Montag, 2. Februar 2009
Mit 5 Klicks zur Revolution!
Es gibt Ideen und Institutionen, die sind so selbstverständlich, einleuchtend und naheliegend, dass man sich nach ihrer Einführung nicht mehr vorstellen kann, wie die Menschheit ohne sie ausgekommen ist. Das bedingungslose Grundeinkommen ist eine solche. Mit dem Unterschied, dass wir derzeit noch vor ihrer Einführung stehen.
Das bedingungslose Grundeinkommen ist keine Utopie einer neuen Gesellschaftsordnung, in der alles viel besser ist als heute, in der am grünen Tisch das Paradies entworfen wird. Das bedingungslose Grundeinkommen ist die Anerkennung der sozialen Realität. All diese Provisorien, Umwege, Notlösungen, Behelfsinstitutionen und Zugeständnisse an scheinbare Sachzwänge, mit denen wir versuchen ein längst obsoletes soziales Konzept zum Schein noch aufrecht zu erhalten, werden ersetzt durch eine geradlinige neue institutionelle Form für die soziale Realität, die hinter diesen Hilfskonstruktionen steckt.
Schon längst sind Arbeit und Einkommen getrennt - weniger als 50% der Bürger sind erwerbstätig. Längst wird jeder bei Bedarf mit einem Mindesteinkommen versorgt - wir betrachten es aber als Notlösung, als "Stütze" und diskriminieren die Betroffenen. Schon längst geben wir mehr als die Hälfte unseres Einkommens dem Staat zur solidarischen Verwendung - wir verstecken diese hohe Staatsquote nur hinter einem gigantisch komplexen Steuersystem. Schon längst leben wir von den Leistungen der Gesellschaft und nicht von unserer eigenen - indem wir Arbeitsplätze wie Waren behandeln täuschen wir nur vor, unsere Leistung zu verkaufen. Schon längst führen wir eine Nivellierung der Einkommen durch - wir machen es nur versteckt mit Sozialnachlässen, Steuerprogression, Luxussteuern, Freibeträgen etc.
All diese Dinge und noch viel mehr werden vom bedingungslosen Grundeinkommen nicht wie eigentlich zu behebende Defekte behandelt, sondern sie werden als gesellschaftliche Realität ganz neutral anerkannt und mit möglichst effizienten Mitteln verwaltet, statt einem obsoleten gesellschaftlichen Konzept nachzuhängen, das auf fragwürdigen Zwangsvorstellungen einer Leistungs- und Verdienstethik basiert, das seine Wirtschaft zwischen Sozialneid und sozialer Verantwortung aufreibt und sich an ausrangierten Prinzipien wie Vollbeschäftigung und staatlicher Gnade orientiert.
Das bedingungslose Grundeinkommen schafft nicht das Paradies auf Erden, aber es macht Schluss mit der sozialen Schizophrenie, die uns nicht nur daran hindert, allen Menschen die Grundlage für ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, ohne sie mit dem Stigma des Scheiterns zu belegen, sondern die uns auch daran hindert, eine effiziente Marktwirtschaft zu betreiben, die uns von Arbeit befreit, statt uns um des Einkommens Willen an sinnlose, ineffiziente und unattraktive Produktions- und Arbeitsmethoden zu binden. Und die uns nicht zuletzt zu einem Verwaltungsaufwand zwingt, der allein schon einen großen Teil der eingenommenen und wieder verteilten Steuern verschlingt.
Bis zum 10. Februar gibt es die Möglichkeit, bei einer Petition an den Bundestag zu unterschreiben, die diesen veranlasst, das Thema Grundeinkommen endlich auf die Tagesordnung zu setzen und ernsthaft die Vor- und Nachteile dieser Idee zu besprechen, die sich immer mehr als eine der drängendsten Forderungen unserer Zeit gerade aus der gesellschaftlichen Basis heraus formuliert.
Petition zum Grundeinkommen
Man muss sich für die Petition anmelden, das ist aber ganz unkompliziert und in fünf Minuten erledigt.
Weitere Infos zum Grundeinkommen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Grundeinkommen
http://www.grundeinkommen.tv/blog/ mit einem hervorragenden Film zum Downloaden über das Grundeinkommen!
[1] Ergänzung vom 9.2.09: lt. Angaben des Netzwerk Grundeinkommen (www.grundeinkommen.de) wurde die Petition aufgrund anhaltender technischer Probleme in den letzten Tagen um eine Woche bis zum 17.2.2009 verlängert.
