Mittwoch, 10. Dezember 2008
Goorhuis und Ziegler über mein Buch
Goorhuis ist überzeugter Konstruktivist und er geht daher in seinem Artikel besonders auf meinen Bezug zur systemisch-konstruktivistischen Perspektiven ein. "Grauer entwirft dabei eine Linie von Kant über Husserl und Steiner zur Systemtheorie Luhmanns, um dann auch in Rudolf Steiners Werk die konstruktivistische Grundhaltung der Systemtheorie hervorzuheben, wonach jede Weltbetrachtung auch einen aktiven, gestalterischen Aspekt hat und die erscheinende Welt immer auch als Produkt (oder eben als Konstruktion) dieser Weltbetrachtung verstanden werden sollte. (...) Diese systemisch-konstruktivistische Beleuchtung von Steiners Werk erlaubt nun einen völlig neuen Brückenschlag zur modernen Wissenschaft... (...) ...dieses kleine Buch könnte einen äußerst wichtigen Beitrag dazu liefern." (Info3 11/08, S.89).
Darin findet sich eine Anerkennung gleich zweier meiner ganz zentralen Anliegen, die hinter der Verfassung des Buches standen: zum Einen die Erkenntnis, dass in Steiners ganzen erkenntnistheoretischen aber auch erkenntnispraktischen, philosophischen wie esoterischen Bemühungen, die letztlich immer wieder auf das Denken fokussieren, eben jene Idee steckt, dass der eigentliche Kern des Seins, das Urwesen alles Seins nicht Substanz, Materie, Geist oder andere Substrate sind, sondern dass sich alles Sein letztlich in einer Aktivität auflöst, auf die Steiner mit Begriffen wie Denken, Erkenntnis, Intuition verweist. Wenn ich mein Buch in einem Satz zusammenfassen sollte, dann würde ich so etwas schreiben wie: "der Ursprung und das Wesen allen Seins ist erkenntnishaft".
Das andere Anliegen ist die Anerkennung des Konstruktivismus als eines sehr feinsinnigen philosophischen Ansatzes, der auch in Wechselwirkung mit der Anthroposophie, sowohl in ihr als auch in sich, großartige Ideen hervorbringen kann und der keineswegs eine relativistische, egoistische und geistverneinende Theorie ist, sondern eine philosophische Haltung, die bei ihren Vertretern zu einer geradezu noblen theoretischen Zurückhaltung, zu diskursiver Toleranz und reflektiver Ernsthaftigkeit führt. Den Konstruktivismus als solchen zu vertreten, aber auch die Anthroposophie für diese ihr eigentlich immanente Perspektive zu öffnen und sie damit auch an die gegenwärtige philosophische Entwicklung anzuschließen, sind mir besondere Anliegen.
Hierfür von berufener Seite gelobt zu werden, ist genau die Anerkennung, um derentwillen der Narziss in mir das Buch geschrieben hat. Danke Henk Goorhuis!
Eine weitere Rezension, die dieser Tage erschienen ist, findet sich in der Zeitschrift "Das Goetheanum"
Diese Übereinstimmung - und das zeigt sich auch in der zweiseitigen Behandlung meines Buches - findet aber insbesondere auf der pragmatischen Ebene statt. Bei Zieglers Rezension zieht der Narziss in mir seine Genugtuung nicht nur daraus, dass mein Buch überhaupt zur Kenntnis genommen wird, sondern dass es als "eine mit Denk und Erlebensfreude zu lesende Einführung in eine monistische Erkenntnistheorie" (Das Goetheanum Nr. 49/08, S. 7-8) bezeichnet wird. "Das eigene Denken wird herausgefordert und nicht ersetzt: Erkenntnistheorie als persönliche Erlebnispraxis." (ebd.) Renatus Ziegler ist einer jener doch seltenen Menschen, denen Denken ein echtes Anliegen ist und das spiegelt sich für mich und meinen Narziss in seiner Rezension als Anerkennung wieder, die ich dankend aufnehme und die ganz und gar unbeschadet davon bleibt, dass wir offenbar inhaltlich nicht zur selben Position finden.
