefällten Urteil über Esowatch und eine Reihe anderer Anthroposophie-Kritiker komme.
Ich habe bereits betont, dass sich meine Kritik nicht ausschließlich und auch keineswegs vorwiegend an Esowatch richtet. Ich darf Ihnen sogar sagen, dass ich grundsätzlich gegen das Anliegen, das Esowatch ausgibt, überhaupt nichts einzuwenden habe. Es gibt tatsächlich sehr viel Unsinn, Scharlatanerie und teilweise auch wirkliche Gefahren in dem nahezu endlosen Spektrum esoterischer, spiritistischer, religiöser und parapsychologischer Bewegungen. Und selbstverständlich gibt es da auch Skandale und Fehlverhalten. Ich nehme da weder die Kirchen noch die Anthroposophie aus. Und es ist legitim und zu begrüßen, wenn jemand darüber sachlich informiert. D.h. es WÄRE zu begrüßen, denn Esowatch informiert zwar, aber leider nicht sachlich. Und genau das ist das Problem.
Mein Artikel richtet sich also nicht primär gegen die Kritik, die vorgebracht wird, sondern gegen die Art und Weise, wie sie vorgebracht wird und mit welcher Absicht sie vorgebracht wird. Insbesondere habe ich keine Probleme damit, wenn Misstände an Schulen, rassistische Äußerungen bei Steiner oder seinen Anhängern, mögliche Kindesmisshandlungen und dergleichen angeprangert werden. Was ich kritisiere ist einmal die Pauschalisierung, mit der Anthroposophen unter Generalverdacht gestellt werden, wenn in irgend einer Institution etwas vorfällt. Und noch mehr die Instrumentalisierung dieser Vorfälle zur Diffamierung der Anthroposophie als solcher und einer ganzen Gruppen von Menschen, die mit dem Vorfall nichts zu tun haben, außer dass sie die selben Bücher lesen. Den Nachweis über einen systematischen Zusammenhang bleibt Esowatch aber schuldig. Es behauptet ihn einfach, bringt aber weder Beweise noch Begründungen. Es wird einfach konstatiert: „Gewalt ist dem anthroposophischen 'Denken' immanent.“ („rincewind“ http://blog.esowatch.com/index.php?itemid=78&catid=4 ) Begründung? Fehlanzeige. Der Einzelfall wird einfach zum Normalfall erklärt, ohne sich an der Tatsache zu stören, dass er dann eigentlich in allen, immerhin in den meisten Waldorfschulen vorkommen müsste und nur in diesen. Das tut er aber nachweislich nicht. Solche Fälle sind in Waldorfschulen ebenso die Ausnahme wie in anderen Schulen. Warum berichtet Esowatch nicht über Missbrauch an staatlichen Schulen? Und warum erklärt es Gewalt nicht auch dem Denken der Bundesrepublik Deutschland, dem Grundgesetz oder der konventionellen Pädagogik als immanent? Ich hatte in einer staatlichen Schule einen Lehrer, der geprügelt hat. Ich wäre bislang nie auf die Idee gekommen, Alexander v. Humboldt dafür verantwortlich zu machen...
Wenn also Esowatch schreibt „Von einem 'ultimativen Sündenpfuhl' spricht nur er selbst. Wenigstens Esowatch bezieht sich auf konkrete Fälle,“ dann ist das schlicht eine Illusion: Esowatch bezieht sich nicht nur auf konkrete Fälle, sondern pauschalisiert, sonst würde es nicht wenige Zeilen später erklären: „Its a feature, not a bug“. Wollen Sie bestreiten, dass eine Bewegung, die gezielt und systematisch Institutionen zum Zwecke der Misshandlung von Kindern („feature“) ein ultimativer Sündenpfuhl wäre? Mein Vorwurf, die Esobasher hielten die Anthroposophie für einen ultimativen Sündenpfuhl ist also durchaus zutreffend. Um diese von Esowatch vertretene Ansicht zu erkennen, genügt es eben nicht, wie Sie es hier immer mit dem unschuldigen Staunen eines Waldorfschülers im Gesicht fordern, irgend einen Satz zu zitieren. Das scheint hier ja auch die einzige bekannte hermeneutische Methode zu sein; die Wissenschaft und Literatur hat seit der Steinzeit allerdings auch noch um einiges raffiniertere Methoden entwickelt, mit denen Sie sich dringend beschäftigen sollten!
Auch mein Vorwurf, die Esobasher sähen hinter der Anthroposophie eine straff organisierte Lobby mit einer professionellen Öffentlichkeitsarbeit, wird von Esowatch immer wieder bestätigt. So schreibt „thomas“, nach allem was ich schließen muss einer der Autoren von Esowatch (man korrigiere mich bitte): „Ein Irrsinn, der mM nach vor dem Hintergrund der gut funktionierenden Anthroposophen-Lobby gesehen werden muss.“
http://blog.esowatch.com/index.php?itemid=83&catid=4
oder „cohen“, ebenfalls Autor: „Eins ist klar, die Anthros spielen auf der Klaviatur der Öffentlichkeitsarbeit sehr geschickt.“
http://blog.esowatch.com/index.php?itemid=78&catid=4
Das ist aber für jeden, der die Anthroposophische Öffentlichkeitsarbeit kennt, einfach nur ein Brüller. Sonst nichts. Offenabar kennt aber Esowatch die Öffentlichkeitsarbeit nicht so gut. Wie es überhaupt nicht immer sonderlich informiert wirkt – ein weiterer Vorwurf von mir! Aber wie auch, schließlich kommt Esowatch nach eigenem Bekunden (s.o.) ohne fremde Geldmittel aus. Da kann man natürlich nur spärlich recherchieren, denn fundierte Recherche ist aufwändig! Da reicht ein bisschen Googlen nicht aus. So finden sich in dem Wikipedia-Klon, der natürlich aus ganz zufälligen Gründen identisch aussieht (eine Farbangabe im CSS zu ändern, ein Hintergrundbild zu ändern ist natürlich soooo viel Arbeit. Und Esowatch hat ja kein Geld. Das können nur andere wie Anthrowiki sich leisten, die haben ja eine Lobby im Hintergrund... Nie und nimmer versucht Esowatch damit, eine Ähnlichkeit mit Wikipedia vorzutäuschen und damit auf das Image der OpenSource-Enzyklopäde zu spekulieren. Nein nein...), Informationen, die so lächerlich falsch sind, dass es schmerzt. Über Rudolf Steiner steht zu lesen, er habe sich für die Widergeburt Jesu Christi gehalten. (http://www.esowatch.com/index.php?title=Rudolf_Steiner) Fein! Wer nur ein Mindestmaß an Sachkenntnis hat, weiß, dass sich eine solche Ansicht in Steiners Werk nicht findet – folgerichtig bleibt Esowatch natürlich auch einen Beleg schuldig, was hier übrigens auch ein „feature“ ist... - sondern sich mit seinen vielen Darstellung über Christus in jeder Hinsicht widerspricht. Nicht zuletzt wurde er aus der Theosophischen Gesellschaft ausgeschlossen, weil er die These vertrat, dass sich Christus überhaupt nicht, in keinem Menschen je wiederverkörpern würde.
Das ist ein Beispiel für meinen Vorwurf der Uninformiertheit. Auch er ist also zutreffend und ich konnte ihn sogar mit einem Beispiel belegen, das ganz nach Ihrem Gusto linear zitierbar ist! Wenn man den Artikel im Wiki über „Waldorf Pädagogik“ liest, dann wird es vollkommen haarsträubend. Da ist nicht nur über weite Strecken das Thema verfehlt (der Autor schreibt über Märchen statt über Pädagogik) sondern die Darstellung ist so unsachlich und polemisch auf die billigsten Stereotypen über Waldorfpädagogik ausgerichtet, dass ein Stammtischwitz dagegen Nobelpreisverdächtig wirkt. Der Autor ignoriert nicht nur die mittlerweile umfangreiche (nicht-anthroposophische) wissenschaftliche Literatur zur Waldorfpädagogik sondern hat offenbar nicht auch nur den Hauch einer persönlichen Erfahrung. Klar, wieder fehlt das Geld zum recherchieren... Da liest man dann z.B.: „Die folgenden sieben Jahre [7. bis 14. Lebensjahr, cg] stehen unter dem Motto ´Die Welt ist schön´. Der Unterricht ist ausgefüllt mit Geschichten, Fabeln, Legenden und Bildern. Wie ein roter Faden durchziehen die Märchen von Hänsel und Gretel, von Dornröschen und Aschenputtel den Unterrricht.“ (http://www.esowatch.com/index.php?title=Waldorf_P
Bei aller Liebe und Verständnis für Kritik, bitte gestehen Sie mir zu, dass ich mich die nächste halbe Stunde einem Lachkrampf widme. Sie verlangen hoffentlich nicht von mir eine Gegendarstellung. Abgesehen nämlich davon, dass diese Darstellung ganz offensichtlich an Blödheit nicht zu überbieten ist, frage ich mich wirklich ernsthaft, was für ein Bild der Welt ein Autor hat, der tatsächlich davon ausgeht, dass in Deutschland und weltweit seit ca. 90 Jahren öffentliche Schulen existieren, in deren 1. bis 8. Klasse ausschließlich Märchen, Fabeln und Legenden erzählt werden. Sonst nichts. Kein Matheunterricht, kein Lesen, kein Deutsch, keine Sprachen, keine Geographie etc... Hätte ich diesen Wikieintrag schon gekannt, als ich meinen Artikel geschrieben habe, wäre der in Bezug auf Esowatch noch um einiges belustigender ausgefallen, das kann ich Ihnen versichern!