Internetspaziergänger - #1 - 03.02.2009 16:57 - (Antwort)
Toller Artikel,
müßte eigentlich jeder normalbegabte Mensch verstehen. Am meisten wundert mich, daß ausgerechtet Menschen aus dem "esoterischen" Lager (hoffe ich begehe auf die Schnelle keinen groben Schnitzer) solche an rationale Vernunft appellierenden Artikel zustandebringen, während z.B. oberschlaue Diplommarxiten den größten Dünnschiss aller Zeiten absondern. Wirklich ganz großes Bravo und Danke!
Der Artikel gehört eigentlich ins "Optimistenforum" (Forum, was zur Petition gehört)
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Stand am 3.2.09 um 16:30 Uhr 9950 Mitzeichner
Über 2500 Beiträge im "Optimistenforum" sowie unzählig viele Menschen auf den virtuellen Beinen!
empfehlenswert für "Aktivisten" ist:
aktuelles.archiv-grundeinkommen.de
(von dort wird auch hierhin gewiesen!)
...Internetspaziergeänger auf der Durchreise!
Mitzeichner - #2 - 05.02.2009 06:10 - (Antwort)
Vielen Dank, einer der besten Artikel auf diesem Blog überhaupt. Das Thema ist mit dieser Petition auch lange noch nicht erledigt: es handelt sich hier um ein essenzielles Gesellschaftsthema, welches noch viel geistigen Einsatz durch die hochindustrialisiert lebende Allgemeinheit erfordern wird. Seien wir guter Hoffnung.
Grüße
David - #3 - 05.02.2009 08:10 - (Antwort)
So ein Schwachsinn.So etwas wird in der Realität NIE bestehen, und es ist nichts anderes als sozialistische Gleichmacherei. Und selbstverständlich wird man dann, wenn es eingeführt ist, wieder entdecken, daß es irgendwo eine weitere Ungleichheit gibt.
Nochmals: Welch ein hanebüchener Schwachsinn!
krysia - #4 - 05.02.2009 10:10 - (Antwort)
Die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens stellt erst einen ersten Schritt dar zur Überwindung eines Gesellschaftsmodells, welches auf gnadenloser Ausbeutung der Naturresourcen und der menschlichen Arbeitskraft beruht.
Geld oben unten links rechts, 98 % unserer Gehirnmasse wird darauf verschwendet, dabei haben wir so viel sinnvollere Aufgaben zu lösen.
Zum Träumen: Im Internet auf Suchmaschine yahoo zu finden eine fantastische Geschichte
Heinz Goed Zukunft 2069 Im Einklang mit der Natur
(gibt es auch im Buchhandel)
Nehmt Euch Zeit zum Lesen und träumt!!
Christian Grauer - #5 - 05.02.2009 10:24 - (Antwort)
@David:
Das Argument "das funktioniert nie" wurde noch jeder guten Idee entgegengehalten. Das ist reine Phantasielosigkeit. Aber hier kommt noch hinzu, dass das Grundeinkommen bereits existiert, es funktioniert bereits, es muss nur noch in eine vernünftige Form gebracht und als solches anerkannt werden. Denn de facto hat jeder Mensch in Deutschland ein Grundeinkommen, sei es durch Arbeit, Arbeitslosengeld, Hartz4 o.ä. Es wird nur hoffnungslos ineffizient und heuchlerisch organisiert.
Und mit sozialistischer Gleichmacherei hat das überhaupt nichts zu tun, im Gegenteil schafft es die Möglichkeit, kapitalistische freie Marktwirtschaft oberhalb des Grundeinkommens wesentlich konsequenter und "unsozialistischer" zu betreiben. Die Sozialisten sind zusammen mit einem großen Teil des linken Spektrums demzufolge ja auch relativ geschlossen gegen das Grundeinkommen.
Annette - #6 - 05.02.2009 21:51 - (Antwort)
Das Grundeinkommen wird die Schaffung neuer ehrenamtlicher Berufsgruppen ermöglichen, die Gleichstellung traditioneller unterbezahlter Berufsgruppen bewirken und für zahlreiche Innovationen im sozialen und künstlerischen Bereich bewirken. Was überfällig ist, da ohnehin hier die Arbeitsfelder der Zukunft liegen, wenn immer mehr Maschinen unsere Arbeit machen (die ohnehin keiner freiwillig tut)
Robert - #7 - 06.02.2009 10:25 - (Antwort)
Also das steht in der Petition:
1500 Euro für jeden Erwachsenen
und 1000 Euro für jedes Kind.
