Mittwoch, 13. Mai 2009
Spirituelle Aufklärung 5
Die Möglichkeit einer neuen Erlebnisqualität dem Leben gegenüber, wie ich sie im vorigen Abschnitt als singuläres Kulminationsereignis beschrieben habe, war als solches weit weniger spektakulär, als es so beschrieben klingen mag. Es war als Einzelerlebnis nur wie eine kurze Verzückung, wie das Überraschungsgefühl eines Deja-Vues, wie das plötzliche Auftauchen einer Idee. Als solches wäre es nicht bedeutungsvoller als viele andere besondere Momente. Die Intensität, mit der es im Gedächtnis blieb, liegt in der unmittelbaren Gewissheit, dass es etwas ist, das permanent anwesend bleibt, wenn auch nur latent, und dass es auch vor dem Erlebnis selbst schon anwesend war, ohne dass ich es bemerkt hätte. Wie eine unbemerkte Tapetentür oder ein Vexierbild, dessen Muster ganz spontan und plötzlich eine Figur offenbart, die aber immer schon da war.
Die Besonderheit dieser Erfahrung liegt nicht in ihrem Inhalt, sondern in ihrer Qualität. Das Erlebnis war nicht annähernd so intensiv wie das von irgend welchen Rauschzuständen oder anderen extatischen Erlebnissen. Es war mit ihm keinerlei exponierter Inhalt, keine Vision oder ein besonderer begrifflicher Zusammenhang verbunden. Es ist nur stilles bewusst sein. Aber dieses bewusst sein zu finden war überwältigend, weil es gerade mit KEINEM Inhalt verbunden war, sondern sich rein auf das bewusst sein als solches beschränkte. Und weil es durch nichts Äußeres veranlasst war sondern ganz aus der eigenen innneren Haltung entsprang und die gesamte Aufmerksamkeit nur auf diesem bewusst sein ruhte und dieses bewusst sein reine Aufmerksamkeit war. Es ist eine Erfahrung, deren Absolutheit jenseits jeglicher begrifflichen Reflexion in der unmittelbaren Erlebnisqualität liegt.
Diese Absolutheit ist tatsächlich der Ausgang in jenen "Raum", der jenseits der Welt liegt. Es ist das Betreten jener Sphäre, die ich implizit in meiner universellen Frage nach dem, was übrig bleibt, wenn man die Welt entfernt, unterstellt habe. Dieser Raum ist selbstverständlich nicht außerhalb des Universums zu denken, also nicht Richtung Alpha Centauri und dann noch einige Millionen Lichtjahre weiter, am Ende des Alls. Dieser Raum ist vielmehr dasjenige Bewusstsein, durch das, in dem und mit dem die ganze Welt, wie ich sie erlebe, überhaupt erst anhebt. Es ist die Bedingung des Seins der Welt, ihre Gegründetheit in ihrem eigenen Erfahrenwerden. Es ist jene Bewusstseinsschicht, für welche die Gegenstände der Welt da draußen nur Attrappen aus Pappe, nur auf das Nichts projizierte Schatten sind. Es ist das Bewusstsein, in dem nicht nur die Welt sondern auch ich selbst aufgehoben bin. Es ist jene reine präsubjektive Operationalität, welche in konstruktivistischen Begriffen jeglicher ontologischen Instanz vorangeht. Und das Besondere daran ist, dass diese Qualität als reale Dimension des Bewusstseins nicht nur begrifflich erörtert und philosophisch erschlossen, sondern ganz konkret als Bewusstseinsverfassung erfahrbar ist.
Es ist nur wie ein inneres Innehalten und Loslassen nötig, und alles Erlebte tritt etwas zurück. Es ist als tauche man etwas daraus auf und blicke von außen darauf. Es ist jenes Erlebnis, das man haben kann, wenn man im Kino ganz in die spannende Handlung eines Films vertieft ist und plötzlich aufblickt, das Publikum und die Leinwand betrachtet, auf der nach wie vor der Film spielt, der aber plötzlich nicht mehr jener mitreißende, eigentlich als aktuelle Wirklichkeit erlebte Strom ist, in dem das Bewusstsein gerade noch mit strömte, sondern der plötzlich nur noch ein Film ist, betrachtet von einem Publikum. Das, was wir Bewusstseinsinhalt nennen, ändert sich durch dieses Innehalten nicht, nur meine Einstellung dazu ändert sich. Ich nehme plötzlich nicht nur den Bewusstseinsinhalt (den Film) wahr, sondern auch das bewusst sein (das Sitzen im Kino) und die Abhängigkeit und Bedingtheit des Inhaltes in diesem Bewusstsein.