Noch einen gefällig? Im Wikieintrag über Anthroposophie lese ich, „Sie [die Anthroposophisce Gesellschaft] verfügt über weitverzweigte Wirtschaftsbetriebe (Wala, Weleda, Demeter), über eigene Banken, Finanzgesellschaften, Film- und Fernsehproduktionsstätten, Krankenhäuser, Studienzentren und private Hochschulen“ (http://www.esowatch.com/index.php?title=Anthroposophie) Noch so ein Brüller. Weleda wurde von Steiner gegründet und ist mit der AAG verknüpft. In der Tat. Ein Studienzentrum und eine Hochschule ist das Goetheanum auch gerne. Ansonsten, insbesondere bei den „weitverzweigten Wirtschaftsbetrieben“: Fehlalarm. Die AAG verfügt da über gar nichts. Aber diese leere Behauptung wirkt natürlich enorm diffamierend. Sektenmafia mit Schwarzgeldern aus der Wirtschaft und so. Da kann man schon mal ein bisschen Flunkern um Wirkung zu erzielen. Und die Vokabel „verfügt“ scheint wohl gerade so vage, dass man sich nicht komplett angreifbar macht. Aber Verfügen hat durchaus eine klare juristische Bedeutung, die hier schlicht zu einer falschen Darstellung führt. Demeter ist schon mal kein Wirtschaftsbetrieb, sondern ein Verband (Recherche kostet...), Wala ist ein unabhängiges Privatunternehmen. Dann wird’s leider unkonkret „Banken, Finanzgesellschaften etc.“. Nein, die AAG betreibt weder Banken noch Finanzgesellschaften oder dergleichen. So richtig lustig ist aber die Vorstellung, die AAG betriebe Fernsehproduktionsstätten. Und gleich mehrere!!! Klar, Ahriman7 und 3Glied! Mit Bodo von Plato als Nachrichtensprecher und Michaela Glöckler als Moderatorin von „Gesundheit heute“. Sebastian Gronbach kommentiert „Anthro Alaaf“ und Sergej Prokofieff die Reality-Soap „Wir fanden einen Pfad“! Der nächste Lachkrampf wartet schon.
Nun kommen wir zum Vorwurf des Faschismus und der – wie Felix es sehr treffend nannte – Blockwartsmentalität. Auch da dürfen Sie wieder keine simplen „Zitate“ von mir erwarten, sondern müssen sich schon bemühen, Kontext und Zusammenhänge zu erkennen. Der Blick wird wieder auf das Wiki gelenkt. Dort finden sich einschlägige Dossiers über unliebsame Protagonisten der Esoszene, in denen wie beim Beispiel Detlef Hardorp listenförmig dessen „Skandale“ aufgeführt sind. Inhaltlich etwas aufgepumpt, weil sich sachlich nicht wirklich viel findet, aber in schönster Stasi-Manier: „Hardorp fällt auch durch seine unkritische Steinerbewunderung auf.“, „Herr Hardorp kommt aus einer anthroposophisch orientierten Familie, sein Onkel Benedictus Hardorp ist Altpräsident von Weleda.“, „Die Diskussion um den Rassismus in Steiners Werk hofft Hardorp zu entschärfen, indem er ihn durch ein moderneres Vokabular kaschiert“. Also Hardorp ist Subversiv (er „kaschiert“ den Rassismus), er ist „auffällig“ und er pflegt imperialistische – äh verzeihung anthroposophische Kontakte zu einem einschlägig bekannten Onkel... Dass das nicht nur zufällige Lapsus sind wird deutlich, wenn man den folgenden Kommentar von „thomas“ liest: „Was Dr. Hardorp betrifft: Der ist jetzt weit oben auf meiner Liste, danke für die vielen Hinweise. Ein Bild von ihm hab ich auch schon aus dem Netz. Das wird ein FEST :-)“ http://blog.esowatch.com/index.php?itemid=78&catid=4
(Wenig später erscheint das Dossier über Hardorp auf dem Esowatch-Wiki) Wir führen also eine „Liste“ und feiern es als „Fest“, wenn man wieder jemanden Denunzieren kann. Aha.
Weiter geht es mit meinem Vorwurf, Anthroposophen würden pauschal als Idioten bezeichnet. Und wir reden hier nicht von Polemik oder einem etwas zu scharf geratenen Schimpfwort. Danach würde kein Hahn krähen. Nein, es geht um eine handfeste Pathologisierung, die gleich mehrfach zitierbar ist (haben Sie eigentlich diese Seiten hier gar nicht gelesen???): „Sowas mögen Anthroposophen gar nicht, wenn etwas an die Öffentlichkeit gelangt, was den Irrwitz dieses idiotischen Glaubenssystems in seiner echten Ausprägung zeigt. Sie möchten halt gern verrückt und normal zugleich sein. Leider ist das eine Konstellation, die häufig zu einer echten psychischen Erkrankung führt, oder von psychisch Erkrankten dankbar angenommen wird.“ (http://blog.esowatch.com/index.php?catid=4&blogid=1), „Steiner hatte Scheiße im Schädel“ (http://blog.esowatch.com/index.php?itemid=90&catid=4), „Ein irrwitziger Verein huldigt dem Wahnsinn. Es wäre schön, wenn sich hier mal ein echter Profi in Sachen Psychiatrie melden würde.“ („rincewind“ auf http://blog.esowatch.com/index.php?itemid=99&catid=4)
Und damit kommen wir zum dunkelsten Kapitel des kurzen Lebens von Esowatch, der Physiognomik. Was auf Wikipedia – der echten! – folgendermaßen beurteilt wird: „In der Gegenwart ist die Physiognomik wegen ihres rassistischen Kontextes und ihrer Neigung zu unbeweisbaren Schlüssen als Wissenschaft völlig diskreditiert. Lediglich in Kreisen der Esoterik [sic!] zirkuliert sie teilweise weiterhin als 'Geheimwissen'.“, das wird nun ausgerechnet von Esowatch bemüht, um sich ein Urteil über die Protagonisten seiner Kritik zu bilden:
„Alleine aufgrund eines Bildes soll man ja kein Urteil fällen, wobei ich aber meine, dass ab bestimmten Punkten geistiger Erkrankungen durchaus wenigstens Tendenzen optisch manifest werden können.“ (http://blog.esowatch.com/index.php?catid=4&blogid=1) Und das stammt nicht etwa aus einem Kommentar in irgend einer emotional aufgeladenen Diskussion, sondern aus einem offiziellen Blogeintrag.
Das ist der Stil von Esowatch!
Ich hoffe, ich konnte Ihnen und vielleicht auch anderen damit weiter helfen und sie verstehen meinen Artikel nun etwas mehr.
PS was die Blacklist betrifft: dass mir von den Betreibern hier unterstellt wird, ich hätte das erfunden – aus welchen Gründen auch immer – ist reichlich billig. Entweder ihr habt jeden Funken Anstand verloren, oder Ihr solltet Euch etwas mehr mit Eurer Blogsoftware auseinandersetzen. Aber natürlich, Anthroposophen lügen ja immer. Das liegt in der Natur der anthroposophischen Rasse, nicht wahr, das sieht man ihnen ja schon am Gesicht an...
Ich habe also von verschiedenen IP-Adressen (212.60.148.3, 212.60.148.1 und einer Arcor Einwähladresse, die ich nicht mehr weiß) zu posten versucht, stets meinen Namen und meine E-Mail-Adresse angegeben und erhielt mindestens 20 Mal die Antwort, dass mein Post nicht möglich ist, weil meine IP-Adresse auf einer Blacklist steht. Die Meldung erschien im Layout von Esowatch, ist also nicht von irgend welchen Proxyservern generiert und hat auch nichts mit meinen Systemen zu tun. Das passierte so nach meinem ersten Posting gestern, dann konnte ich zwei weitere Postings machen und danach war wieder Schluss. Ob das jetzige durch geht, weiß ich jetzt, wo ich dies schreibe, natürlich auch noch nicht. [Nachtrag: es ging wie gesagt nur teilweise, s.o.] Außerdem wurde in einem meiner Posts die Wortfolge „Staatsanwaltschaft München“ durch Sterne ersetzt.
