Montag, 4. Mai 2009
Spirituelle Aufklärung 3
Der Ausweg aus meiner anthroposophischen Sekte war, wie schon früher geschildert, tatsächlich eine äußerst rationale Überlegung, ausgelöst von der Unzufriedenheit, die dieses so vollkommen erscheinende, in Wahrheit einfach nur hermetische Weltbild bei mir auslöste. Dies begann mit philosophischen Überlegungen, insbesondere mit dem Studium erkenntnistheoretischer Schriften der großen Philosophen und dem Versuch, dies in die Anthroposophie, so wie ich sie verstand, zu integrieren. Dabei reifte nach und nach die Vorstellung heran, dass Bewusstsein nicht jenes innerliche Kino ist, das auf das Einschalten des Geistesweltprojektors wartet, sondern dass Bewusstsein primär eine funktionale und operative Dimension hat und dass "Geist" in diesem Sinne nicht etwas über die Materie und die Sinnlichkeit hereinbrechendes ist, sondern das eigentliche Sein der Sinnlichkeit, sofern wir sie als Bewusstseinstatsache auf uns, auf das Bewusstsein selbst und auf eine über das materielle Sein hinausgehende Bedeutung beziehen. Erst viel später wurden diese Erkenntnisse dann zu jener konstruktivistischen Philosophie, die ich heute vertrete. Interessant für mich war aber, dass im Grunde an jeder Stelle dieses Weges die sich radikal verändernden Ansichten problemlos Steiners erkenntnistheoretische Überlegungen aus seinem Frühwerk integrierten, wenngleich in modifizierter Lesart. Sie erschlossen sich überhaupt erst in ihrem ganzen Ausmaß und in einer Konsequenz, die auch das Spätwerk in einem neuen Licht erscheinen ließ.
Ein anderer Weg, der gleichfalls von Steiner ausging, führte mich zu Nietzsche, in dem ich erstmals die eigentliche Radikalität der monistischen Freiheitsphilosophie Steiners erkannte. Die rhetorische Wucht und das brilliante, kompromisslose Denken Nietzsches riss mich mit in sein nihilistisches Infragestellen der gesamten Welt und ließ mich philosophisch abstrakt jenem Nichts begegnen, auf dem wir die Welt gründen. Während mich in langer Beschäftigung mit Kant zwar dessen Transzendentale Wende in der Erkenntnistheorie, nicht aber seine praktische Philosophie überzeugen konnte, fand ich durch Nietzsche den Hedonismus als einzig mögliche Ethik, da sie auf kein unhintergehbares Prinzip baut, sondern im Grunde nur die These aufstellt, dass jedes moralische Prinzip in letzter Konsequenz Ausdruck für unser Bestreben ist, am Ende nur das - in welcher Hinsicht auch immer - Beste zu tun. Damit liegt am Ende das entscheidende Kriterium immer bei uns selbst. Wir handeln also in jedem Falle egoistisch, egal welche Prinzipien wir uns geben.
Jenseits der philosophischen Überlegungen gab es aber noch eine andere, eine alltäglichere und praktischere Schicht, auf der die Verstellungen meiner bisherigen Weltanschauung aufgelöst werden mussten. Das war die moralisch-ethische Ebene, die mehr als nur das Alltagshandeln auch die Einstellung zum Leben, das Lebensgefühl und nicht zuletzt auch eine Ebene der psychisch-physischen Befindlichkeit betrifft. Und auf dieser Ebene gab es einen prominenten Katalysator (oder Guru), der mir zu einem relativ intensiv erlebten, emotionalen Befreiungsschlag verhielf und dem an dieser Stelle nicht genügend gedankt werden kann. Dieser Guru ist, vielleicht etwas überraschend, niemand anderes als der