Ich nehme an, Frau Wiest meint
monatlich.
Jetzt mal eine Frage an einen
intelligenten Menschen: Wie soll
das finanziert werden ohne unermessliche Schulden
anzuhäufen?
Desweiteren würde ich gerne
wissen, wie Deutschland im
Alleingang alle anderen Steuern
abschaffen und einzig die
Konsumsteuer ausbauen will?
Ein abschließende Frage:
Wie kann man als Programmierer
in seinem Blog ein
Kommentarfenster realisieren,
in dem man das, was man einträgt,
nicht richtig lesen kann?
(Mozillabrauser).
Internetspaziergänger - #8 - 06.02.2009 10:53 - (Antwort)
Hallo Robert!
Da irrst du gewaltig! Die Petition besteht aus einem Satz, dem Text: "Der Deutsche Bundestag möge beschließen ... das bedingungslose Grundeinkommen einzuführen."
Das ist die Petition. Diese kann begründet werden. Bei Sammelpetitionen wie hier, kann jeder MITzeichner seine eigene Begründung in das zur Petition gehörende Forum posten. Es gibt keine "Rangfolge", etwa daß die Begründung der "Hauptpetentin" gegenüberallen anderen Vorrang hätte. Das wäre ja wohl auch der größte Kappes, oder nicht?
Im Falle des Falles werden alle Begründungen aus dem Forum sowie alles was es sonstwo noch zum Thema auf der Welt gibt berücksichtig.
MITdenken, MITmachen, MITzeichnen!
PS: Die Nachrichtensperre ist vollkommen durchbrochen worden. Zur Zeit zeichnen mehrere Menschen/Minute MIT. Stand am 6.2.09 um 10:37 Uhr:
14875 MITzeichner
3029 Beiträge im mittlerweile etwas zerfledderten Optimistenforum
...Internetspaziergänger beim Morgenspaziergang auf der Suche nach weiteren Schmetterlingen...
Anonym - #9 - 06.02.2009 11:02 - (Antwort)
Lieber Robert,
bedenke das Wegfallen sämtlicher bürokratischen Institutionen, die mit der Erarbeitung modifizierter Zahlungen beschäftigt sind (Arbeitsämter, Steuerbehörden etc.). Übrig blieben nur noch Dienstleister für Menschen, die den ihnen gemäßen Job suchen. Was für eine Ersparnis!
Wieso, ich kann lesen, was da steht.
Robert - #9.1.1 - 06.02.2009 13:05 - (Antwort)
Liebe Annette,
also der Bürokratieabbau klingt
wirklich attraktiv. Und das
allein rechtfertigt schon das
Grundeinkommen. Allerdings...
ich glaube nicht, dass diese
Bürokraten das Feld so ohne
weiteres räumen werden (eher gibt
es Frieden in Nahost). Denen
fällt schon was ein, warum sie
unentbehrlich sind.
Ich fürchte einen Ausbau der
Bürokratie und die Zementierung
sozialistischer Verhältnisse.
Alles andere wäre wirklich eine
Revolution. Meinst Du, dass es
den Petitionisten wirklich darum
geht?
Annette - #10 - 06.02.2009 13:56 - (Antwort)
Lieber Robert,
da ein Grundeinkommen vorhanden wäre, gäbe es ja keinen Grund mehr für die Erhaltung nunmehr unzweckmäßiger Arbeitsstellen.
Dafür entsteht Freiraum für so viel mehr Kreativität!
Ja, ich denke in der Tat, dass die Petitionisten die Liberalisierung des solchermassen menschlicheren Wirtschaftslebens befördern wollen. Die selbe Kreativität, die vorher aus Angst für den Erhalt von Machtstrukturen, Pfründen verwendet wurde, wird nun freigesetzt für Sinnvolleres.
Carl Jaegert - #11 - 06.02.2009 15:06 - (Antwort)
Es ist immer wieder erfreulich zu sehen, wenn unerwartet die kleinen überraschenden Initiativen erfolgreich sind. Eine einfache, gut gemeinte, naive Petition: Schon geht die Diskussion in ganz andere Bereiche, die erste Hoffnung auf einen wirklichen gesellschaftlichen Dialog ("Wie wollen wir leben?") beginnt zu keimen.