Mit dem Auftauchen dieser Bewusstseinsqualität, die man reines Bewusstsein nennen könnte, entschlüsselte sich für mich auch plötzlich eine bestimmte Schicht jener Mythen und Sagen, jener Fülle an okkulten, esoterischen, gnostischen, spirituellen und religiösen Weisheiten, die in unterschiedlichster Form auf diese Art des bewusst seins Bezug nehmen. All die tautologischen und paradoxen Formeln eines höheren Bewusstseins, die sich von der christlichen Mystik bis zum Zen-Buddhismus finden, und die teilweise in abstrakten Begriffen, teilweise in satten Bildern präsentiert werden, sprechen letztlich alle aus einer solchen und über eine solche Bewusstseinsschicht. Man erkennt plötzlich in diesen Versuchen, das Unsagbare zu sagen, was gemeint ist und weiß zugleich, dass man es nie verstehen würde, hätte man es nicht selbst erlebt. Wie das Vexierbild ist es ein völlig offener und dennoch demjenigen, der den "Sprung" noch nicht gemacht hat, ein völlig verschlossener Code. Und so wie einem vor dem Sprung jeglicher Ansatz zum Erkennen des Codes fehlt und sein Vorhandensein geradezu absurd wirkt, so banal und selbstverständlich wirkt sein Vorhandensein nach diesem Sprung. Es dann wirkt geradezu absurd, ihn nicht sehen zu können.
In dieses reine Bewusstsein fällt die ganze Erleuchtungsrhetorik zusammen. Es ist immer nur wieder eine Beschwörung dieses Nichts des reinen Bewusstseins. Und nichts ist leichter als aus diesem Nichts immer wieder und immer wieder eine weisheitstrunkene Tautologie oder eine mystische Paradoxie zu schöpfen, über die der Unwissende lacht, die den Ahnenden beeindruckt, die der Wissende abgeklärt bestätigt und die dennoch nicht ansatzweise dasjenige beschreiben kann, was sie beschreiben will. Denn dieses Nichts, das sie beschreiben will - und das selbstverständlich auch durch das Wort "Nichts" oder "reines Bewusstsein" oder andere Wörter nicht beschrieben wird - es entzieht sich der Beschreibung nicht nur deswegen, weil Sprache grundsätzlich reduktiv ist, sondern weil es im eminentesten Sinne dasjenige ist, was immer nur beschreibt. Denn zentral an dem Erleben dieses reinen bewusst seins ist nicht der Inhalt dieses Erlebens. Es ist noch nicht einmal die Inhaltslosigkeit dieses Erlebens, die in gewisser Weise Voraussetzung dafür ist. Sondern es ist das Gewahrwerden des Erlebens als vom Erlebten unabhängige Operation und Qualität.
Dieses Gewahrwerden ist ein sehr schlichter Vorgang, der sich eben jenseits des Inhaltes oder Nichtinhaltes nur als eine Modifikation der Bewusstseinshaltung zeigt und der letztlich jeden Bewusstseinsinhalt begleitet, weil er ihn überhaupt erst hervorbringt, von diesem meist nur verdeckt wird. Sich der Welt in dieser Weise erlebend gegenüber zu stellen bedeutet nicht, die Welt zu ändern, sondern nur, sie nicht als Geschehnis sondern als Erlebnis wahrzunehmen und sie so zugleich als etwas unmittelbar eigenes aber auch nur bedingtes zu erkennen. Und als solches ist dieses Erlebnis auch auch nicht die Erfüllung aller Ziele und Zwecke, es ist nicht das Endziel aller karmischen, spirituellen, philosophischen oder biographischen Entwicklungen. Es ist vielmehr eine ganz grundlegende Erfahrung der Einheit, bei der Karma, Spiritualität, Philosophie und Biographie erst beginnen können, sich im eigentlichen Sinne frei zu entfalten.
Was nun mich, als Anthroposoph, an der Entdeckung dieser neuen Erfahrungsschicht besonders überrascht hat, war einerseits die Tatsache, dass sich damit ein Kernanliegen meiner Anthroposophie nicht nur erfüllte, sondern sich auf unprätentiöse Weise in einer Vielzahl spiritueller und meditativer Ansätze wieder erkannte und mir klar wurde, dass hinter der Vielfalt spiritueller Beschreibungen immer wieder diese Erfahrung des Absoluten steckt und dass die ganze Fülle an spirituellen Lebensformen letztlich aus dieser besonderen inneren Haltung entspringt. Andererseits lag eine besondere Überraschung darin, dass die Anthroposophie als spiritueller Schulungsweg im Grunde auf genau diese Dimension der Erfahrung abzielte, dennoch aber im Rückblick alles, was ich ihr an Anleitung und Methodik hierzu entnommen habe, mich in eine völlig andere Richtung geleitet hatte.