Das schöne an der Rezension ist, das Renatus Ziegler meine Gedanken präzise verstanden und wiedergegeben hat. Durch einen Konjunktiv will er mir ein Hintertür öffnen, die ich aber gar nicht brauche, denn es trifft exakt das, was ich meine, wenn er schreibt "Mir scheint als würde Grauer Verschiedenheit und Unterscheidung identifizieren und damit den Erkenntnisakt zum Seins- oder Schöpfungsakt (im Kontrast zum Bewusstseinsakt) machen. Damit wird Erkenntnistheorie zur Ontologie und Bewusstseinsentwicklung zur Weltentstehung." (a.a.O.) Ganz genau! Allerdings nicht "im Kontrast zum Bewusstseinsakt" sondern "als Bewusstseinsakt".
Für mich wird nicht ganz klar, ob Renatus Ziegler meinem Monismus wirklich einen Dualismus entgegenstellen will. Es hat zunächst den Anschein, ich gebe aber auch zu, dass mein Begriff des "ontologischen Monismus" etwas dunkel ist. Dahinter steht der Versuch, die offensichtlichen Schwächen eines radikalen Monismus zu relativieren. Unter ontologischem Monismus verstehe ich die Auffassung, dass das Sein nur dann wirklich als monistische Einheit zu bezeichnen ist, solange es als ununterschiedenes Sein, gleichsam als bloßes Welt-Potential verstanden wird. Sobald es zur Erscheinung und damit zum Seienden und Existierenden wird - also zur eigentlichen "Welt" - so entäußert es sich schon in eine Dualität, die sich in dem Begriff der Unterscheidung findet. Wo immer uns Welt begegnet, begegnet sie uns notwendigerweise dualistisch. Der Dualismus ist gleichsam im "Begegnen" bereits eingebaut. Zugleich ist aber in der Unterscheidung auch die Einheit immer schon eingebaut, weil nur unterschieden werden kann, was Eins ist und weil der Akt des Unterscheidens zugleich das Unterschiedene gleichsam als Objekte der einen Unterscheidung verbindet. Dieses Eins sein ist aber kein existierender, sondern nur ein potentieller Zustand, der das Sein als allgemeinste Spezifikation all dessen, was ist, charakterisiert. Erkenntnis und mit ihr die erscheinende Welt ist stets dualistisch, Einheit verbürgt nur die der Erkenntnis zugrunde liegende schiere Operationalität des Bewusstseins, die durch Unterscheidung diesen Dualismus erst schafft. Das ist mit dem Zusatz "ontologisch" zum Monismus gemeint und ich glaube, dass wir in diesem Punkt, nämlich der Ansicht, dass die Welt in letzter Konsequenz trotz aller Dualität einen ungeteilten Urgrund hat, zu einer Einigung finden können.
Wo die Kritik von Renatus Ziegler m.E. wirklich ansetzt, wird deutlich, wenn er meinem Verweis auf Steiners "das Subjekt lebt nur von des Denkens Gnaden" entgegen hält, dass diese Sicht nur für die analytisch-begriffliche Bestimmung des Ichs als Subjekt gilt und damit das Denken dem Subjekt nur systematisch voraus geht, dass aber eben dieses Bestimmen als Denkakt abhängig ist von meinem individuellen Ich, das den Denkakt hervorbringt. Dieses Argument ist glasklar und nachvollziehbar und vor dem Hintergrund der gesamten mitteleuropäischen Philosophiegeschichte fast trivial. Dennoch wendet es sich natürlich gegen einen der Kernpunkte meines Buches, gegen das, was ich im Rückgriff auf eine Formulierung Kants in einem Vortrag einmal als dritte Kopernikanische Wende bezeichnet habe und das mir wie ein Erweckungserlebnis durch die Lektüre der Systemtheorie von Niklas Luhman klar geworden ist: die Infragestellung des ontologischen Primats des Agens gegenüber dem Akt und die Formulierung der Idee, dass nicht das Agens den Akt, sondern der Akt das Agens hervor- oder besser vielleicht mit sich bringt.