Seine Filme, Lieder und Shows - initial das Lied "Es gibt Reis, Baby" - dieses völlig anhaftungsfreie Spiel in moralischer Schwerelosigkeit mit den Urmustern und Archetypen des menschlichen Denkens, Redens und Verhaltens, dieser virtuose, unprätentiöse, vor nichts haltmachende aber nichts geringachtende Humor, dieses Phänomen! bewirkte in mir eine eigentümliche Wärme, die all die Panzerscheiben meines pietistisch-protestantischen Moralgefängnisses zum Schmelzen brachte und mein Seelenleben der frischen Luft aussetzte. Dass Helge in völlig deplazierten Plateauschuhen "Ficken" und "Saupillemannarschloch" sagte oder die Verwendung seiner Katze als Stiefelkratzer besang, ohne dass es vulgär oder abfällig klang, sondern stets liebenswürdiger Humor blieb, war nicht deswegen ein Schlüsselerlebnis für mich, weil damit Grenzen überschritten, Tabus gebrochen und sittlicher Ungehorsam geleistet wurde - meine Pubertät war lange vorbei - sondern weil Helge in seiner unnachahmlichen Weise damit gerade KEINE Grenzen überschritt, gerade KEINE Tabus brach. Seine Albernheit, sein Unsinn, sein Verstoß gegen jede Regel ist keine Auflehnung, sondern Gelassenheit gegenüber diesen Regeln. Das Wort "Ficken" trägt auch in einer Helge-Schneider-Show durchaus die Markierung der Unanständigkeit, aber Unanständigkeit wird zugelassen und nicht tabuisiert, sie wird nicht bewertet sondern neutral in ihrer humoristischen, ästhetischen Qualität eingesetzt. All dieser Ernst um Ästhetik, Ethik, Wahrheit und Güte, Pflicht und Ideale, dieses ganze Pathos der Weltverbesserung, das ich mit mir herumtrug, wurde dadurch fünf Etagen tiefer gehängt und das Menschliche, der Humor, die Freude am Diesseits, das Leben grade heraus rückten ins Zentrum.
Diese Kultivierung des Absurden bedeutete nicht, dass ich nun nur noch in Albernheit versank, aber ich bekam eine neue Perspektive auch auf die "ernste" Kultur, auf klassische Musik, Philosophie, Literatur und nicht zuletzt Anthroposophie: sie wurden mir durch den Lebenssaft, den ich bei Helge trank, nicht verleidet, sondern ich erkannte, dass ich sie nicht um ihres Ernstes und ihrer Weltmission, sondern um der selben Lust willen betrieb, die sich in einer Helge Schneider Show auslebte. Es löste sich die Unterscheidung zwischen "ernst" und "albern" auf, zwischen Kultur und Unterhaltung, zwischen hoher Kunst und trivialem Spaß, zwischen Profanität und Heiligkeit. Ich fand im Ernst des Humors von Helge ebensoviel Heiligkeit, wie ich Profanität in affektierter Kulturbeflissenheit finden konnte. Erst viel später fand ich in dem Buch
Diese Übersteigung meines konventionellen Wertekataloges war die Tür aus dem Trampelpfad der Sittlichkeit: nicht die moralischen Prinzipien negieren und durch andere ersetzen. Auch nicht Moral als Qualität des Handelns relativieren oder ignorieren, sondern den moralischen Prinzipien gegenüber jene Gelassenheit entwickeln, die alles zulassen kann, ohne es zu glorifizieren und auf alles verzichten kann, ohne es zu verdammen. Meine sozialisierten Wertvorstellungen nicht auszutauschen oder zu verwerfen, sondern sich von ihnen zu emanzipieren, das regte Helge Schneider in mir an. Er verkörperte nicht zuletzt so ziemlich alles, was den Wertvorstellungen meines Sozialisierungskontextes widersprach: unernste Musik, sinnfreies Spiel, banaler Humor, plärrende Ästhetik, den Bruch mit allen formalen Regeln, eitle Selbstdarstellung, Hinwendung ans Unnötige aus schierer Lust. Über all das hätte ich meine anthroposophisch geeichte Nase rümpfen müssen. Doch die Intensität, mit der Helges Genie mich im Innersten berührte, zersprengte mit einem Mal all diese verknöcherten Vorurteile und machten mir deutlich, dass sie mich künstlich von meinem eigenen Wesen als Mensch fernhielten.
Ich ließ mit dem prinzipiellen Verzicht auf Prinzipien die schwerste Bürde fallen und fühlte plötzlich das ganze Leben in mir. Und die ganze Welt, all die Mannigfaltigkeit des Lebens, all die möglichen Lebensweisen, all das Individuelle und Absurde, all die Sehnsüchte und Lüste, die Gewohnheiten und Schrullen, die jeden von uns in eine andere Ecke treiben, waren plötzlich willkommene Gäste in meiner Welt. Ich hätte jeden Menschen umarmen können, nur weil er so völlig anders lebte als ich, weil er gegen meine Gewohnheiten und Sittlichkeitsmuster verstieß, weil er Lust mit Dingen verband, die ich verabscheute und umgekehrt.
