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Sonntag, 16. November 2008 Dummheit und GegendummheitGeschrieben von Christian Grauer in Anthroposophie, EsobashingKommentare (2) | Trackbacks (0) "Denn wen, wenn er ein Kind geschlagen hat, nicht die brennende Scham ergreift, der sollte die Hände lassen vom Erzieherberuf." (Erich Gabert) "Und jeder Schlag, den er trotzdem in der Erregung des Augenblicks etwa noch austeilt, wird ihn je länger je mehr in seinem Gewissen brennen. Er wird auf ihn zurückschauend sich eingestehen müssen, daß er hier trotz allem und allem, was man anführen kann, doch eigentlich pädagogisch versagt hat, als er zu diesem kümmerlichsten, primitivsten aller erzieherischen Mittel griff, daß in diesem Augenblick Zorn, Gekränktheit, Bequemlichkeit, mangelnde Phantasie und Lieblosigkeit in ihm die Oberhand gewonnen hatten." (Erich Gabert)Dies sind Passagen aus dem Kapitel "Soll man Kinder Schlagen?" aus dem Buch "Die Strafe in der Selbsterziehung und in der Erziehung des Kindes" von Erich Gabert, das Michael Grandt in seinem "Schwarzbuch Waldorf" als Beleg dafür heranziehen will, dass die Waldorfpädagogik die Anwendung körperlicher Gewalt toleriere. Die zitierten Passagen beweisen schon hinlänglich, dass Grandts Urteil völlig absurd ist. Es kommt dadurch zustande, dass er - absichtlich oder aus Nachlässigkeit - die von Gabert in indirekter Rede ausgeführte Verteidigungsrede eines hypothetischen Prügelstrafenbefürworters zitiert und diese seinen Lesern stillschweigend als die Ansicht Gaberts verkauft. Außerdem stellt er Passagen aus unterschiedlichen Kapiteln so zusammen, dass ein scheinbarer Bezug vorgetäuscht wird, der im Buch nicht besteht und er stellt Negativbeispiele von Gabert so dar, als gäben sie die Ansicht Gaberts wieder. Ich führe am Ende dieses Beitrages den kompletten Text des betreffenden Kapitels aus Gaberts Buch auf, so dass sich jeder Leser selbst ein Urteil bilden kann. Es ist anhand des Volltextes unschwer zu erkennen, dass Erich Gabert - wohlgemerkt im Jahre 1951, als Prügelstrafen in öffentlichen Schulen noch Gang und Gäbe waren - sich klar und deutlich gegen Prügelstrafen ausspricht, wenn er sie als die "kümmerlichsten, primitivsten aller erzieherischen Mittel" bezeichnet. Dass er dabei, anders als das ein heutige Autor machen würde, Prügelstrafen als etwas weitgehend "normales" behandelt ("Der Autor schließt körperliche Strafen nicht ausdrücklich aus, sondern zieht sie sogar in Betracht" (Grandt, S. 56)), hat seinen Grund nicht darin, dass er sie gutheißt, sondern dass sie im Jahre 1951 außerhalb der Waldorfschulen tatsächlich noch etwas normales waren! Grandt liefert hier mit seiner bewussten Verfälschung der klaren Aussagen von Gabert ein Paradebeispiel für seinen Schmierenjournalismus. Andere Publikationen wie z.B. der anonyme Waldorfhasser "Nachrichten aus der Welt der Anthroposophie", der eine besondere Vorliebe für die Verzerrung der Wirklichkeit hat, hängen sich an Grandts Verfälschungen und lügen ihre Leser unbekümmert an: "Der 'renommierte' Waldorfpädagoge Erich Gabert sieht hingegen ganz klar, was in solchen Fällen zu tun ist: Kinder, die andere Kinder schlagen, müssen ihrerseits Prügel von einem Erwachsenen beziehen." Dieser Umstand wäre angesichts der Tatsache, dass das ganze Buch von Grandt auf diesem Qualitätsniveau erstellt ist, nicht weiter erwähnenswert, hätte nicht der Bund der Freien Waldorfschulen (BdFW) eben diesen Verweis auf das Buch von Gabert zum Gegenstand einer seiner Klagen auf Einstweilige Verfügung gegen Grandts Machwerk gemacht. Allerdings moniert der BdFW keineswegs die völlige Falschdarstellung der Inhalte des Buches von Gabert, sondern nur dass Grand eine alte Auflage zitiert und die neue, überarbeitete Version nicht erwähnt. Damit räumt der BdFW implizit ein, dass die von Grandt erhobenen Vorwürfe zumindest für die alte, unkommentierte Ausgabe eine gewisse Berechtigung hätten. Der BdFW prägte damit in der