Jene Anthroposophie, von der mich abzulösen der Beginn der Entwicklung war, die mich schließlich zu dem geschilderten meditativen Erleben gebracht hatte, führte umfangreiche und komplexe Vorstellungen einer geistigen Welt und ihrer imaginativen, inspirativen und intuitiven Erschließung mit sich. Diese Fülle an präsupponiertem Inhalt, verbunden mit einer pathetischen und teleologischen Entwicklungsrhetorik und der Vorstellung eines primär visionären Charakters einer spirituellen Bewusstseinserweiterung, verstellte mir im Grunde komplett den Zugang zu dieser Erlebnisqualität reiner Bewusstheit. Im Bilde gesprochen versuchte diese Anthroposophie, wie ich sie damals verstanden hatte, das Muster des Vexierbildes mit viel Aufwand auszuradieren, um dahinter das noch viel buntere, eigentliche Bild zu finden, statt sich ohne jede äußere Veranstaltung darauf zu konzentrieren, in dem Gegebenen unmittelbar durch die Veränderung der eigenen Einstellung das Gesuchte zu erkennen. Ich erwartete als Anthroposoph tatsächlich, dass sich im Dunkel der von allen sinnlichen Wahrnehmungen abgeschotteten Innerlichkeit die Vision geistiger Inhalte einstellte und gleichsam nur eine zweite Form der Wahrnehmung die erste ersetzte und ergänzte.
Denn dieses ganz einfache und schlichte Achtsamkeitserlebnis, das ganz aus der Reduktion entsteht und dessen Ambitionen sich in keiner Weise über die schiere Achtsamkeit hinaus erstrecken, tauchte in jener Form der Anthroposophie, die ich gepflegt hatte, nicht auf. Meditation ohne Anspruch auf Visionen, Erkenntnisse, Entwicklungsfortschritt, Übung oder eine andere mit Bedeutung gefütterte Zielsetzung wurde gleichsam als leere und geistferne New-Age-Scharlatanerie abgetan. In dieser Inhalt- und Zweckorientiertheit der meditativen Praxis dieser Anthroposophie taucht deutlich ein Aspekt des protestantischen Ethos wieder auf. Hinzu kommt die Erwartung eines finalen Ereignisses, einer Erleuchtung zum höheren Leben, verbunden mit einer geradezu grotesken Verantwortung für das Schicksal der gesamten Menschheitsentwicklung, in der solche Anthroposophie ihr Ziel sieht und die in ihrem alles irdisch-physische überwindenden Entwicklungsziel jeden menschlichen Zeithorizont überschritt. So galt gleichsam der Umkehrschluss: ein meditatives Erleuchtungserleben, das tatsächlich im Hier und Jetzt stattfindet, kann nicht echt sein. Zurück blieb die ferne Aussicht darauf, sowie die Pflicht, es unbarmherzig anzustreben, aber die Gewissheit, es nie erreichen zu können. Auch dies ein klassisches Motiv protestantischen Erlösungsglaubens: Pflichterfüllung auch im Angesicht der Unerreichbarkeit der Erlösung. Durch diese Überfrachtung mit Finalität und Bedeutung entstand nicht nur ein krankhafter Dualismus zwischen Anspruch und Wirklichkeit sondern auch eine Kultivierung quasi religiöser Praktik, die um ihrer selbst Willen etwas anstrebte ohne konkrete Erfüllung zu finden, während rings umher spirituelle Ströumungen das 20. Jahrhundert bevölkerten, die aus alten oder neuen Quellen schöpfend dem modernen Bewusstsein in unterschiedlichsten Meditationsformen jene Bewusstseinsschicht freizulegen begannen, die ganz unprätentiös die Tür zu demjenigen öffnet, das in der anthroposophischen Terminologie als geistige Welt bezeichnet wird.