PPS: bevor Sie jetzt kommen und schreiben – Sie dürfen das später gerne machen - „Herr Grauer, Sie haben aber auch XYZ geschrieben und dafür noch keinen Beleg gebracht“ oder „Dieser und jener Beleg ist schwach“ oder dergleichen, bevor Sie vielleicht überhaupt etwas anderes schreiben, beantworten Sie doch bitte einmal eine einfache Frage von mir: finden Sie das, was ich hier aufgezeigt habe, ganz egal, ob es nun alle Thesen meines Artikels bestätigt oder nicht, finden Sie das in Ordnung? Stimmen Sie damit überein? Würden Sie auch unterstreichen, dass man aus den Gesichtszügen eines Menschen dessen psychische Verfassung ermitteln kann? Ich meine mich zu erinnern, dass Sie Waldorfschüler waren: finden Sie wirklich, dass das Wiki Ihre Schulzeit – bei aller Kritik, die Sie gerne daran üben dürfen - sachlich treffend und halbwegs umfassend dargestellt hat? Und falls ich mich mit Ihrer Waldorfschülerschaft irre: glauben Sie wirklich dass so der Alltag an Waldorfschulen aussieht? Auf eine Antwort Ihrerseits wäre ich jetzt sehr gespannt. Sie dürfen gerne so ausladend sein wie ich (auch das wurde mir ja schon als eine typisch anthropososophische und damit natürlich negative Eigenschaft bescheinigt – dabei dachte ich, Typologien gibt’s nur in der rassistischen Anthroposophie!), oder Sie antworten einfach mit Ja oder Nein. Über jedwede Art von Antwort würde ich mich sehr freuen!
Lieber Herr Gerlach,
Sie wollen es vorgekaut und ausführlich, weil sie zu faul sind, selbst zu lesen? Bitte, können Sie haben. Ich komme allerdings nicht umhin, etwas ausführlicher zu werden, weil die Wahrheit nunmal kein Multiple-Choice-Test ist, wie Sie sich das gerne vorstellen. Im Grunde ist es albern, aber ich will versuchen, Ihnen zu antworten und zu erläutern, warum ich zu dem in meinem Artikel gefällten Urteil über Esowatch und eine Reihe anderer Anthroposophie-Kritiker komme.
Ich habe bereits betont, dass sich meine Kritik nicht ausschließlich und auch keineswegs vorwiegend an Esowatch richtet. Ich darf Ihnen sogar sagen, dass ich grundsätzlich gegen das Anliegen, das Esowatch ausgibt, überhaupt nichts einzuwenden habe. Es gibt tatsächlich sehr viel Unsinn, Scharlatanerie und teilweise auch wirkliche Gefahren in dem nahezu endlosen Spektrum esoterischer, spiritistischer, religiöser und parapsychologischer Bewegungen. Und selbstverständlich gibt es da auch Skandale und Fehlverhalten. Ich nehme da weder die Kirchen noch die Anthroposophie aus. Und es ist legitim und zu begrüßen, wenn jemand darüber sachlich informiert. D.h. es WÄRE zu begrüßen, denn Esowatch informiert zwar, aber leider nicht sachlich. Und genau das ist das Problem.
Mein Artikel richtet sich also nicht primär gegen die Kritik, die vorgebracht wird, sondern gegen die Art und Weise, wie sie vorgebracht wird und mit welcher Absicht sie vorgebracht wird. Insbesondere habe ich keine Probleme damit, wenn Misstände an Schulen, rassistische Äußerungen bei Steiner oder seinen Anhängern, mögliche Kindesmisshandlungen und dergleichen angeprangert werden. Was ich kritisiere ist einmal die Pauschalisierung, mit der Anthroposophen unter Generalverdacht gestellt werden, wenn in irgend einer Institution etwas vorfällt. Und noch mehr die Instrumentalisierung dieser Vorfälle zur Diffamierung der Anthroposophie als solcher und einer ganzen Gruppen von Menschen, die mit dem Vorfall nichts zu tun haben, außer dass sie die selben Bücher lesen. Den Nachweis über einen systematischen Zusammenhang bleibt Esowatch aber schuldig. Es behauptet ihn einfach, bringt aber weder Beweise noch Begründungen. Es wird einfach konstatiert: „Gewalt ist dem anthroposophischen 'Denken' immanent.“ („rincewind“ http://blog.esowatch.com/index.php?itemid=78&catid=4 ) Begründung? Fehlanzeige. Der Einzelfall wird einfach zum Normalfall erklärt, ohne sich an der Tatsache zu stören, dass er dann eigentlich in allen, immerhin in den meisten Waldorfschulen vorkommen müsste und nur in diesen. Das tut er aber nachweislich nicht. Solche Fälle sind in Waldorfschulen ebenso die Ausnahme wie in anderen Schulen. Warum berichtet Esowatch nicht über Missbrauch an staatlichen Schulen? Und warum erklärt es Gewalt nicht auch dem Denken der Bundesrepublik Deutschland, dem Grundgesetz oder der konventionellen Pädagogik als immanent? Ich hatte in einer staatlichen Schule einen Lehrer, der geprügelt hat. Ich wäre bislang nie auf die Idee gekommen, Alexander v. Humboldt dafür verantwortlich zu machen...
Wenn also Esowatch schreibt „Von einem 'ultimativen Sündenpfuhl' spricht nur er selbst. Wenigstens Esowatch bezieht sich auf konkrete Fälle,“ dann ist das schlicht eine Illusion: Esowatch bezieht sich nicht nur auf konkrete Fälle, sondern pauschalisiert, sonst würde es nicht wenige Zeilen später erklären: „Its a feature, not a bug“. Wollen Sie bestreiten, dass eine Bewegung, die gezielt und systematisch Institutionen zum Zwecke der Misshandlung von Kindern („feature“) ein ultimativer Sündenpfuhl wäre? Mein Vorwurf, die Esobasher hielten die Anthroposophie für einen ultimativen Sündenpfuhl ist also durchaus zutreffend. Um diese von Esowatch vertretene Ansicht zu erkennen, genügt es eben nicht, wie Sie es hier immer mit dem unschuldigen Staunen eines Waldorfschülers im Gesicht fordern, irgend einen Satz zu zitieren. Das scheint hier ja auch die einzige bekannte hermeneutische Methode zu sein; die Wissenschaft und Literatur hat seit der Steinzeit allerdings auch noch um einiges raffiniertere Methoden entwickelt, mit denen Sie sich dringend beschäftigen sollten!
Auch mein Vorwurf, die Esobasher sähen hinter der Anthroposophie eine straff organisierte Lobby mit einer professionellen Öffentlichkeitsarbeit, wird von Esowatch immer wieder bestätigt. So schreibt „thomas“, nach allem was ich schließen muss einer der Autoren von Esowatch (man korrigiere mich bitte): „Ein Irrsinn, der mM nach vor dem Hintergrund der gut funktionierenden Anthroposophen-Lobby gesehen werden muss.“
http://blog.esowatch.com/index.php?itemid=83&catid=4
oder „cohen“, ebenfalls Autor: „Eins ist klar, die Anthros spielen auf der Klaviatur der Öffentlichkeitsarbeit sehr geschickt.“
http://blog.esowatch.com/index.php?itemid=78&catid=4
Das ist aber für jeden, der die Anthroposophische Öffentlichkeitsarbeit kennt, einfach nur ein Brüller. Sonst nichts. Offenabar kennt aber Esowatch die Öffentlichkeitsarbeit nicht so gut. Wie es überhaupt nicht immer sonderlich informiert wirkt – ein weiterer Vorwurf von mir! Aber wie auch, schließlich kommt Esowatch nach eigenem Bekunden (s.o.) ohne fremde Geldmittel aus. Da kann man natürlich nur spärlich recherchieren, denn fundierte Recherche ist aufwändig! Da reicht ein bisschen Googlen nicht aus. So finden sich in dem Wikipedia-Klon, der natürlich aus ganz zufälligen Gründen identisch aussieht (eine Farbangabe im CSS zu ändern, ein Hintergrundbild zu ändern ist natürlich soooo viel Arbeit. Und Esowatch hat ja kein Geld. Das können nur andere wie Anthrowiki sich leisten, die haben ja eine Lobby im Hintergrund... Nie und nimmer versucht Esowatch damit, eine Ähnlichkeit mit Wikipedia vorzutäuschen und damit auf das Image der OpenSource-Enzyklopäde zu spekulieren. Nein nein...), Informationen, die so lächerlich falsch sind, dass es schmerzt. Über Rudolf Steiner steht zu lesen, er habe sich für die Widergeburt Jesu Christi gehalten. (http://www.esowatch.com/index.php?title=Rudolf_Steiner) Fein! Wer nur ein Mindestmaß an Sachkenntnis hat, weiß, dass sich eine solche Ansicht in Steiners Werk nicht findet – folgerichtig bleibt Esowatch natürlich auch einen Beleg schuldig, was hier übrigens auch ein „feature“ ist... - sondern sich mit seinen vielen Darstellung über Christus in jeder Hinsicht widerspricht. Nicht zuletzt wurde er aus der Theosophischen Gesellschaft ausgeschlossen, weil er die These vertrat, dass sich Christus überhaupt nicht, in keinem Menschen je wiederverkörpern würde.