Und dazu gehörte insbesondere auch meine Anthroposophie: sie war nur eine Möglichkeit von vielen, nur meine Sehnsucht, meine Schrulle. Vielleicht auch mein Talent, meine Chance. Ganz egal: dass man auch ganz ohne Anthroposophie leben kann, mit völlig anderen Ansichten und Ansätzen, mit karmischen Unmöglichkeiten und ohne jeden erkennbaren Erkenntnispfad, dass all das überhaupt nicht zählt, sondern die Menschen einfach Mensch sind wie ich, dass wir in der selben Welt leben und auf der gleichen Suche waren, dass das wahre wahre Leben nicht in irgend einem anthroposophischen Biotop, sondern da draußen in all der Mannigfaltigkeit unterschiedlichster Überzeugungen und Lebensweisen stattfand, dass es keine niedere und höhere Wirklichkeit gab, sondern dass die eine Wirklichkeit da draußen auch zugleich die wahre Wirklichkeit war - wahrhaftig: was für eine Befreiung!
Dass es viele Jahre brauchte und noch immer braucht, um diese Einsicht, dieses unmittelbare Loslassen meiner Prinzipien, auch in meinen Empfindungen und Neigungen, in meinen Gewohnheiten und Reflexen zu pflegen, ist selbstverständlich. So wie die Sozialisierung sprichwörtlich in Fleisch und Blut übergegangen ist, so muss man sich auch in Fleisch und Blut von ihr emanzipieren. Das ist ein langer, nie abschließender Prozess. Und je äußerlicher, je alltäglicher die Dinge sind, umso mehr sehe ich mich heute immer mehr meiner Sozialisierung gemäß handelnd. Der feine Unterschied ist aber, dass ich mir dieses Umstandes bewusst bin und diesem Handeln keine Wertung beilegen muss. Ich muss es weder als defizitär tabuisieren und innerlich mit Übungen dagegen opponieren, noch muss ich es als einzig gesunde Lebensweise glorifizieren. Ich bin so und ich handle so. Frei von jeder moralischen Implikation.
barbara - #1 - 04.05.2009 20:53 - (Antwort)
lieber christian,
was ich nicht verstehe: nummer3 ist am 1. mai geschrieben und steht unter der am 2. mai geschriebenen nummer 2, sprich, man entdeckt sie nicht, wenn man nicht nach kommentaren in nummer 1 sucht?
herzlich
barbara
Christian Grauer - #2 - 04.05.2009 22:19 - (Antwort)
Liebe Barbara, danke! Das Datum war falsch... Ich hab's korrigiert.
esther - #3 - 04.05.2009 22:50 - (Antwort)
oh je. wissen sie, ich habe nie probleme gehabt, ficken zu sagen, und ich habe stets munter in der weltgeschichte herumgefickt. dass sie und gronbach spätzünder sind, dass macht ihre ergüsse nicht interessanter. und ich kann genausowenig nachvollziehen, wie ihr coming out jetzt ein einwand gegen steiner oder die anthroposophie sein soll, wie ich nachvollziehen kann, wieso steiner sie beide bisher gehemmt hat. ich habe steiner nie mit ins bett genommen. vielleicht kann ich in ihm deshalb nach wie vor den begründer der bedeutendsten kulturströmung der neuzeit sehen. also, ich denke, mit der verkappten christlichen moral bei den anthroposophen waren sie schon auf der richtigen spur, mit steiner hat das aber eben nichts zu tun. an welchem punkt oder aus welchem grund sie ihren trieben grenzen setzen wollen oder nicht, und welche richtung sie ihnen gegbenenfalls geben wollen, das liegt allein bei ihnen, und genau so hat das auch steiner gesehen. vielleicht lesen sie doch noch einmal den letzten teil der philosophie der freiheit.
Christian Grauer - #4 - 04.05.2009 23:20 - (Antwort)
Ich weiß nicht genau, was Sie mit "coming out" meinen. Ich versuche weder etwas gegen Steiner einzuwenden noch befinde ich mich in einem Fickwettbewerb mit Ihnen!