Gerade in anthroposophischem Umfeld entzünden sich in Diskussionen gerade an dieser Idee immer wieder die engagiertesten Debatten und es stellt sich der Widerspruch für mich bisweilen weniger als rationale Überzeugung, sondern vielmehr als eine subtile Form der Angst vor dem Verlust des eigenen Ichs als letzter Bastion der Unhintergehbarkeit dar. Auch ich kenne diese Angst, denn sie ist eine systematische Angst, notwendig mit dem Ich und seinen Konstitutionsbedingungen verbunden. Und in ihr scheint mir das selbe Element zu liegen, das konstruktivistischen Ansätzen insgesamt als Vorbehalt oft entgegensteht: der vermeintliche Verlust eines sichernden Grundes, einer Verlässlichkeit und das Aufgehen jeglichen Sinns in relativistischer Beliebigkeit. Nicht dass das irgend ein Beweis für irgend etwas wäre, aber es ist ein Symptom dafür, dass dieses Problem nicht nur an die Grundfesten der Philosophie reicht, sondern auch an die existenziellsten Fragen, mit denen sich der Mensch überhaupt konfrontiert sehen kann. Und ich könnte mir nichts spannenderes vorstellen, als gerade an diesem Punkt in eine vertiefende Diskussion mit einem Gesprächspartner wie Renatus Ziegler einzutreten. Vielleicht ergibt sich in irgend einer Form die Möglichkeit dazu, denn es liegt mir fern, an dieser Stelle nun zu glauben, die Kritik von Ziegler irgendwie widerlegen zu müssen. Vielmehr möchte ich sie dankend auf- und zum Anlass nehmen, in einen philosophischen Dialog zu finden - jene Aktivität, in der das philosophische Herz seine höchste Bestimmung sieht.
Bruder im Geiste - #1 - 10.12.2008 23:19 - (Antwort)
Wenn der Satz "Anstelle Gottes der freie Mensch", nicht nur ein pupertärer Imperativ Steiners war, sondern die Headline der Steinerschen Weltanschauung, dann ist diese monistisch und der Erkenntnisakt ist Seins- oder Schöpfungsak.
Annette - #1.1 - 11.12.2008 21:30 - (Antwort)
Ich wusste gar nicht, dass es Ansätze eines "Konstruktivismus in der Anthroposophie" gibt! Ich finde aber die Ansicht sehr interessant, dass der Denkakt Welten hervorbringt, und das individuelle Ich inmitten derselben steht. Kommen wir da in einen Zirkelschluss, wenn wir noch sagen, es ist das Ich, das denkt? Der carthesische Dualismus, wie löst man ihn auf. Zur Erkenntnis komme ich als nächstem Schritt. Ist sie sicherer, fester Grund? Kann man einen Sinn von Erkenntnis erkennen? Ansonsten wäre nicht einzusehen, warum Konstruktivisten etwas anderes behaupten
Robert - #2 - 12.12.2008 22:44 - (Antwort)
Hallo Christian,
Deinen Kerngedanken habe ich folgendermaßen verstanden:
Wer Welten schafft, schafft doch in letzter Konsequenz auch die Gesetze, die in ihr gelten und die sie ermöglicht haben.
Wenn denn also das Ich es ist, das denkt (was als "fast trivial" gilt), dann deshalb, weil der Geist oder der Denkakt oder das ursprüngliche (monistische) Sein das so eingerichtet hat. Da aber dieses Sein durch das Denken die Welten schafft, schafft es auch das Ich, das sich, das Sein, in der Welt durch das Ich wieder findet. In einer Welt, in der das Ich durch das Denken Welten schafft oder meinerthalben auch konstruiert.
Was mir daran nicht gefällt, ist tatsächlich das, was Du auch erwähnst. Dass das Ich sich letztendlich auflösen muss - und dass dann alles in einem monistischen Seinsurgrund landet (ich sehe grauen Schleim vor mir, der alles Leben gebiert). Das Argument der Angst ist schwach oder meinst Du die Angst des schöpferischen Urgrundes?