Das ist ein Beispiel für meinen Vorwurf der Uninformiertheit. Auch er ist also zutreffend und ich konnte ihn sogar mit einem Beispiel belegen, das ganz nach Ihrem Gusto linear zitierbar ist! Wenn man den Artikel im Wiki über „Waldorf Pädagogik“ liest, dann wird es vollkommen haarsträubend. Da ist nicht nur über weite Strecken das Thema verfehlt (der Autor schreibt über Märchen statt über Pädagogik) sondern die Darstellung ist so unsachlich und polemisch auf die billigsten Stereotypen über Waldorfpädagogik ausgerichtet, dass ein Stammtischwitz dagegen Nobelpreisverdächtig wirkt. Der Autor ignoriert nicht nur die mittlerweile umfangreiche (nicht-anthroposophische) wissenschaftliche Literatur zur Waldorfpädagogik sondern hat offenbar nicht auch nur den Hauch einer persönlichen Erfahrung. Klar, wieder fehlt das Geld zum recherchieren... Da liest man dann z.B.: „Die folgenden sieben Jahre [7. bis 14. Lebensjahr, cg] stehen unter dem Motto ´Die Welt ist schön´. Der Unterricht ist ausgefüllt mit Geschichten, Fabeln, Legenden und Bildern. Wie ein roter Faden durchziehen die Märchen von Hänsel und Gretel, von Dornröschen und Aschenputtel den Unterrricht.“ (http://www.esowatch.com/index.php?title=Waldorf_P
C3A4dagogik) Es folgt die Nacherzählung eines Märchens (Gänsemagd) und eine ausführliche Kritik an diesem Märchen als Kinderliteratur. Das wars. Damit ist der Lehrplan der Klassen 1 bis 8 dargestellt. Das versteht Esowatch unter sachlicher Information.
Bei aller Liebe und Verständnis für Kritik, bitte gestehen Sie mir zu, dass ich mich die nächste halbe Stunde einem Lachkrampf widme. Sie verlangen hoffentlich nicht von mir eine Gegendarstellung. Abgesehen nämlich davon, dass diese Darstellung ganz offensichtlich an Blödheit nicht zu überbieten ist, frage ich mich wirklich ernsthaft, was für ein Bild der Welt ein Autor hat, der tatsächlich davon ausgeht, dass in Deutschland und weltweit seit ca. 90 Jahren öffentliche Schulen existieren, in deren 1. bis 8. Klasse ausschließlich Märchen, Fabeln und Legenden erzählt werden. Sonst nichts. Kein Matheunterricht, kein Lesen, kein Deutsch, keine Sprachen, keine Geographie etc... Hätte ich diesen Wikieintrag schon gekannt, als ich meinen Artikel geschrieben habe, wäre der in Bezug auf Esowatch noch um einiges belustigender ausgefallen, das kann ich Ihnen versichern!
Noch einen gefällig? Im Wikieintrag über Anthroposophie lese ich, „Sie [die Anthroposophisce Gesellschaft] verfügt über weitverzweigte Wirtschaftsbetriebe (Wala, Weleda, Demeter), über eigene Banken, Finanzgesellschaften, Film- und Fernsehproduktionsstätten, Krankenhäuser, Studienzentren und private Hochschulen“ (http://www.esowatch.com/index.php?title=Anthroposophie) Noch so ein Brüller. Weleda wurde von Steiner gegründet und ist mit der AAG verknüpft. In der Tat. Ein Studienzentrum und eine Hochschule ist das Goetheanum auch gerne. Ansonsten, insbesondere bei den „weitverzweigten Wirtschaftsbetrieben“: Fehlalarm. Die AAG verfügt da über gar nichts. Aber diese leere Behauptung wirkt natürlich enorm diffamierend. Sektenmafia mit Schwarzgeldern aus der Wirtschaft und so. Da kann man schon mal ein bisschen Flunkern um Wirkung zu erzielen. Und die Vokabel „verfügt“ scheint wohl gerade so vage, dass man sich nicht komplett angreifbar macht. Aber Verfügen hat durchaus eine klare juristische Bedeutung, die hier schlicht zu einer falschen Darstellung führt. Demeter ist schon mal kein Wirtschaftsbetrieb, sondern ein Verband (Recherche kostet...), Wala ist ein unabhängiges Privatunternehmen. Dann wird’s leider unkonkret „Banken, Finanzgesellschaften etc.“. Nein, die AAG betreibt weder Banken noch Finanzgesellschaften oder dergleichen. So richtig lustig ist aber die Vorstellung, die AAG betriebe Fernsehproduktionsstätten. Und gleich mehrere!!! Klar, Ahriman7 und 3Glied! Mit Bodo von Plato als Nachrichtensprecher und Michaela Glöckler als Moderatorin von „Gesundheit heute“. Sebastian Gronbach kommentiert „Anthro Alaaf“ und Sergej Prokofieff die Reality-Soap „Wir fanden einen Pfad“! Der nächste Lachkrampf wartet schon.
Nun kommen wir zum Vorwurf des Faschismus und der – wie Felix es sehr treffend nannte – Blockwartsmentalität. Auch da dürfen Sie wieder keine simplen „Zitate“ von mir erwarten, sondern müssen sich schon bemühen, Kontext und Zusammenhänge zu erkennen. Der Blick wird wieder auf das Wiki gelenkt. Dort finden sich einschlägige Dossiers über unliebsame Protagonisten der Esoszene, in denen wie beim Beispiel Detlef Hardorp listenförmig dessen „Skandale“ aufgeführt sind. Inhaltlich etwas aufgepumpt, weil sich sachlich nicht wirklich viel findet, aber in schönster Stasi-Manier: „Hardorp fällt auch durch seine unkritische Steinerbewunderung auf.“, „Herr Hardorp kommt aus einer anthroposophisch orientierten Familie, sein Onkel Benedictus Hardorp ist Altpräsident von Weleda.“, „Die Diskussion um den Rassismus in Steiners Werk hofft Hardorp zu entschärfen, indem er ihn durch ein moderneres Vokabular kaschiert“. Also Hardorp ist Subversiv (er „kaschiert“ den Rassismus), er ist „auffällig“ und er pflegt imperialistische – äh verzeihung anthroposophische Kontakte zu einem einschlägig bekannten Onkel... Dass das nicht nur zufällige Lapsus sind wird deutlich, wenn man den folgenden Kommentar von „thomas“ liest: „Was Dr. Hardorp betrifft: Der ist jetzt weit oben auf meiner Liste, danke für die vielen Hinweise. Ein Bild von ihm hab ich auch schon aus dem Netz. Das wird ein FEST :-)“ http://blog.esowatch.com/index.php?itemid=78&catid=4
(Wenig später erscheint das Dossier über Hardorp auf dem Esowatch-Wiki) Wir führen also eine „Liste“ und feiern es als „Fest“, wenn man wieder jemanden Denunzieren kann. Aha.
Weiter geht es mit meinem Vorwurf, Anthroposophen würden pauschal als Idioten bezeichnet. Und wir reden hier nicht von Polemik oder einem etwas zu scharf geratenen Schimpfwort. Danach würde kein Hahn krähen. Nein, es geht um eine handfeste Pathologisierung, die gleich mehrfach zitierbar ist (haben Sie eigentlich diese Seiten hier gar nicht gelesen???): „Sowas mögen Anthroposophen gar nicht, wenn etwas an die Öffentlichkeit gelangt, was den Irrwitz dieses idiotischen Glaubenssystems in seiner echten Ausprägung zeigt. Sie möchten halt gern verrückt und normal zugleich sein. Leider ist das eine Konstellation, die häufig zu einer echten psychischen Erkrankung führt, oder von psychisch Erkrankten dankbar angenommen wird.“ (http://blog.esowatch.com/index.php?catid=4&blogid=1), „Steiner hatte Scheiße im Schädel“ (http://blog.esowatch.com/index.php?itemid=90&catid=4), „Ein irrwitziger Verein huldigt dem Wahnsinn. Es wäre schön, wenn sich hier mal ein echter Profi in Sachen Psychiatrie melden würde.“ („rincewind“ auf http://blog.esowatch.com/index.php?itemid=99&catid=4)
Und damit kommen wir zum dunkelsten Kapitel des kurzen Lebens von Esowatch, der Physiognomik. Was auf Wikipedia – der echten! – folgendermaßen beurteilt wird: „In der Gegenwart ist die Physiognomik wegen ihres rassistischen Kontextes und ihrer Neigung zu unbeweisbaren Schlüssen als Wissenschaft völlig diskreditiert. Lediglich in Kreisen der Esoterik [sic!] zirkuliert sie teilweise weiterhin als 'Geheimwissen'.“, das wird nun ausgerechnet von Esowatch bemüht, um sich ein Urteil über die Protagonisten seiner Kritik zu bilden:
„Alleine aufgrund eines Bildes soll man ja kein Urteil fällen, wobei ich aber meine, dass ab bestimmten Punkten geistiger Erkrankungen durchaus wenigstens Tendenzen optisch manifest werden können.“ (http://blog.esowatch.com/index.php?catid=4&blogid=1) Und das stammt nicht etwa aus einem Kommentar in irgend einer emotional aufgeladenen Diskussion, sondern aus einem offiziellen Blogeintrag.