Nachdem die mittlerweile doch recht große Grundeinkommenbewegung in ihrem eigenen Saft zu ersticken drohte.
kunstuni.de
Robert - #12 - 21.03.2009 19:00 - (Antwort)
Ja passt das bedingunslose Grundeinkommen denn überhaupt zur Wirtschaftskrise?
Die Trennung von Arbeit und Geld
soll sie ja erst hervorgebracht
haben...
Und dann noch was: wenn ich nicht
für Geld arbeite, muss ja jemand
für meine Grundbedürfnisse
aufkommen.
Wer ist das? Also, wo kommt die
Kohle für das BGE her?
Eine reine Konsumsteuer ist ja
abhängigh vom Konsum. Und der
kann arg schrumpfen,
wie wir wissen. Wenn man das BGE
hinreichend absichern will, muss
es ein gewisses Finanzpolster
geben... oder wir müssen uns
drauf einstellen, dass es mal
mehr, mal weniger gibt, je nach
Kassenlage.
Internetspaziergänger - #13 - 21.03.2009 19:37 - (Antwort)
Lieber Robert,
versuch doch einfach selbst deine Frage zu beantworten. Tipp: wie hoch dieses mysteriöse Grundeinkommen ist, das ist doch völlig variabel. Man kann anfangen mit 200 Euro, 400 Euro, 800 Euro, 1600 Euro oder 1Mio Euro. Je nach dem wie es ist, ergeben sich doch wohl völlig unterschiedliche Fragen und Antworten. Oder nicht?
herbeigelockter Internetspaziergägner
Maurulam - #14 - 21.03.2009 19:39 - (Antwort)
Riesige, abstrakte, nur auf Konten existierende Geldmengen, und das Herumjonglieren mit denselben haben die Krise hervorgebracht. Ich apelliere, die Trennung zwischen Geld und reellen Projekten aufzuheben, bzw Geld stärker an gesellschaftlich wertbildende Projekte zu binden.
Das festigt die Wirtschaft, die dann auch ihrem eigentlichen Zweck nähergeführt wird, und fördert ganz direkt unser aller wahren Wohlstand.
Internetspaziergänger - #14.1 - 21.03.2009 19:57 - (Antwort)
Interessant, daß mal jemand die "physische" Gestalt des "Geldes" in die Diskussion wirft. Das ist selten. Die meisten stellen sich ganze Schiffsladungen von Dollarscheinen vor, die über die Weltmeere kutschieren um Konten auszugleichen. Vielleicht interessiert dich ein Artikel dazu?
marxistischliberal.blogspot.com/2008/10/geld-spielt-keine-rolle.html
überraschter Internetspaziergägner
Maurulam - #14.1.1 - 21.03.2009 20:10 - (Antwort)
Lieber Internetspaziergänger,
danke für den Link! Der passt genau hierher. Ich muss dir aber sagen, dass ich nicht der Ansicht bin, dass der Staat in freien Unternehmen (Banken, Initiativen, freie wirtschaftliche Unternehmen) viel verloren hat. Im Gegenteil, er soll eigentlich nur einen gewissen rechtlichen Rahmen darstellen, über dessen Ausweitung man sicher noch viel diskutieren kann. Aber das Wirtschaftsleben sollte sehr liberal gestaltet sein - denn warum sollten Unternehmen, die nicht gut sind, die keine guten Produkte hervorbringen, die nicht mehr gebraucht werden usw. von Staat gestützt werden? Auf der anderen Seite glaube ich dass wirtschaftlich völlig gesunde Projekte durch Einmischung nicht besser würden. Das hatten wir doch schonmal. Wer Ideen hat, sollte gefördert werden - Punkt. Die können das schon!
Und was legitimiert diese Einstellung??? Das BGE
Maurulam - #15 - 21.03.2009 20:46 - (Antwort)
Geld gestern und Geld heute: historisch gesehen war unbedingt der Selbstversorgerhof VOR dem Geldhandel (oder Goldwerten) da. Aus diesem Grund ist der projektbezogene Kreditnehmer mit seiner Idee mit Sicherheit die konkretere Wahl für die Finanzbindung. Noch einmal: als produzierende Unternehmen handeln sie ja auch, d.h. wirtschaften: der Markt bleibt in Bewegung.
Dein Blog ist wirklich sehr anspruchsvoll und innovativ! Lesenswert!!!