"mit der verkappten christlichen moral bei den anthroposophen waren sie schon auf der richtigen spur, mit steiner hat das aber eben nichts zu tun."
Das ist ein Satz von jener Sorte, die ich besonders mag. Nein, Anthroposophen haben natürlich nichts mit Steiner zu tun...
esther - #4.1 - 05.05.2009 00:24 - (Antwort)
"Ich versuche weder etwas gegen Steiner einzuwenden ...
Doch. Sie verwechseln ihren früheren Umgang mit den Ideen Steiners, den Sie zu recht als falsch erkannt haben, mit eben den Ideen Steiners. Und das selbe tun sie mit den heutigen Anthroposophen. Eben haben Sie das wieder bestätigt: "Das ist ein Satz von jener Sorte, die ich besonders mag. Nein, Anthroposophen haben natürlich nichts mit Steiner zu tun..." Was soll das heißen?
Die Christen haben auch irgendwas mit der Moses zu tun. Aber ich muss keinen Befreiungskampf gegen Moses führen, um mit den Christen fertig zu werden. So paradox es für Sie scheinen mag: ich bin kein Christ, ich verachte alles Theologenblut - und habe trotzdem nicht den geringsten Zweifel an Wahrheit und Authentizität der Bibel. Versuchen Sie mal, sich das vorzustellen. Und deshalb erlebe ich das auch mit Steiner und der Anthroposophie anders als Sie. Ich brauche, um nicht in ein religiöses Verhältnis zu einer Idee zu kommen, nicht erst ihren Sinn zu relativieren. Ich habe z.B. auch nicht den geringsten Zweifel daran, dass der Moslem recht damit hat, dass der Porno-Westen des Teufels ist und trotzdem trete ich für den Westen mitsamt den Pornos ein. Das ist halt irgendwann nicht mehr wie eine Gleichung, die sich zum Schluss irgendwie auflösen lässt.
Sie haben einige gute und richtige Dinge über die Anthroposophen, und viel Ehrliches über sich selbst gesagt. Sie sollten wegen der vermeintlichen Widersprüche aber nicht den Steiner umdichten, wie das der Gronbach mit seinen Missionen macht, sondern mal hingucken, ob das, was Sie bisher für Steiners Denken gehalten haben, auch Steiners Denken ist. Hatten Sie da nicht auch Zweifel? Ihr diesbezügliches Eingeständnis war doch wohl nicht bloß ein Lippenbekenntnis, oder etwa doch?
Frei ist das nicht, wenn da ein erwachsener Mann vom Biertrinken und Ficken schreiben muss, und das außerdem irgendwie esoterisch verklären muss (Gronbachs Missionen). Das ist in jedem Satz völlig unfrei und verklemmt. Gronbach ist vollkommen gezwungen von einem Moralkodex, der nicht sein eigener ist, den er nicht durchschaut. Deshalb muss er die Dinge, die er verurteilt, obwohl er sie so gerne tun will, zur Schau stellen. Er rechtfertigt sich, er lässt sich bestätigen, er verwurstelt es sogar mit den Ideen des Mannes, von dem er sich befreien will - weil er erst dann glauben kann, dass gut ist, was er selber schlecht findet - wenn es doch wieder was mit der Anthroposophie zu tun hat. Ein solches Zwangskomplex wie das Wesen, das sich in "Missionen" offenbart, sucht vergeblich seines Gleichen auf diesem Planeten. Sie, lieber Christian, können sich wirklich frei machen, wenn Sie wollen.
Christian Grauer - #5 - 05.05.2009 00:55 - (Antwort)
Ach jetzt verstehe ich. Ich habe das Unwort gesagt. Ich habe persona non grata S. Gronbach zitiert. Ich habe Reflexzonen getroffen...
Also: ich habe nichts mit Steiner verwechselt, nichts umgedichtet und ich schreibe nichts über heutige Anthroposophen. Ich schreibe ganz allein über mich! Ich denke dass ich das durchaus verständlich gemacht habe.
esther - #6 - 05.05.2009 01:15 - (Antwort)
Da, wo Sie über sich schreiben, da ist der Text auch wirklich gut. Vor Ihrer Offenheit habe ich Respekt.