Das ist der Stil von Esowatch!
Ich hoffe, ich konnte Ihnen und vielleicht auch anderen damit weiter helfen und sie verstehen meinen Artikel nun etwas mehr.
PS was die Blacklist betrifft: dass mir von den Betreibern hier unterstellt wird, ich hätte das erfunden – aus welchen Gründen auch immer – ist reichlich billig. Entweder ihr habt jeden Funken Anstand verloren, oder Ihr solltet Euch etwas mehr mit Eurer Blogsoftware auseinandersetzen. Aber natürlich, Anthroposophen lügen ja immer. Das liegt in der Natur der anthroposophischen Rasse, nicht wahr, das sieht man ihnen ja schon am Gesicht an...
Ich habe also von verschiedenen IP-Adressen (212.60.148.3, 212.60.148.1 und einer Arcor Einwähladresse, die ich nicht mehr weiß) zu posten versucht, stets meinen Namen und meine E-Mail-Adresse angegeben und erhielt mindestens 20 Mal die Antwort, dass mein Post nicht möglich ist, weil meine IP-Adresse auf einer Blacklist steht. Die Meldung erschien im Layout von Esowatch, ist also nicht von irgend welchen Proxyservern generiert und hat auch nichts mit meinen Systemen zu tun. Das passierte so nach meinem ersten Posting gestern, dann konnte ich zwei weitere Postings machen und danach war wieder Schluss. Ob das jetzige durch geht, weiß ich jetzt, wo ich dies schreibe, natürlich auch noch nicht. [Nachtrag: es ging wie gesagt nur teilweise, s.o.] Außerdem wurde in einem meiner Posts die Wortfolge „Staatsanwaltschaft München“ durch Sterne ersetzt.
PPS: bevor Sie jetzt kommen und schreiben – Sie dürfen das später gerne machen - „Herr Grauer, Sie haben aber auch XYZ geschrieben und dafür noch keinen Beleg gebracht“ oder „Dieser und jener Beleg ist schwach“ oder dergleichen, bevor Sie vielleicht überhaupt etwas anderes schreiben, beantworten Sie doch bitte einmal eine einfache Frage von mir: finden Sie das, was ich hier aufgezeigt habe, ganz egal, ob es nun alle Thesen meines Artikels bestätigt oder nicht, finden Sie das in Ordnung? Stimmen Sie damit überein? Würden Sie auch unterstreichen, dass man aus den Gesichtszügen eines Menschen dessen psychische Verfassung ermitteln kann? Ich meine mich zu erinnern, dass Sie Waldorfschüler waren: finden Sie wirklich, dass das Wiki Ihre Schulzeit – bei aller Kritik, die Sie gerne daran üben dürfen - sachlich treffend und halbwegs umfassend dargestellt hat? Und falls ich mich mit Ihrer Waldorfschülerschaft irre: glauben Sie wirklich dass so der Alltag an Waldorfschulen aussieht? Auf eine Antwort Ihrerseits wäre ich jetzt sehr gespannt. Sie dürfen gerne so ausladend sein wie ich (auch das wurde mir ja schon als eine typisch anthropososophische und damit natürlich negative Eigenschaft bescheinigt – dabei dachte ich, Typologien gibt’s nur in der rassistischen Anthroposophie!), oder Sie antworten einfach mit Ja oder Nein. Über jedwede Art von Antwort würde ich mich sehr freuen!
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Freitag, 22. August 2008
Missionen – Brief statt Rezension
Lieber Sebastian,
meine Vorstellung Deines Buches soll nun ebenso persönlich werden, wie das Buch es ist. Subjektiv muss diese Rezension ohnehin sein, denn ein Buch, auf dessen Einband man seinen eigenen Namen findet, kann man nicht unbefangen lesen. Von Freundschaft und „Geheimbünden“ ganz zu schweigen...
Dieser subjektive Blick erlaubt es mir aber auch, ganz unausgewogen nur über das zu schreiben, was mich besonders berührt hat und zu loben und tadeln, wie es mir gefällt und all das, was alles noch in dem Buch steht, unerwähnt und den Leser Deines Buches entdecken zu lassen. Ich hatte mich ehrlich gesagt etwas vor dem Buch gefürchtet, weil ich der Überschwänglichkeit Deines Stils nicht in allen Deinen Texten Sympathie entgegen bringen konnte – ganz anders als in Deinen Vorträgen übrigens! Auch hoffte ich nicht zu sehr mit Heldenepen und Aufrufen zu allerlei Kreuzzügen behelligt zu werden – der Titel „Missionen“ dient ja dahingehend eher abschreckend. Glücklicherweise wurde ich in allen diesen Dingen weitgehend enttäuscht.
Sicher, mit Diskussionen über den Begriff der Elite und über die Bedeutung von Gewaltmonopol und Selbstverteidigung könnten wir beide noch einige Abende füllen, aber auch die wären nicht grundsätzlicher sondern nur differenzierender Natur. Und der am Anfang noch etwas unsichere und durchaus hier und da zum emotionalen Schnörkel neigende Stil reift im Verlaufe des Buches zu einem echten Charakter heran. Ich möchte sogar behaupten, dass Du mit diesem Buch stilistisch ein neues Genre erfunden hast: ein zwischen Schrift und Sprache angesiedeltes Selbstgespräch mit dem Leser. Wenn ich das so sagen darf. Und ich finde das nicht nur höchst erquicklich sondern auch eminent modern.
Sachlich gefällt mir das 6. Kapitel am besten. Und zwar trotz oder gerade weil ich dort auch die wenigen Anlässe für Einwände finden würde. Wie ein reinigendes Gewitter hast Du die verstaubten Begriffe und Mottenkisten der Anthroposophie abgestaubt, ausgemistet und mit neuem Glanz versehen. Und das nicht durch Überlackieren der Patina, sondern durch deren Entfernen, so dass sie wieder von innen heraus strahlen können. Du ersetzt zwar die Mythologeme der traditionellen Anthroposophie oft auch nur durch neue Mythologeme, aber eben durch solche, die der Gegenwart entstammen und nicht dem Mittelalter und der Romantik, und die außerdem durchsichtig genug sind, um mithilfe Deiner einfühlenden Erläuterungen als solche im Wortsinne durchschaubar zu werden. Auch hier setzt Dein Buch neue Maßstäbe. Die Leichtigkeit, mit der Du in einem Atemzug über Steiner, Freiheit, Toilettenpapier, Liebe, Sex und Klofrauen sprechen kannst, ohne trivial oder lächerlich zu werden, aber auch ohne Überheblichkeit und Defätismus, ist eine Qualität, die in der Anthroposophie so neu ist, dass ich noch keinen Begriff dafür finde.
Besonders aber gefällt mir das Begriffspaar „Grundlegend“ und „Bedeutend“, mit dem Du eine ganze Hundertschaft saublöder Alternativen und scheinbarer Antinomien transzendierst. Diese Begriffe hast Du so brillant konturiert, dass sich daraus in ganz wunderbarer Weise die Idee der Entwicklung und dessen, was Du Mission nennst, gegen den einschläfernden Kultur- und Bewusstseinsrelativismus behauptet, und zwar ganz frei von teleologischer Dogmatik einerseits und kulturchauvinistischer Überheblichkeit andererseits, weil Du Entwicklung und Mission stets vom Individuum, vom Subjekt und seiner konstruktiven Perspektive her denkst und so den Fehler der Verabsolutierung der Hierarchisierungen vermeidest. Bedeutend ist, wem ich Bedeutung verleihe, Grundlegend ist, worauf ich gründe. „Das ist meine Mission“ rufst Du dem Leser zu und fragst zugleich: „und was ist Deine?“ Wunderbar!