Ein Ausweg scheint mir zu sein, die Spannung zwischen diesem allumfassenden Sein und dem konkreten Ich auszuhalten und zu steigern. Denn ich stelle mir vor, dass dadurch das schöpferische Potential erhöht wird.
Christian Grauer - #3 - 12.12.2008 23:04 - (Antwort)
Hallo Robert,
nein, ich meine nicht den Urgrund sondern das Ich. Das Ich hat Angst sich zu verlieren. Die Angst ist aber unbegründet, denn es kann sich gar nicht verlieren, weil es, wenn es sich verloren hätte, keines mehr wäre. Es ist nur die Vorstellung der Ichlosigkeit, die Angst macht, weil bei der Vorstellung das Ich dabei ist (als Vorstellendes) und sich dadurch in unlösbare Paradoxien verstrickt. Die Ichlosigkeit macht aber keine Angst, weil niemand da ist, der Angst haben könnte. Dass sie langweilig ist (grauer Schleim...) ist etwas anderes. Aber genau deswegen hat sich das Ich erschaffen, damit es Abwechslung gebe. Und das ist gut so - aber es ist nicht absolut.
Robert - #4 - 13.12.2008 12:21 - (Antwort)
Aber warum schafft denn dann die Ichlosigkeit nicht etwas, das
Abwechslung gibt und absolut ist?
Wer zwingt sie denn, dass es so ist
wie es ist? Die Logik?
Christian Grauer - #5 - 13.12.2008 15:11 - (Antwort)
> Aber warum schafft denn dann die
> Ichlosigkeit nicht etwas, das
> Abwechslung gibt und absolut ist?
Aber das tut sie doch permanent: sie erschafft die Welt, das Ich und die Idee des Absoluten.
> Wer zwingt sie denn, dass es so ist
> wie es ist? Die Logik?
Niemand zwingt sie, es könnte alles ganz anders sein. Und es ist auch alles ganz anders. Aber auch das Ich ist dann ein ganz anderes!
Annette - #6 - 13.12.2008 15:14 - (Antwort)
Es gab einmal eine Frage nach der Allmächtigkeit Gottes...
Nach Allem stelle ich fest, es gibt zwar eine unendliche Menge Möglichkeiten, wie alles sein könnte, wirklcih ist aber nur die jetzige, hiesige. Warum ist das so und nicht anders?
Christian Grauer - #7 - 13.12.2008 17:45 - (Antwort)
Gott? Was ist denn das für eine hübsche Konstruktion?
Es ist nur der Begriff der Wirklichkeit, der eine jetzige und hiesige konstruiert, der kausale Stringenz erwartet, der dem Satz vom Widerspruch folgt u.s.f. Es ist nicht die göttliche Schöpfung, die Dir als nur hiesige und jetzige gegenübertritt, es bist Du als Ich, das eine solche Wirklichkeit erwartet, weil nur in ihr sich dieses Ich als Ich entfalten kann. Das Problem ist, jedes Phänomen, das diese Erwartung nicht erfüllt, wird von uns kurzerhand für nicht-wirklich erklärt. Wir messen eben nicht unseren Begriff der Wirklichkeit an den Erscheinungen, sondern die Erscheinungen an unserem Begriff der Wirklichkeit. Wenn wir uns erinnern, dass der Hut, der an der Garderobe hängt, vor einem Moment noch auf dem Boden lag, dann folgern wir nicht: "oh, die Kausalgesetze sind unterbrochen", sondern "oh, da habe ich wohl geträumt oder mich verguckt". Wir würden eher die ganze Welt für verrückt erklären, als anzuerkennen, dass die Kausalität irgendwo unterbrochen sei. Und Leute, die Dir Stein und Bein schwören, dass der Hut durch Dematerialisation und Teleportation auf die Garderobe gebeamt wurde, die erklären wir auch dann noch für verrückt, wenn Sie uns darlegen, dass wir keinerlei auch noch so geringen empirischen Gegenbeweis führen können: Hüte fliegen einfach nicht von allein auf die Garderobe, das ist unabhängig von jeglicher Erfahrung gewiss. Das ist der Grund dafür, dass die Welt so und nicht anders ist: weil wir sie so erwarten, weil wir sie so konstruieren, weil wir sie so wollen und alles ausfiltern, was nicht dazu passt.