Bedauerlich ist dies im Rückblick insbesondere deswegen, weil außer Frage stehen muss, dass Rudolf Steiner diese Tür kannte und nutzte, sie ihm vielleicht wie kaum einem Anderen in unserer Zeit eine gleichsam angeborene Selbstverständlichkeit war. Dies zeigen die durchaus vorhandenen Bemühungen von Steiner, Wege zur geistigen Schulung zu weisen. Dass diese Bemühungen nicht fruchteten sondern Steiner durch seinen auf die Welt zurück gewendeten, sie als geistiges Ereignis verstehenden anthroposophischen Impuls einen ganzen Kosmos der Weltdeutung erschuf, unter dem dieser Zugang gleichsam begraben liegt, das könnte seinen Grund auch darin haben, dass Steiner selbst kein Bewusstsein davon hatte, welcher Schritt normalerweise erforderlich ist, um in einem gewöhnlichen Alltagsbewusstsein diese Schicht aufzufinden, da sie für ihn vielleicht immer schon offen lag. Jedenfalls hat sein Werk bei allen sonstigen erstaunlichen Wirkungen auf diesem Gebiet historisch versagt und wurde von anderen Ströumungen überholt. Und ein wesentlicher Aspekt der Isolation, in der sich die Anthroposophie, was ihr spirituelles Fundament betrifft, derzeit befindet, scheint mir in diesem Defizit zu liegen und in der Tatsache, dass dieses Defizit von anthroposophischer Seite aus nicht als solches erkannt wird und daher Strömungen, welche die latenten Anlagen der Anthroposophie in dieser Hinsicht erwecken könnten, kategorisch abgelehnt und für atavistisch erklärt werden. Die Anthroposophie erscheint im Kontext moderner spiritueller Ströumungen geradezu philiströs: sie ist bepackt mit einer unglaublichen Fülle an theoretischem spirituellem Inhalt und davon inspirierten praktischen Kulturtechniken - vielleicht mehr als jede andere Strömung derzeit - aber dennoch bleibt sie vor den Toren der viel beschworenen geistigen Erfahrung stehen. Was die für atavistisch gehaltenen Ströumungen des New-Age in vielleicht kleinen anfänglichen Schritten an konkreten Erfahrungen tatsächlich machen, das "weiß" die Anthroposophie zwar schon längst alles und noch viel mehr; das konkrete Erleben fehlt ihr aber. Sie weiß um das höchste Ziel der Menschheitsentwicklung, ist aber gerade dadurch blockiert, den ersten Schritt auch zu tun! Das zumindest ist mein persönlicher Eindruck im Rückblick auf meine Karriere als Anthroposoph und die keineswegs atavistische sondern befruchtende Wirkung der ganz unprätentiösen Hinweise auf die Möglichkeiten des unmittelbaren meditativen Erlebens. Diese Befruchtung, die allerdings erst nach dem radikalen, philosophisch induzierten Abwerfen der Anthroposophie möglich wurde, hat für mich meine Anthroposophie gleichsam aus der selbstverursachten Leichenstarre erweckt und ihr zugleich durch die Relativierung ihres ganzen Inhaltes das erdrückende Gewicht genommen. Ihr eigentliches Anliegen kommt damit hinter all den naïven theoretischen Erwartungen an die geistige Welt erst wirklich zum Vorschein.
Maurulam - #1 - 13.05.2009 20:38 - (Antwort)
Danke für diesen Bericht. Selbst werde ich nichts dazu sagen, weil ich seit meinem Erweckungserlebnis keine Nähe mehr zur Anthroposophie erleben konnte, die mir hätte zeigen können, was Meditation ist oder sein sollte. Denn dass die heutige Weltlichkeit so etwas nicht bringt, hätte man vorher auch schon wissen können. Die zeitliche Entfernung ist wieder da, und inzwischen bin ich wieder genauso geworden, wie ich vorher gewesen bin.
Mögen hier andere weiterreden!
Maurulam - #1.1 - 19.05.2009 23:04 - (Antwort)
P.S.: Die "Anderen" gibt es! Hier werden wir erwähnt im interessanten Diskussionsstrang der Egoisten: http://www.egoisten.de/files/hierarchisch.html
Elisabeth - #2 - 18.05.2009 12:09 - (Antwort)
Lieber Christian Grauer,
ich kann es nicht so sehen, dass Rudolf Steiner die Wege zur geistigen Schulung zu weisen verfehlt hat. Freilich, er konnte durch diese sogenannte Türe. Für mich hat er in seinen Schriften sehr wohl die Möglichkeit der Übung dargestellt, dass ich diese sogenannte Türe erkennen kann, durchgehen kann und zurück kommen kann; ganz nach „Belieben“. Für mich hat Steiner auch in unzähligen Ausführungen darauf hingewiesen. Gerade, weil er sehen konnte, dass es nicht verstanden wurde. Ich würde deswegen auch nicht behaupten, er hätte versagt. Die Aussage muss lauten, der/die es lesen haben versagt und nicht umsetzen können: sie haben die Übung nicht verstanden.