Rudolf Steiner erklärte irgendwo und irgendwann auf die Frage nach der rechten Art, seine Philosophie der Freiheit aufzufassen, dass es sich dabei „nur“ um das Protokoll seines persönlichen Erkenntnisdramas handelt und dass die wahre Lektüre der Philosophie der Freiheit für den Leser eigentlich darin bestehen müsste, seine ganz eigene, individuelle Philosophie der Freiheit zu schreiben. Dein Buch ist eine solche und eine großartige dazu. Vielleicht ist historisch gesehen die von Steiner größer, aktuell betrachtet ist die Deine in jedem Falle zeitgemäßer und hat das Zeug, gerade für die jungen Menschen unserer Zeit zum Kultbuch zu werden. Für mich ist sie das schon jetzt. Danke!
Herzlichst,
Dein Christian
Sebastian Gronbach: Missionen
Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2008
ISBN 9783772520778,
meine Vorstellung Deines Buches soll nun ebenso persönlich werden, wie das Buch es ist. Subjektiv muss diese Rezension ohnehin sein, denn ein Buch, auf dessen Einband man seinen eigenen Namen findet, kann man nicht unbefangen lesen. Von Freundschaft und „Geheimbünden“ ganz zu schweigen...
Dieser subjektive Blick erlaubt es mir aber auch, ganz unausgewogen nur über das zu schreiben, was mich besonders berührt hat und zu loben und tadeln, wie es mir gefällt und all das, was alles noch in dem Buch steht, unerwähnt und den Leser Deines Buches entdecken zu lassen. Ich hatte mich ehrlich gesagt etwas vor dem Buch gefürchtet, weil ich der Überschwänglichkeit Deines Stils nicht in allen Deinen Texten Sympathie entgegen bringen konnte – ganz anders als in Deinen Vorträgen übrigens! Auch hoffte ich nicht zu sehr mit Heldenepen und Aufrufen zu allerlei Kreuzzügen behelligt zu werden – der Titel „Missionen“ dient ja dahingehend eher abschreckend. Glücklicherweise wurde ich in allen diesen Dingen weitgehend enttäuscht.
Sicher, mit Diskussionen über den Begriff der Elite und über die Bedeutung von Gewaltmonopol und Selbstverteidigung könnten wir beide noch einige Abende füllen, aber auch die wären nicht grundsätzlicher sondern nur differenzierender Natur. Und der am Anfang noch etwas unsichere und durchaus hier und da zum emotionalen Schnörkel neigende Stil reift im Verlaufe des Buches zu einem echten Charakter heran. Ich möchte sogar behaupten, dass Du mit diesem Buch stilistisch ein neues Genre erfunden hast: ein zwischen Schrift und Sprache angesiedeltes Selbstgespräch mit dem Leser. Wenn ich das so sagen darf. Und ich finde das nicht nur höchst erquicklich sondern auch eminent modern.
Sachlich gefällt mir das 6. Kapitel am besten. Und zwar trotz oder gerade weil ich dort auch die wenigen Anlässe für Einwände finden würde. Wie ein reinigendes Gewitter hast Du die verstaubten Begriffe und Mottenkisten der Anthroposophie abgestaubt, ausgemistet und mit neuem Glanz versehen. Und das nicht durch Überlackieren der Patina, sondern durch deren Entfernen, so dass sie wieder von innen heraus strahlen können. Du ersetzt zwar die Mythologeme der traditionellen Anthroposophie oft auch nur durch neue Mythologeme, aber eben durch solche, die der Gegenwart entstammen und nicht dem Mittelalter und der Romantik, und die außerdem durchsichtig genug sind, um mithilfe Deiner einfühlenden Erläuterungen als solche im Wortsinne durchschaubar zu werden. Auch hier setzt Dein Buch neue Maßstäbe. Die Leichtigkeit, mit der Du in einem Atemzug über Steiner, Freiheit, Toilettenpapier, Liebe, Sex und Klofrauen sprechen kannst, ohne trivial oder lächerlich zu werden, aber auch ohne Überheblichkeit und Defätismus, ist eine Qualität, die in der Anthroposophie so neu ist, dass ich noch keinen Begriff dafür finde.
Besonders aber gefällt mir das Begriffspaar „Grundlegend“ und „Bedeutend“, mit dem Du eine ganze Hundertschaft saublöder Alternativen und scheinbarer Antinomien transzendierst. Diese Begriffe hast Du so brillant konturiert, dass sich daraus in ganz wunderbarer Weise die Idee der Entwicklung und dessen, was Du Mission nennst, gegen den einschläfernden Kultur- und Bewusstseinsrelativismus behauptet, und zwar ganz frei von teleologischer Dogmatik einerseits und kulturchauvinistischer Überheblichkeit andererseits, weil Du Entwicklung und Mission stets vom Individuum, vom Subjekt und seiner konstruktiven Perspektive her denkst und so den Fehler der Verabsolutierung der Hierarchisierungen vermeidest. Bedeutend ist, wem ich Bedeutung verleihe, Grundlegend ist, worauf ich gründe. „Das ist meine Mission“ rufst Du dem Leser zu und fragst zugleich: „und was ist Deine?“ Wunderbar!
Rudolf Steiner erklärte irgendwo und irgendwann auf die Frage nach der rechten Art, seine Philosophie der Freiheit aufzufassen, dass es sich dabei „nur“ um das Protokoll seines persönlichen Erkenntnisdramas handelt und dass die wahre Lektüre der Philosophie der Freiheit für den Leser eigentlich darin bestehen müsste, seine ganz eigene, individuelle Philosophie der Freiheit zu schreiben. Dein Buch ist eine solche und eine großartige dazu. Vielleicht ist historisch gesehen die von Steiner größer, aktuell betrachtet ist die Deine in jedem Falle zeitgemäßer und hat das Zeug, gerade für die jungen Menschen unserer Zeit zum Kultbuch zu werden. Für mich ist sie das schon jetzt. Danke!
Herzlichst,
Dein Christian
Sebastian Gronbach: Missionen
Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2008
ISBN 9783772520778,
Geschrieben von Christian Grauer
in Anthroposophie, Bücher, Infosophie
um
21:01
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Donnerstag, 21. August 2008
Die neue Waldorfschule
„Denn nichts haben wir in der Sache, um die es geht, dringender nötig als Phantasie“
Die Sache, um die es in dem neuen Buch von Rüdiger Iwan geht, ist jene seit fast 90 Jahren erfolgreiche Schulform, die sich „Phantasie“ quasi als Markenzeichen reserviert hat: die Waldorfschule. Die Diagnose „Phantasiemangel“ ist wahrscheinlich das fundamentalste und radikalste Urteil, dem sich die Waldorfschule ausgesetzt sehen kann. Aber hier wütet keineswegs ein außenstehender Kritiker, der Waldorf ausrotten will, hier schreibt ein engagierter Waldorflehrer und die drastische Schärfe seiner Diagnose resultiert nicht aus ablehnender Distanz sondern aus verantwortungsvoller Liebe zum Gegenstand: zur pädagogischen Ursprungsidee der Waldorfschule!
Rüdiger Iwan formuliert in seinem Buch „Die neue Waldorfschule“ in sachlich und fachlich fundierter Kritik all jene Enttäuschungen und Vorbehalte gegen die Entwicklung bzw. Nicht-Entwicklung der Waldorfschulen, die in mir als ein Gebräu aus unreflektierter Schülererfahrung, dumpfen Ahnungen, philosophisch abstrakten Überlegungen und zersplitterten Einblicken und Informationen seit langem rumoren. Ich möchte dieses Buch und seinen Autor dafür umarmen! Es ist eine Wohltat, seinen sachlichen Darstellungen, seinen zielsicheren Analysen und seinen Ideenreichen Konzepten zu folgen. Ein Buch, das Mut macht, das auf Zukunft hoffen lässt, das Anthroposophie als Gegenwart erleben lässt, das mir Zuversicht gibt, nicht allein zu sein mit dem Drang, nicht nur Formen von Schule sondern Schule als Form in Frage zu stellen und nach modernen Konzepten zu suchen, die Strukturen ändern und nicht nur Etiketten, die neue Lebenswelten schaffen und nicht nur bildungsbürgerliche Schutznischen.
Denn die Kritik richtet sich nicht an die Idee der Waldorfschule, sondern an die konkrete Form, in der diese Idee zur eigenen Karrikatur erstarrt ist. Iwan geißelt das unreflektierte Tradieren von starren Formen, das hilflose sich Ausliefern unter den scheinbaren Druck staatlicher Vorgaben (Dauermenetekel „Abitur“) und den Dilettantismus und die Ignoranz bei der Reflexion von Strukturen, Prozessen und Methoden sowohl im pädagogischen, didaktischen als auch im administrativen Bereich. Dabei muss er nur selten moderne wissenschaftliche Erkenntnisse oder revolutionäre Ideale als Maßstab heranziehen, es genügt meist der Vergleich mit den Ausführungen und Anregungen Rudolf Steiners, mit denen dieser seine Ideen dem Gründungskollegium zu vermitteln versuchte – offenbar schon damals ohne großen Erfolg – um zu zeigen, wo die real existierende Waldorfpädagogik feststeckt.