Annette - #8 - 13.12.2008 18:00 - (Antwort)
Lieber Christian,
ich hätte echt nie gedacht, dass ausgerechnet ich einmal Gott konstruktivistisch erklären müsste. Nur weil ich mal ein konstruktivistisches Buch gelesen habe.
Aber ehrlich gesagt war hier von Urgründen die Rede, vom Sein und Ichlosigkeit; mit Phänomenologie kenne ich mich noch nicht so aus. Mit Kausalbeziehung soll die also zu tun haben...
Christian Grauer - #9 - 13.12.2008 19:27 - (Antwort)
> ich hätte echt nie gedacht, dass
> ausgerechnet ich einmal Gott
> konstruktivistisch erklären müsste.
Siehst Du, das ist das noble am Konstruktivismus. Er sagt nicht: die Welt ist so und so und alles andere ist Quatsch, er sagt nur: Gott, Kausalität, Teleportation, Physik, Materie, Elementarwesen, Atome etc. ist alles ok - aber nicht absolut.
Robert - #9.1 - 14.12.2008 16:30 - (Antwort)
Das Problem ist nur, dass ich es nicht
schaffe, der Teleportation ein größeres
Gewicht zu verleihen. Außerdem würde
sie nicht unbedingt dem Kausalgesetz
widersprechen, wenn es gelänge, ihre
Voraussetzungen anzugeben oder sie
willentlich herbeizuführen.
Warum ist das denn so, dass das keiner
schafft, noch nicht mal Du, Christian?
Annette - #10 - 14.12.2008 19:19 - (Antwort)
Bestimmt liegt es daran, dass kontrolliert werden muss, wohin die Teleportation geht. Würdet ihr euch etwa zu euren Eltern ins Haus beamen lassen? Ich ehrlich gesagt nicht. Dann schon lieber zum Verehrer an den Küchentisch, oder die Wohnzimmercouch, oder den Garten, die Wiese, oder oder oder
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Christian Grauer - #11 - 14.12.2008 19:58 - (Antwort)
> Warum ist das denn so, dass das keiner
> schafft, noch nicht mal Du, Christian?
Wer sagt denn das? Das Problem ist nicht, dass wir es nicht schaffen, sondern dass wir es überhaupt nicht wollen. Niemand will in einer Welt ohne geschlossenes kausales System leben. Das sagt sich leicht mal so dahin, aber wenn Dir Uri Geller es bei RTL vormacht, weißt Du genau, das kann nicht Sein, das ist ein Trick. Auch wenn Du den Trick nicht einmal im Ansatz erklären kannst: über eines bist Du Dir sicher, nämlich dass es im Rahmen der Kausalität passiert, daran zweifelst Du zu allerletzt. So, wie sollte ich Dich da jetzt davon überzeugen, dass ich die Teleportation beherrsche??? Du willst gar nicht, dass das geht. Du lebst lieber in einer Welt, in der ich ein Spinner bin, als in einer, in der die Kausalität außer Kraft gesetzt ist.
Annette - #12 - 14.12.2008 21:12 - (Antwort)
Lieber Christian,
niemand sagt, das ein einfaches Sosein, nicht gewollt ist. Ich sagte: wenn es keine Kausalität gibt, was könnte dann Wirklichkeit sein?
Sei willkommen in meiner Welt. Ich bin schon gespannt wie du meinen Eltern grüß Gott sagen wirst.
Christian Grauer - #13 - 14.12.2008 21:20 - (Antwort)
Wer sagt, dass es keine Kausalität gibt?