Herzlich,
Elisabeth
Tim - #3 - 18.05.2009 14:10 - (Antwort)
Elisabeth,
eine Übung, die man nicht
versteht...
Solche Leute haben mir die Anthroposophie versauert.
Tim, das hast Du noch nicht
verstanden, Du musst erst
noch an den Grundlagen
arbeiten...
Da lobe ich mir doch Christians
klare Sprache. Hier weiß ich,
was gemeint ist.
Anonym - #3.1 - 18.05.2009 14:40 - (Antwort)
Tim,
es geht nicht ums Verstehen. Es geht ums Umsetzen.
Es tut mir leid, wenn ich Dich an solche Leute erinnere, die Dir die Anthroposophie versauert haben ... Ich weiß, Worte können sehr weh tun, besonders, wenn es sich um solche handelt, die sich wie Postulate eingekerbt haben, die wie Verletzungen, wie Wunden aufbrechen, wenn man sie wiederholt hören muss. Verzeih!
Herzlich, Elisabeth
esther - #4 - 18.05.2009 15:27 - (Antwort)
Oh Mann, legt Euch doch auf die Couch, ihr Weicheier und Bet-Weiber.
Robert - #5 - 21.05.2009 12:43 - (Antwort)
Also diesen Satz verstehe ich
nicht.
"Dieser Raum ist selbstverständlich nicht außerhalb des Universums zu denken, also nicht Richtung Alpha Centauri und dann noch einige Millionen Lichtjahre weiter, am Ende des Alls."
Wenn nicht außerhalb, dann doch
innerhalb des Universums. Und
warum dann nicht in Richtung
Alpha Centauri?
Interessant in diesem Zusammenhang
ist auch die Frage, ob das
Bewusstsein nicht schon per se
außerhalb des Umiversums (so
wie es gemeinhin
materialistisch-wissenschaftlich
aufgefasst wird) ist.
Somit muss ein neu erfahrener
"Raum" (fasse ich hier als
Metapher auf) ebenfalls außerhalb
des Universums sein.
Betrachtet man die ursprüngliche Bedutung des Begriffes Universum,
ist natürlich alles Unsinn, was
ich gerade gesagt habe.
Ruth - #6 - 21.05.2009 15:19 - (Antwort)
"Diese Erlebnisqualität reiner Bewusstheit" ist wohl die, die Tolle meint, wenn er anregt, die "lärmende Vernunft" beiseite zu schieben um der Gegenwärtigkeit Platz zu machen, die - wie das Wort schon sagt - immer da ist. Sie ist aber auch die, zu der die Steinerschen Übungen führen, wenn man Bilder oder Gedanken - in einem oft beschriebenen zweiten Schritt der Übungen - beiseite schiebt, um die reine Kraft zu spüren, die diese Bilder oder Gedanken erst hervorbringen kann. Dies Krafterlebnis jenseits von imaginierten oder gedachten Inhalten kommt bei Steiners Übungsanregungen durchaus vor - da muß ich Elisabeth recht geben. Ein Beispiel: Die Anleitung zur Rosenkreuzmeditation am Ende der Geheimwissenschaft.
Ruth - #7 - 21.05.2009 16:35 - (Antwort)
Übrigens das Abo neuer Kommentare funktioniert irgendwie nicht, ich bekomme immer eine Fehlermeldung!
Gruß
Rainer - #8 - 21.05.2009 17:49 - (Antwort)
Habe gerade mit Begeisterung die 5 Artikel "Spirituelle Aufklärung" gelesen, super, Herr Grauer!! Vor allem wie Sie "Ihren" Helge Schneider angepriesen haben, hat mich sehr berührt, ja, ich finde auch, solche schrägen Vögel können dieses ganze todernste "meditative Erkenntnisstreben" unendlich bereichern (meine diesbezüglichen Favoriten sind Heinz Strunk und Max Goldt).
Auch sonst habe ich mich gefreut über die Parallelen zu meinem Leben - nach über 20 Jahren Anthroposophie enttäuscht, müde und ausgebrannt zu sein, von diesem Übermaß an anthroposophischen Inhalten und Urteilen und Rechthabereien. Heute lese (und "arbeite") ich auch Kabat-Zinn, E.Tolle und ähnliche Autoren und bin gespannt ob ich je wieder ein Steinerbuch in die Hand nehmen kann/werde.