Gronbach ist kein Unwort, nur sehe ich nicht, wie man ausgerechnet den mit einer Befreiung von "Anthroposophischen" Dogmen in Zusammenhang bringen kann, wo er doch (bis jetzt zumindest) das bloße Produkt solcher Dogmen ist. Das ist, wie wenn sie das Kind, das dauernd "Ficken" sagt, weil es weiß, dass Mami das unanständig findet, für frei von Mamis Moralvorstellungen halten. Sie schienen mir da doch etwas weitsichtiger zu sein, und deshalb stieß ich mich an den Beispielen "Ficken" und "Gronbach".
Christian Grauer - #7 - 05.05.2009 01:35 - (Antwort)
Und wo genau schreibe ich nicht über mich??
Ich habe einen anderen Eindruck von Gronbach. Es geht bei ihm nicht um schiere Rebellion, sondern um die Dynamik zwischen "Grundlegendem" und "Bedeutendem" und die Vermeidung einer Verwechslung mit "nieder" und "hochstehend". Was ich geschrieben habe ist sehr schwer in geeignete Worte zu fassen, weil es in der Tat sehr schnell nur pubertär wirkt. Aber darum geht es weder mir noch Gronbach, sondern vielmehr um eine Relativierung eines Wertesystems. In der Hervorhebung der scheinbar niederen Kulturtätigkeiten liegt keine Rebellion gegen irgend etwas, auch kein Ausleben unterdrückter Sehnsüchte, sondern die angemessene Würdigung des Grundlegenden als Teil des Lebens und eine Normalisierung im Umgang damit.
esther - #7.1 - 05.05.2009 22:43 - (Antwort)
Lieber Christian,
Meine Einwände, die insgesamt darauf hinausliefen, dass Sie klarer zwischen Ihren Ideen, denen Steiners und denen der Anthroposophen unterscheiden müssten, haben Sie oben alles in allem wie folgt abgewehrt:
"Ich versuche weder etwas gegen Steiner einzuwenden noch befinde ich mich in einem Fickwettbewerb mit Ihnen! ... und ich schreibe nichts über heutige Anthroposophen. Ich schreibe ganz allein über mich! ... Aber darum geht es weder mir noch Gronbach, sondern vielmehr um eine Relativierung eines Wertesystems."
Mit "Relativierung eines Wertesystems" meinen Sie demnach ihr eigenes, und weder das von Steiner, noch das von den Anthroposophen, weil Sie ja über die beiden nicht schreiben - korrekt? Ihr eigenes Wertesystem möchten Sie relativieren, richtig?
anonym - #8 - 05.05.2009 16:23 - (Antwort)
schreiben sie den nächsten teil doch gleich in den "nachrichten aus der welt der anthroposophie". dort werden die anthroposophen schon seit längerem als sektierer diffamiert.
Cornelius - #9 - 05.05.2009 20:03 - (Antwort)
Lieber Christian
Mein Hund hat sich grade geschüttelt. Das tun Hunde, wenn sie bepisst werden ![]()
Es geht ganz schnell und alle die daneben stehen sagen: Du Sauhund! aber das war es schon zu spät ![]()
Ich sag dann nur: Entschuldigung.
Aber ich kann nicht's dafür und werd Ihre Flecken nicht abwischen. Sie standen ja daneben (das denke ich im Stillen)
Fortsetzung kann folgen!
Helge - #10 - 05.05.2009 21:21 - (Antwort)
Aha, jetzt weiß ich wenigstens, warum Schachtelhalm! Helge (nicht Schneider; auch so ein Schachtelhalm). In meinem individuellen Kopf hatten sich schon ganz andere Deutungen gebildet. Man könnte ja mal einen Schachtelhalm-Deutungs-Blog einrichten ...
Christian Grauer - #11 - 06.05.2009 10:46 - (Antwort)
Liebe Esther, liebe Leser,
da hier mehrfach der Einwand formuliert wurde, ich würde pauschal Anthroposophen, Rudolf Steiner und "die Anthroposophie" diffamieren, mit Vorurteilen belegen und in eine subjektive Interpretation zwingen, möchte ich nun doch bitte fragen, was an den folgenden Sätzen und Wendungen eigentlich missverständlich ist. Ich bin sehr bemüht, so zu schreiben, dass man mich versteht. Ich gestehe da gerne Optimierungsmöglichkeiten ein und freue mich über Hilfe. Aber auf der anderen Seite bin ich gegen Legasthenie auch machtlos. Also kann man die folgenden Worte, auch angesichts ihres wiederholten Auftretens, irgendwie missverstehen?