Anhand von exemplarischen Kochlöffeln – eine anekdotische Metapher für die unreflektierte Pflege von inhaltsentleerten Formen – zeigt Rüdiger Iwan ganz konkret, wie die revolutionären Ideen Steiners in den Waldorfschulen den angestammten Gewohnheiten und Selbstverständlichkeiten einer preußisch-behördlichen Schul- und Lehrermentalität und der Ideenlosigkeit eines sich selbst reproduzierenden Erfolgsmodelles zum Opfer fallen: Monatsfeier als institutionalisierte Langeweile, Verbalbeurteilung als subjektivierte Buchstabenzensur, Hausaufgaben als Vernichtung von Qualitätsansprüchen, Epochenunterricht als Scheinalternative zum Stundenplan. Er entzaubert den Nimbus dieser Parade-Waldorf-Institutionen, indem er zeigt, dass sie nur als leblose Blaupausen einer einst lebendigen und auf Entwicklung angelegten Idee fortbestehen und dass sie teilweise geradezu kontraproduktiv das am Schüler orientierte Waldorf-Ideal negieren. Er entwickelt und beschreibt aber auch Alternativen und Lösungsmodelle, die oft überraschend kreativ die scheinbar festgefahrenen Kontroversen und Antinomien transzendieren. Und er tut dies nicht als theoretischer Utopist, sondern als Pädagoge in der konkreten Praxis der Schulwirklichkeit oder anhand von realen Modellprojekten, die weit ab von der Waldorfwirklichkeit pädagogische Zukunft erfinden.
Und so doziert Iwan im zweiten, „positiven“ Teil seines Buches keineswegs über methodische Theorien, er erörtert keine didaktischen Konzepte und er analysiert weder Feldstudien noch Statistiken. Er erzählt, was bereits an einzelnen Schulen, in einzelnen Projekten, in seiner eigenen Klasse und bei einzelnen Kollegen gemacht wird. Vom Portfolio, von bewegten Klassenzimmern, von Projektunterricht, von Schülern, die in der Pause freiwillig über den Unterrichtsinhalt diskutieren, von Lehrern, die ihre Rolle als Dozent gegen die des methodischen Beraters eintauschen. Von Drittklässlern die ihren Mitschülern aus der Zweiten die selbstgebauten Häuser „verkaufen“, von Arbeitgebern und Ausbildern, die gerne auf abstrakte Zensuren verzichten und ganz wild auf konkrete Leistungsvorlagen sind, von Personalchefs großer Unternehmen, die eine erweiterte Monatsfeier nutzen, um mit möglichen Azubis über deren Arbeitsproben zu sprechen. Die Berichte sind so lebendig und die neuen Methoden – deren Vielfalt hier nicht einmal ansatzweise mitgeteilt werden kann – leuchten dem Leser so unmittelbar ein, dass die erläuternden Worte des Autors im Grund überflüssig sind. Iwan breitet weniger systematisch als exemplarisch eine Collage aus Anregungen und Ideen für „Lernen in Freiheit“ und „Lernen aus dem Leben“ aus, die nur zu lesen auch für einen ehemaligen Waldorfschüler eine wahre Erlösung sind! Ihre lebenspraktische Wahrheit ist unmittelbar sichtbar wie die ästhetische Unanzweifelbarkeit eines Gemäldes von Marc Chagall oder einer Symphonie von Beethoven.
Denn im Grunde sind es – und das ist das vernichtendste Urteil für den status quo der Waldorf- und sonstigen Schulen – denn im Grunde sind es Binsenweisheiten, auf denen die Methoden beruhen: Selbstverantwortung, Eigenkontrolle, Veranschaulichung, Feedback, Reflexion, Phantasie, Teamarbeit, Gegenseitiges lehren und lernen, Realitätsbezug, Positive Verstärkung, Motivation und so weiter und so weiter. Es braucht nur Phantasie und pädagogische Fertigkeit, sie in Lernmodelle zu konkretisieren und Mut, sie gegen die eigenen und die gesellschaftlichen Gewohnheiten und Vorurteile auf allen Ebenen durchzusetzen.
Mein Loblied mag subjektiv sein wie es will und die „neue Waldorfschule“, die Iwan als Leitbild und Zukunftsziel entwirft, mag als Konzept im Detail überzeugen oder nicht – der Gewissensfrage, die er mit der Analyse der Defizite und dem Aufzeigen realer Möglichkeiten zu einem radikalen Methodenwandel stellt, kann sich niemand mehr entziehen. Und seine Aufarbeitung des status quo und der Geschichte der Waldorfschule ist ein Meilenstein inneranthroposophischer Reflexion und Kritik und in ihrer Sachlichkeit und Präzision in diesem Bereich einzigartig. Denn die Waldorfschule steht, wie Iwan präzise diagnostiziert, an dem Scheideweg, ob sie von der alternativen Schulform, die sie (noch) ist, zu dem werden will, was sie ursprünglich sein wollte: eine Alternative zur Schule! oder ob sie auch den letzten Rest an Originalität der Anbiederung an Sachzwänge und Phantasielosigkeit opfern und zur privaten Regelschule verkommen will.
Das Buch stellt damit die alles entscheidende Frage, ob „Waldorf“ nur noch eine sich an ihrer Umgebung abschleifende, historisch irgendwie entstandene und tradierte Form ist, oder ob die originäre Idee, in der diese Institution als Alternative zur Schule ihren Ursprung hat, noch lebt und in Gegenwart und Zukunft entwicklungsfähig ist. Und so wird an diesem Buch langfristig keiner vorbei kommen, der sich ernsthaft mit dem Thema Waldorf auseinandersetzen will. „Die neue Waldorfschule“ von Rüdiger Iwan ist Pflichtlektüre für Waldorfeltern ebenso wie für jeden einzelnen Waldorflehrer. Wie diese für sich selbst die Fragen beantworten, die das Buch stellt, entscheidet über die Zukunft der Waldorfschulen.
Rüdiger Iwan: Die neue Waldorfschule. Ein Erfolgsmodell wird renoviert
Rowohlt Verlag, Hamburg 2007
ISBN 9783498032289
Die Sache, um die es in dem neuen Buch von Rüdiger Iwan geht, ist jene seit fast 90 Jahren erfolgreiche Schulform, die sich „Phantasie“ quasi als Markenzeichen reserviert hat: die Waldorfschule. Die Diagnose „Phantasiemangel“ ist wahrscheinlich das fundamentalste und radikalste Urteil, dem sich die Waldorfschule ausgesetzt sehen kann. Aber hier wütet keineswegs ein außenstehender Kritiker, der Waldorf ausrotten will, hier schreibt ein engagierter Waldorflehrer und die drastische Schärfe seiner Diagnose resultiert nicht aus ablehnender Distanz sondern aus verantwortungsvoller Liebe zum Gegenstand: zur pädagogischen Ursprungsidee der Waldorfschule!
Rüdiger Iwan formuliert in seinem Buch „Die neue Waldorfschule“ in sachlich und fachlich fundierter Kritik all jene Enttäuschungen und Vorbehalte gegen die Entwicklung bzw. Nicht-Entwicklung der Waldorfschulen, die in mir als ein Gebräu aus unreflektierter Schülererfahrung, dumpfen Ahnungen, philosophisch abstrakten Überlegungen und zersplitterten Einblicken und Informationen seit langem rumoren. Ich möchte dieses Buch und seinen Autor dafür umarmen! Es ist eine Wohltat, seinen sachlichen Darstellungen, seinen zielsicheren Analysen und seinen Ideenreichen Konzepten zu folgen. Ein Buch, das Mut macht, das auf Zukunft hoffen lässt, das Anthroposophie als Gegenwart erleben lässt, das mir Zuversicht gibt, nicht allein zu sein mit dem Drang, nicht nur Formen von Schule sondern Schule als Form in Frage zu stellen und nach modernen Konzepten zu suchen, die Strukturen ändern und nicht nur Etiketten, die neue Lebenswelten schaffen und nicht nur bildungsbürgerliche Schutznischen.