Annette - #14 - 14.12.2008 21:23 - (Antwort)
Schön, dann schlage ich vor, dass Wir sagen: Die Kausalität, es gibt sie, aber sie ist nicht absolut. Es gibt auch ein Sein an sich.
Felix Hau - #15 - 15.12.2008 02:33 - (Antwort)
Lieber Christian,
das Allerschönste an deinem Buch (und an seiner Rezeption bzw. Rezension durch entsprechend befähigte Geister) finde ich, dass es Raum schafft. Neuen Raum. Und das ist etwas, das m.E. in Anthroposophie zwar intendiert wurde, bislang aber als Essenz von Anthroposophie viel zu wenig erkannt und genutzt worden ist.
Die angesprochene Angst des Ich vor der eigenen Vernichtung dehnt sich natürlich auch auf seinen unmittelbaren Umkreis aus - auf die Identifikationsobjekte, auf Sicherheit bietende Annahmen und Überzeugungen -, was es so schwer macht, eben jenen neuen Raum auch nur für möglich zu halten, geschweige denn versuchsweise zu "betreten", denn dafür müsste man einen Schritt ins Nichts tun.
Ich hoffe, das dein Buch genau dazu beiträgt!
"Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau herausfindet, wozu das Universum da ist, dann verschwindet es und wird durch etwas noch Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt. Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist." - (Douglas Adams)
Herzlich,
Felix
Robert - #16 - 15.12.2008 15:50 - (Antwort)
"Du willst gar nicht, dass das geht. Du lebst lieber in einer Welt, in der ich ein Spinner bin, als in einer, in der die Kausalität außer Kraft gesetzt ist."
Lieber Christian,
ich will lieber in einer Welt leben, in der Du die Teleportation beherrschst, ob mit oder ohne Kausalität.
Spinner zu wollen ist was für Resignierte, da habe ich nun wirklich keine Lust zu.
Und der Herr Geller... ich finde, er könnte besser sein.
Nur diese Egoauflöserei verstehe ich nicht ganz. Das ist für mich so, als wolle man sich selbst die Augen ausstechen. Wozu das gut sein soll, geht mir nicht in den Kopf (selbst wenn mir neue wachsen sollten). Und Felix mit seinem Schritt ins Nichts. Wozu denn diese Umwege?
Felix Hau - #16.1 - 16.12.2008 03:13 - (Antwort)
Lieber Robert!
"Und Felix mit seinem Schritt ins Nichts. Wozu denn diese Umwege?"
Direkter geht es nicht! ![]()
Leuthel - #18 - 15.12.2008 21:12 - (Antwort)
@ Robert
> Wozu denn diese Umwege?
Menschen, die damit aufgehört haben, an einen "externen Gott" zu glauben, müßten folgerichtig sofort damit beginnen, Menschen zu erschaffen, die an "keinen externen Gott" glauben. Weißt du, wie schwierig sowas ist? ![]()
Leuthel
Christian Grauer - #19 - 15.12.2008 22:39 - (Antwort)
@Robert: ja, Teleportation+Kausalität wäre Dir schon recht (das wird's wahrscheinlich auch irgendwann mal geben). Das Problem ist die Kausalität. Nicht dass sie uns nicht bisweilen mal hinderlich wäre und wir denken: ach, könnte ich doch fliegen oder dergleichen. Nur: wir stellen uns das dann schon immer MIT Kausalität vor. Den Horror bekommen wir von der Vorstellung (und man muss diese Vorstellung nicht nur so dahinschreiben, sondern sie sich wirklich bilden), dass die Kausalität nicht durchgehend gültig ist. Eine Welt, in der ich auf Schritt und Tritt damit Rechnen muss, dass die Kausalität gerade mal ausgesetzt wird, ist für das, was wir Alltag nennen, so gut wie unbewohnbar! Wir wären der Möglichkeit benommen, sinnvoll zu agieren. Bei jedem Schritt müssten wir quasi Angst haben, ob der Boden diesmal trägt oder ob die Gravitation plötzlich aussetzt und ich auf nimmer Widersehen im All verschwinde etc... Wie gesagt, man muss sich das möglichst plastisch vorstellen, damit das Problem sichtbar wird (der Hinweis von Felix auf D. Adams kann da sehr hilfreich sein). Also sag nicht so leichtfertig dahin, dass Du auf Kausalität gerne verzichten kannst. Du kannst es keineswegs.