Der Ausweg aus meiner anthroposophischen Sekte...
...die Verstellungen meiner bisherigen Weltanschauung aufgelöst werden...
...Pathos der Weltverbesserung, das ich mit mir herumtrug...
Diese Übersteigung meines konventionellen Wertekataloges...
...dazu gehörte insbesondere auch meine Anthroposophie: sie war nur ... meine Sehnsucht, meine Schrulle.
...dieses unmittelbare Loslassen meiner Prinzipien,...
Die Form von Anthroposophie, in der ich aufwuchs und die ich mir dann als junger Erwachsener aktiv ausstaffierte...
...Ausstieg aus meinem anthroposophischen Dogma...
...im seelischen Bootcamp meiner Anthroposophie...
...machten es möglich, jede noch so krude ethische Verirrung in die Anthroposophie zu importieren und so sein konventionelles, traditionelles Weltbild (...) weiter zu pflegen.
Wohlgemerkt, ich spreche hier im Wesentlichen von MEINER Anthroposophie, wie ich sie im Kontext meiner Sozialisierung und aus meinem eigenen Idealismus heraus konstruiert und erlebt habe. Dass ich "man" statt "ich" schreibe, illustriert die Tatsache, dass ich diese meine Anthroposophie als intersubjektive Selbstverständlichkeit aufgefasst hatte.
...aber was ich hier schildere, ist dennoch nur eine Möglichkeit, Anthroposophie (miss-) zu verstehen. Es ist kein objektives oder allgemeingültiges Bild der Anthroposophie.
...die perfekte Ein-Mann-Sekte!
Nachdem ich so für mich die Anthroposophie zerschlagen hatte,...
Natürlich vertrete ich die Ansicht, wie ich auch schreibe, dass ich damit nicht allein bin und dass es sich dabei auch um ein systematisches Problem der Anthroposophie handelt:
Und dieser Kodex hat sicherlich individuelle Färbungen, aber im Kern ist er intersubjektives Gut bei einem beachtlichen Teil der anthroposophischen Szene.
Aber ich habe auch laut und deutlich geschrieben: "Es ist kein objektives oder allgemeingültiges Bild der Anthroposophie."
Lesen musst Du selbst!
barbara - #12 - 06.05.2009 23:46 - (Antwort)
lieber christian,
dagegen, dass jede/r mit seine/r individuellen brille liest und das nicht merkt, bist du machtlos. das ist einfach so.
herzlich
barbara
Felix Hau - #13 - 07.05.2009 00:22 - (Antwort)
... im Übrigen, liebe Esther, hat das Kind, das dauernd "ficken" sagt, weil es weiß, dass die Mutter das nicht mag, meine volle Sympathie. Freiheit muss man sich in innerer, ernstester Erkenntnisfeier erringen - dazu gehört Distanzierung, Rebellion und oft auch eine gehörige Portion Wut und Aggression - und die Mutter profitiert nebenbei auch noch davon: ihre Hysterie nimmt mit der Zeit ab, sie wird gelassener und irgendwann sagt sie beim Teekränzchen mit ihren geistig weit fortgeschrittenen Freundinnen vielleicht auch mal ganz unverhofft "ficken" - erst leise, dann nochmal lauter - und haut im rauschhaft freudvollen Sog des plötzlich entdeckten wahrhaft wirklichen Lebens mit der Faust auf den Tisch und anschließend das gute Porzellan kaputt. Dann ist der Knoten geplatzt und die Dame befindet sich auf dem Weg der Heilung.
Wir wollen ihr das von Herzen wünschen und nehmen nun alle diesbezüglich guten Gedanken mit in die Nacht.
Dennis - #15 - 01.09.2009 20:29 - (Antwort)
Hi Christian,
ich bin per Zufall auf deinen Text gestoßen und freue mich sehr darüber ![]()
Besonders lustig sind die Antworten von den Steinerfreunden, die sind wohl ein bissl "angefickt"...würde die Esther wohl sagen ![]()
Grüße Euch alle