Denn die Kritik richtet sich nicht an die Idee der Waldorfschule, sondern an die konkrete Form, in der diese Idee zur eigenen Karrikatur erstarrt ist. Iwan geißelt das unreflektierte Tradieren von starren Formen, das hilflose sich Ausliefern unter den scheinbaren Druck staatlicher Vorgaben (Dauermenetekel „Abitur“) und den Dilettantismus und die Ignoranz bei der Reflexion von Strukturen, Prozessen und Methoden sowohl im pädagogischen, didaktischen als auch im administrativen Bereich. Dabei muss er nur selten moderne wissenschaftliche Erkenntnisse oder revolutionäre Ideale als Maßstab heranziehen, es genügt meist der Vergleich mit den Ausführungen und Anregungen Rudolf Steiners, mit denen dieser seine Ideen dem Gründungskollegium zu vermitteln versuchte – offenbar schon damals ohne großen Erfolg – um zu zeigen, wo die real existierende Waldorfpädagogik feststeckt.
Anhand von exemplarischen Kochlöffeln – eine anekdotische Metapher für die unreflektierte Pflege von inhaltsentleerten Formen – zeigt Rüdiger Iwan ganz konkret, wie die revolutionären Ideen Steiners in den Waldorfschulen den angestammten Gewohnheiten und Selbstverständlichkeiten einer preußisch-behördlichen Schul- und Lehrermentalität und der Ideenlosigkeit eines sich selbst reproduzierenden Erfolgsmodelles zum Opfer fallen: Monatsfeier als institutionalisierte Langeweile, Verbalbeurteilung als subjektivierte Buchstabenzensur, Hausaufgaben als Vernichtung von Qualitätsansprüchen, Epochenunterricht als Scheinalternative zum Stundenplan. Er entzaubert den Nimbus dieser Parade-Waldorf-Institutionen, indem er zeigt, dass sie nur als leblose Blaupausen einer einst lebendigen und auf Entwicklung angelegten Idee fortbestehen und dass sie teilweise geradezu kontraproduktiv das am Schüler orientierte Waldorf-Ideal negieren. Er entwickelt und beschreibt aber auch Alternativen und Lösungsmodelle, die oft überraschend kreativ die scheinbar festgefahrenen Kontroversen und Antinomien transzendieren. Und er tut dies nicht als theoretischer Utopist, sondern als Pädagoge in der konkreten Praxis der Schulwirklichkeit oder anhand von realen Modellprojekten, die weit ab von der Waldorfwirklichkeit pädagogische Zukunft erfinden.
Und so doziert Iwan im zweiten, „positiven“ Teil seines Buches keineswegs über methodische Theorien, er erörtert keine didaktischen Konzepte und er analysiert weder Feldstudien noch Statistiken. Er erzählt, was bereits an einzelnen Schulen, in einzelnen Projekten, in seiner eigenen Klasse und bei einzelnen Kollegen gemacht wird. Vom Portfolio, von bewegten Klassenzimmern, von Projektunterricht, von Schülern, die in der Pause freiwillig über den Unterrichtsinhalt diskutieren, von Lehrern, die ihre Rolle als Dozent gegen die des methodischen Beraters eintauschen. Von Drittklässlern die ihren Mitschülern aus der Zweiten die selbstgebauten Häuser „verkaufen“, von Arbeitgebern und Ausbildern, die gerne auf abstrakte Zensuren verzichten und ganz wild auf konkrete Leistungsvorlagen sind, von Personalchefs großer Unternehmen, die eine erweiterte Monatsfeier nutzen, um mit möglichen Azubis über deren Arbeitsproben zu sprechen. Die Berichte sind so lebendig und die neuen Methoden – deren Vielfalt hier nicht einmal ansatzweise mitgeteilt werden kann – leuchten dem Leser so unmittelbar ein, dass die erläuternden Worte des Autors im Grund überflüssig sind. Iwan breitet weniger systematisch als exemplarisch eine Collage aus Anregungen und Ideen für „Lernen in Freiheit“ und „Lernen aus dem Leben“ aus, die nur zu lesen auch für einen ehemaligen Waldorfschüler eine wahre Erlösung sind! Ihre lebenspraktische Wahrheit ist unmittelbar sichtbar wie die ästhetische Unanzweifelbarkeit eines Gemäldes von Marc Chagall oder einer Symphonie von Beethoven.
Denn im Grunde sind es – und das ist das vernichtendste Urteil für den status quo der Waldorf- und sonstigen Schulen – denn im Grunde sind es Binsenweisheiten, auf denen die Methoden beruhen: Selbstverantwortung, Eigenkontrolle, Veranschaulichung, Feedback, Reflexion, Phantasie, Teamarbeit, Gegenseitiges lehren und lernen, Realitätsbezug, Positive Verstärkung, Motivation und so weiter und so weiter. Es braucht nur Phantasie und pädagogische Fertigkeit, sie in Lernmodelle zu konkretisieren und Mut, sie gegen die eigenen und die gesellschaftlichen Gewohnheiten und Vorurteile auf allen Ebenen durchzusetzen.
Mein Loblied mag subjektiv sein wie es will und die „neue Waldorfschule“, die Iwan als Leitbild und Zukunftsziel entwirft, mag als Konzept im Detail überzeugen oder nicht – der Gewissensfrage, die er mit der Analyse der Defizite und dem Aufzeigen realer Möglichkeiten zu einem radikalen Methodenwandel stellt, kann sich niemand mehr entziehen. Und seine Aufarbeitung des status quo und der Geschichte der Waldorfschule ist ein Meilenstein inneranthroposophischer Reflexion und Kritik und in ihrer Sachlichkeit und Präzision in diesem Bereich einzigartig. Denn die Waldorfschule steht, wie Iwan präzise diagnostiziert, an dem Scheideweg, ob sie von der alternativen Schulform, die sie (noch) ist, zu dem werden will, was sie ursprünglich sein wollte: eine Alternative zur Schule! oder ob sie auch den letzten Rest an Originalität der Anbiederung an Sachzwänge und Phantasielosigkeit opfern und zur privaten Regelschule verkommen will.
Das Buch stellt damit die alles entscheidende Frage, ob „Waldorf“ nur noch eine sich an ihrer Umgebung abschleifende, historisch irgendwie entstandene und tradierte Form ist, oder ob die originäre Idee, in der diese Institution als Alternative zur Schule ihren Ursprung hat, noch lebt und in Gegenwart und Zukunft entwicklungsfähig ist. Und so wird an diesem Buch langfristig keiner vorbei kommen, der sich ernsthaft mit dem Thema Waldorf auseinandersetzen will. „Die neue Waldorfschule“ von Rüdiger Iwan ist Pflichtlektüre für Waldorfeltern ebenso wie für jeden einzelnen Waldorflehrer. Wie diese für sich selbst die Fragen beantworten, die das Buch stellt, entscheidet über die Zukunft der Waldorfschulen.
Rüdiger Iwan: Die neue Waldorfschule. Ein Erfolgsmodell wird renoviert
Rowohlt Verlag, Hamburg 2007
ISBN 9783498032289
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Sonntag, 3. August 2008
Jetzt regulier ich mich selbst!
Gesundheit ist keine Frage der Vermeidung bzw. Behebung von Defekten, sondern das permanente Aufrechterhalten eines unnatürlichen Zustandes: das kontinuierliche Beleben, Bewegen und Begeistern eines Materiehaufens, der für sich gesehen viel lieber zusammenfallen würde.
Frank Meyer
, der für mich nicht nur ein engagierter Arzt ist sondern auch postmoderner Schamane und virtueller Guru, hat mir diese Erkenntnis in einem Zustand real praktisch vermittelt, in dem sich meine Erfahrung gerade das genaue Gegenteil davon zueigen gemacht hatte.
Jetzt hat er eine Sammlung seiner Aufsätze bei Info3 als Buch herausgebracht. Die Aufsätze behandeln alltägliche Gesundheitsthemen und regen mit undogmatischer Frische zu einer neuen Perspektive auf alte Probleme an. Selbstregulation ist nicht das blinde Vertrauen auf Selbstheilung sondern das aktive Gestalten seiner Gesundheit durch einen achtsamen und lebensfreundlichen Umgang mit dem eigenen Organismus.
Ich empfehle das Buch nicht, weil ich für den Verlag arbeite, sondern weil ich Frank kenne und seine magische Fähigkeit, die Selbstregulation anzuregen, wortwörtlich am eigenen Leib erlebt habe.
» Kaufen!
» www.selbstregulation.de
Frank Meyer
Jetzt hat er eine Sammlung seiner Aufsätze bei Info3 als Buch herausgebracht. Die Aufsätze behandeln alltägliche Gesundheitsthemen und regen mit undogmatischer Frische zu einer neuen Perspektive auf alte Probleme an. Selbstregulation ist nicht das blinde Vertrauen auf Selbstheilung sondern das aktive Gestalten seiner Gesundheit durch einen achtsamen und lebensfreundlichen Umgang mit dem eigenen Organismus.
Ich empfehle das Buch nicht, weil ich für den Verlag arbeite, sondern weil ich Frank kenne und seine magische Fähigkeit, die Selbstregulation anzuregen, wortwörtlich am eigenen Leib erlebt habe.
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