> Nur diese Egoauflöserei verstehe ich nicht ganz.
> Das ist für mich so, als wolle man sich selbst die
> Augen ausstechen. Wozu das gut sein soll, geht
> mir nicht in den Kopf
Das soll zu gar nichts gut sein, das ist kein Imperativ sondern eine Beschreibung. Ich habe ja weder dazu aufgefordert, das Ego aufzulösen noch es als etwas Anstrebenswertes dargestellt. Ich habe nur festgestellt, dass das Ego sowenig absolut ist, wie der Tisch, den es betrachtet. Dazu muss man sich überhaupt nichts ausstechen. Man kann es als einen Teil der Selbsterkenntnis betrachten
(Herr Geller könnte tatsächlich besser sein!)
Annette - #20 - 16.12.2008 22:33 - (Antwort)
Falls damit Uri Geller gemeint ist, er tut das Beste, was auf seinem derzeitigen Entwicklungsstand möglich ist. Man darf da nicht so streng sein.
Ich glaube auch, die verschiedenen Bewusstseinsschichten sind so gedacht, dass Kausalitätsbeziehungen unserem Alltag Halt geben sollen. Wer handelt, muss sich auf irgendetwas verlassen können, den Partner, die Mithandelnden. Nur sind wir eben ausserdem auch noch wir selbst. Hier geht es weiter.
Robert - #21 - 19.12.2008 12:07 - (Antwort)
Aber ist nicht die Kausalität apriori gegeben?
Damit wird ausgesagt, dass wir uns eine Welt ohne Kausalität gar nicht
vorstellen können.
Ich kann es auch gar nicht. Sollte ich das behauptet haben, nehme ich es hiermit zurück. Nur, wenn es jemand anders kann, dann soll er auch. (Es soll ja auch Leute geben, die ohne Nahrung leben. Da habe ich auch keine Lust, das zu wiederlegen.) Wer will, der darf. Meinerthalben auch ohne Kausalität.
In meiner Welt aber ist die Kausalität gegeben und kann nicht hinterfragt werden. Insbesondere wenn ich, wie Herr Leuthel anregt, Menschen schaffen soll, die nicht an einen externen Gott glauben. Wenn ich das täte, hätte ich ganz sicher meine Gründe.
Annette - #22 - 19.12.2008 13:30 - (Antwort)
Also in meiner Vorstellung gibt es diese Welt ohne Kausalität. Vorstellen kann ich mir eine ganze Menge. Die Idee ist aber doch das was ich verwirklicht haben will, auch zu verwirklichen. Schön, wenn es klappt. Markus' Menschen würde ich so beschreiben, oder.
Robert - #22.1 - 21.12.2008 17:42 - (Antwort)
Hallo Aneette,
das sehe ich auch so, ich kann mir eine ganze Menge vorstellen. Aber wenn
ich was davon verwirklicht haben will,
bin ich doch auch die Ursache, dass es
verwirklicht wird. Und da haben wir sie
wieder, die Kausalität.
Ich wünsche Dir, dass es klappt, dass Du das verwirklichst, was Du verwirklichen willst.
Schönes Fest,
Robert
Annette - #23 - 21.12.2008 18:02 - (Antwort)
Na wenn ich aber mit anderen Menschen gemeinsam etwas verwirklicht haben will, dann sind die aber auch Ursachen davon, dass es verwirklicht wird. Wir sind dann alle gemeinsam Ursachen unserer individuellen verwirklichten Vorstellungen, die zusammenfliessen.
Ich wünsche dir auch, dass du das Gute verwirklichen kannst, was du willst.
Vielen Dank!