Viele Grüße!
Ruth - #9 - 21.05.2009 20:51 - (Antwort)
Na, so hatte ich Herrn Grauer aber nicht verstanden, lieber Rainer!
Er hat ja durch die zeitweilige Distanz zur Anthroposophie wiederum zu ihr (zurück?)gefunden, verwandelt natürlich und auch mit einem neuen Verständnis. Aber vielleicht mit einem "eigentlicheren" Verständnis. So eine Krisenerfahrung ist ja gerade keine Radikalabsage, sondern ein Durchgang. Wie einige "Mark-und-Bein-Anthroposophen" betonen: Man muß durch den Nullpunkt durch. Der gehört dazu. Grüße
Rainer - #10 - 21.05.2009 22:01 - (Antwort)
Liebe Ruth, ich sehe das anders. Ich kann an den Texten nicht herauslesen, dass CG zur Anthroposophie "(zurück)gefunden" hat, auch nicht in "verwandelter Form". Irgendwo schreibt er, glaube ich, dass er jetzt mit dem Werk Steiners freier umgehen kann, das ist aber m.E. weit entfernt von einem verwandelten Zurückfinden, oder ähnlichen.
Seine Diagnose der Anthroposophie, sowohl des theoretischen Lehrgebäudes als auch des sog. Schulungsweges (von den Darstellungen über das neurotisch-sektiererischen Gehabe vieler Anthros ganz zu schweigen) hört sich für mich eben mehr nach einer Absage an; das muß nicht ausschließen, das man, nach dem Verfassen solch eines Textes dann noch die Weitsicht hat, die Person und das Werk Steiners würdigen und schätzen zu können.
Wenn man über die Anthroposophie schreibt "das konkrete Erleben fehlt ihr aber", ist das im Grunde eine "härtere" Kritik als die zumeist reflexartig vorgetragenen "Angriffe" irgendwelcher Gegner.
Ruth - #11 - 21.05.2009 22:14 - (Antwort)
Der Anthroposophie selbst kann das Erleben nicht fehlen, nur dem Menschen.
Und die Erlbenisse, die oben beschrieben sind, sind doch gerade die, auf die Anthroposophie abzielt!
Schön´Amd noch!
Maurulam - #12 - 21.05.2009 23:38 - (Antwort)
Liebe Ruth,
eben. Die Beurteilung von Christian Grauer kommt mir ziemlich krass vor. Der Mann gibt sein Leben für die Anthroposophie, und zwar baut er sie auf. Was bitte soll man tun, wie sich noch verhalten, damit es Annahme ist?
Robert - #13 - 21.05.2009 23:55 - (Antwort)
Interessant ist, dass diese Mauer
da ist und nur überwunden werden
kann, wenn man den Weg der
Freiheit wirklich geht.
Und der entscheidende Schritt ist
der radikale Zweifel und die
Auflösung all jener Überzeugungen
und Prinzipien, die diese Mauer
kaschieren und konstituieren.
Man kann es sich in
seinem Gefängnis der Unfreiheit
recht bequem machen und ein
schönes Bild auf diese Mauer
malen, das die Welt (meinethalben
auch die geistige Welt) darstellt.
Die Mauer ist trotzdem da, egal,
ob das Bild auf ihr 'falsch' ist
oder 'wahr'. Steiner oder die
Anthroposophie oder was auch
immer kritisieren würde nur dazu
führen, dieses Bild umzugestalten.
Das führt zu nichts.
Es geht darum, die eigenen
Prinzipien (also diese Mauer, die
mich von der Welt fern hält)
aufzulösen. Es ist gar nicht
wichtig, was das für
Prinzipien sind, die ich durch den
radikalen Zweifel auflöse,
enscheidend ist, dass es meine
Prinzipien sind. Daher verstehe
ich nicht, warum hier jemand die
Anthroposophie glaubt verteidigen
zu müssen. Habe ich mir (durch
meine Sozialisation) eine Mauer
aus z.B. Ken-Wilber-Prinzipien
aufgebaut, so muss ich eben diese
auflösen.
In diesem Sinne habe ich
Christian verstanden und ich habe
begriffen, was es heißt, durch den
Nullpunkt zu gehen.
Christian Grauer - #14 - 22.05.2009 09:18 - (Antwort)
"... Daher verstehe
ich nicht, warum hier jemand die
Anthroposophie glaubt verteidigen
zu müssen. ..."