Öffentlichkeit selbst ein völlig verzerrtes Bild des Buches von Gabert, das überhaupt erst durch die Klage des BdFW ins Gespräch gebracht wurde. Der BdFW erweckte den Eindruck, als vertete das Buch von Gabert in der ursprünglichen Version tatsächlich die Prügelstrafe als legitimes Erziehungsmittel und als hätte erst die Überarbeitung durch Georg Kniebe eine deutliche Abkehr von der Prügelstrafe kenntlich gemacht. Offenbar kennt der BdFW seine eigenen Bücher nicht. Denn bevor ich das Gabert-Buch im Original gelesen hatte, folgte auch für mich aus der Klage des BdFW auf Berücksichtigung der Neufassung, dass die Originalfassung offenbar fragwürdige Passagen enthalten müsse. Und der BdFW hat nichts unternommen, diesen Eindruck zu korrigieren. Nirgends findet sich eine Stellungnahme, in der das Bild des Gabert-Buches richtig gestellt wird. Selbst die waldorfnahe Zeitschrift info3, die das Grandt-Buch vehement kritisiert, spricht von den "umstrittenen Passagen aus dem Buch von Erich Gabert" Dass dieses Bild entstanden ist und nunmehr die Diskussion unweigerlich prägt, hat der Bund der Freien Waldorfschulen zu verantworten. Es ist ein weiteres Beispiel Zuguterletzt folgt hier noch das vollständige Kapitel aus dem Buch von Erich Gabert, und zwar in der ursprünglichen, nicht überarbeiteten Version, die Grandt für sein Buch verwendet hat. Die Hervorhebungen sind von mir und beziehen sich auf meine Anmerkungen oben.
Aus: Erich Gabert, Die Strafe in der Selbsterziehung und in der Erziehung des Kindes, Stuttgart 1972 (1. Aufl. 1951), S. 63-68 Trackbacks
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tolereriere. Lustig
Und wer isr Grandt? Ich meine nicht, wer, das steht ja in Ihrem Artikel. Sondern wer? Andreas Lichte hält Saddam Hussein für unschuldig. - Haarsträubender Vergleich mit Grundschülerin:
http://nachsichten.anthroposophie.de/index.php?/archives/27-Andreas-Lichte-haelt-Saddam-Hussein-fuer-unschuldig.html Kommentar schreiben
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Andreas Lichte hält Saddam Hus
sein für unschuldig. - Haarstr
äubender Vergleich mit Grundsc
hülerin:
http://nachs [...]
So, 21.12.2008 18:02
Na wenn ich aber mit anderen M
enschen gemeinsam etwas verwir
klicht haben will, dann sind d
ie aber auch Ursachen da [...]
So, 21.12.2008 17:42
Hallo Aneette,
das sehe ich a
uch so, ich kann mir eine ganz
e Menge vorstellen. Aber wenn
ich was davon verwirkli [...]
Sa, 20.12.2008 11:01
Ich will den auch Haben auf DV
D ich habe den auf DVD aber vo
n der VHS kassette auf genomme
n die Quali. ist OK aber [...]
Fr, 19.12.2008 21:04
Aufgrund eigener Erfahrungen m
it den Anthroposophen komme ic
h nicht umhin, zu der ganzen D
ebatte Stellung zu bezie [...]
Fr, 19.12.2008 13:30
Also in meiner Vorstellung gib
t es diese Welt ohne Kausalitä
t. Vorstellen kann ich mir ein
e ganze Menge. Die Idee [...]
Fr, 19.12.2008 12:07
Aber ist nicht die Kausalität
apriori gegeben?
Damit wird a
usgesagt, dass wir uns eine We
lt ohne Kausalität gar n [...]
Di, 16.12.2008 22:33
Falls damit Uri Geller gemeint
ist, er tut das Beste, was au
f seinem derzeitigen Entwicklu
ngsstand möglich ist. Ma [...]
Di, 16.12.2008 03:13
Lieber Robert!
"Und Felix m
it seinem Schritt ins Nichts.
Wozu denn diese Umwege?"
Di
rekter geht es nicht!
Mo, 15.12.2008 22:39
@Robert: ja, Teleportation+Kau
salität wäre Dir schon recht (
das wird's wahrscheinlich auch
irgendwann mal geben). [...]
Mo, 15.12.2008 21:12
@ Robert
> Wozu denn diese
Umwege?
Menschen, die damit
aufgehört haben, an einen "ex
ternen Gott" zu glauben, [...]
Mo, 15.12.2008 20:41
aha die eine graue eminenz ist
entlarvt,-))
Mo, 15.12.2008 15:50
"Du willst gar nicht, dass das
geht. Du lebst lieber in eine
r Welt, in der ich ein Spinner
bin, als in einer, in d [...]
Mo, 15.12.2008 02:33
Lieber Christian,
das Aller
schönste an deinem Buch (und a
n seiner Rezeption bzw. Rezens
ion durch entsprechend b [...]
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