Danke Robert, genau so war es gemeint!
PS @Ruth: die Blog-Software muss irgend ein Problem gehabt haben, ich bekam ein paar Kommentare auch nicht (normal werde ich per Email benachrichtigt). Jetzt scheint es aber wieder zu funktionieren. Bei Euch auch?
Rainer - #15 - 22.05.2009 09:48 - (Antwort)
@ Ruth
Das Zitat "das konkrete Erleben fehlt ihr (der Anthroposophie) aber" stammt von CG, nicht von mir. Du hast mit Deiner Richtigstellung natürlich recht, es liegt in erster Linie an den Menschen, nicht an der Anthroposophie.
Allerdings können solche radikalen Darstellungen wie die "spirituelle Aufklärung" natürlich in erster Linie in der jahre- wenn nicht jahrzehntelangen Beobachtung von zahllosen "anthroposophischen Menschen" ihren Grund haben und dann bleibt es am Ende nicht aus, dass man kritisch über "die Anthroposophie" spricht/schreibt.
So ähnlich ist es mir jedenfalls auch ergangen und vielleicht "sehe" ich die Texte deshalb anders als Du.
Ansonsten stimme ich Robert zu, dass es auf diesen Seiten nicht primär darum gehen kann, die Anthroposophie zu verteidigen, sondern, dass wir "unsere eigenen Prinzipien" "unsere Mauern" auflösen. Für mich pesönlich hieß diese Mauer, dieses mein Konglomerat an vertrauten und gewohnten Lieblingsideen "Anthroposophie".
liebe Grüße
Ruth - #16 - 22.05.2009 13:35 - (Antwort)
Ich habe gar nichts zu verteidigen, da ich bezüglich des "geistigen Mauerfalls" gar keinen Widerspruch sehe! Man kann ihn erreichen durch/ in/ mit Anthroposophie, gern auch durch "systematischen Zweifel" oder auf irgendwelchen anderen Wegen.
"Robert "...wenn man den Weg der
Freiheit wirklich geht."
Genau! man muß ihn eben gehen!
Grüße
Maurulam - #17 - 22.05.2009 17:10 - (Antwort)
Was mache ich bitte, wenn ich meine "Mauer" aus Helge-Schneider-Zitaten aufgebaut habe? Ich find den Mann aber gut - hoffentlich bringt er mal wieder was neues.
Trotzdem, durch den Nullpunkt zu gehen heisst da wohl, mal wieder rauszugehen und echte Leute zu sprechen, einfach richtig zu leben. Ich glaube wichtig ist daran lediglich, dass man mal wieder durchatmet.
Rainer - #18 - 22.05.2009 20:02 - (Antwort)
Vorhin beim Stöbern in einem meiner Lieblingsbücher entdeckt (ich finde, das passt hierhin):
"Den Übungsweg zu gehen heisst, unsere Grenzen, unsere künstliche geistige Trennung, unsere Selbstbilder und unser "Jemand-Besonderer-sein-wollen" zu durchschauen. Der Glaube, dass es beim Üben darum geht, einen dauerhaften Erleuchtungszustand zu erreichen - Stille, Schweigen oder wie auch immer man es nennen mag -, ist schlicht eine Fantasie. Das Üben muss beinhalten, dass wir uns den Ballast unserer Konditionierungen anschauen." (Ezra Bayda: "Zen sein-Zen leben", S.84)
Michael Eggert - #18.1 - 25.05.2009 22:32 - (Antwort)
Rainer, "Das Üben muss beinhalten, dass wir uns den Ballast unserer Konditionierungen anschauen". Ja, aber in diesem Prozess zieht sich "der Zeuge" (der das Konditionierte anschaut) doch heraus und emanzipiert sich. In diesem Augenblick, kann er -Ich- sich seiner selbst bewusst werden. Das ist doch die erste geistige Erfahrung.
Anonym - #18.1.1 - 26.05.2009 19:27 - (Antwort)
Lieber Michael, natürlich hast Du mit Deiner Antwort recht, allerdings geht es dem Autor Ezra Bayda nicht primär um "die erste geistige Erfahrung" und die Emanzipation des "Zeugen"- das ist das Anliegen und die Sprache Kühlewinds mit dem Bayda sicherlich einiges, aber eben nicht alles gemeinsam hat. In seinem Buch "Zen sein Zen leben" geht es, knapp formuliert, fast ausschließlich darum, Gefühle und Emotionen wie Groll, Ärger, Aufgeregtheit, usw als "Stoff" oder "Material" für die Meditation anzusehen - das Ganze beschreibt er in verschiedenen Facetten sehr ausführlich, die sog "höhere Erfahrung" streift er nur am Rande in der eher typischen Art des "ordinary mind zen".
(Wenn man nicht ein äußerst feines Gespür entwickelt für die subtilen Besonderheiten der eigenen Meinungen, Vorurteile, Gedanken und Neurosen und sich auf diesem Gebiet nicht absolut sicher ist,gibt es m.E. eh keine "höhere Erfahrung").
Rainer - #18.1.2 - 26.05.2009 19:35 - (Antwort)
Die Antwort von 19:27 war von mir, nicht von Herrn "Anonym"
Maurulam - #19 - 22.05.2009 20:11 - (Antwort)
Ja, überhaupt ist Perfektion nicht das Ziel. Es muss um etwas ganz anderes gehen, was aber darin verborgen ist, dass wir die Ideale schon kennen, aber nicht unbedingt erreichen können. Darin liegt das Potential, die Möglichkeit eine Veränderung zu bewirken, zu erkennen durch einen langen Entwicklungsweg, wie Ideale beschaffen sein müssen, damit sie menschengemäss wirken können.
Gabriela - #20 - 26.05.2009 15:16 - (Antwort)
Darf man hier auch kommentieren, wenn man kein Anthroposoph ist, Kant und Nietsche und Augustinus und all die anderen nicht gelesen hat und in den nächsten Jahren weder die Zeit noch die geistige Fitness dazu haben wird, dies nachzuholen?
Ich bin auf verschlungenen Wegen hierher geraten, habe ihren Bericht gelesen und trage nun seit zwei Tagen die Frage mit mir herum, ob diese Art von Erkenntniserlangung notwendigerweise eine intellektuelle, wissenschaftliche, hochphilosophische Studienlaufbahn erfordert, oder ob es denkbar oder erlebbar ist, dass dieses Nadelöhr in dem Moment überwunden wird, in welchem das eigene Kind in den Armen der Mutter, welche ich bin, stirbt. Mir kommt so vieles, was Sie im 5. Teil ihres Berichtes schreiben vertraut, geahnt und durchdrungen vor.
Sagen Sie bitte, wenn Sie jetzt lachen.
Ich schleiche mich auch sofort schweigend wieder hier raus, wenn ich mich veriirt haben sollte.
Gruss
Gabriela
Maurulam - #20.1 - 26.05.2009 17:07 - (Antwort)
Liebe Gabriela,
hihi. Christian Grauer lese ich gern, auch wegen der vielen neuen Leute, die immer einmal hereinschauen. Und es ist ja auch alles so unglaublich interessant. Ich fühle mich auf unbestimmte, nicht näher erklärbare Weise berührt. Seine Erlebnisse hat man aber ja nur indem man mitschreibt...
Rainer - #20.2 - 26.05.2009 20:08 - (Antwort)
Liebe Gabriela, ich habe auch keine "wissenschaftliche und hochphilosophische Studienlaufbahn" absolviert (obwohl ich manchmal, haha, so tue, als ob) und vieles von dem, was hier so steht, ist mir auch nur "vertraut und geahnt", also, bloß keine Schreibhemmungen entwickeln...
Christian Grauer - #21 - 26.05.2009 17:45 - (Antwort)
Liebe gabriela
Man kann diese Erfahrung auch beim Butterstampfen machen. Bitte bleiben!
Ich bin im Urlaub, daher nur eine Telegrammantwort (die Roaminggebuehren fressen einem die Haare vom Kopf...)
Cg
Gabriela - #22 - 26.05.2009 20:30 - (Antwort)
Danke fürs Mut machen. So wünsche ich also den Glücklichen (hoffentlich) schöne Ferien und werde wieder kommen.
Gabriela
Cornelius - #24 - 29.05.2009 22:01 - (Antwort)
Ich lese da ja nu schon ne Weile mit und kann nur sagen:
Es ist erstaunlich, wie nahe jeder sich selbst ist bzw. wie nahe das Selbst sich als jeder zu glauben scheint.
Ts, Ts, Ts..............
Herzlich Cornelius








Das Kamel im Nadelöhr Einen Emanzipationsprozess wie denjenigen, den ich hier schildere, darf man sich nicht so linear vorstellen, wie er sich notgedrungen in der Schriftlichkeit darstellt. Der Weg ist natürlich nicht gerade, sondern geschlungen und ge
Aufgenommen: Mai 13, 22:39