Was Platon, Aristoteles, Augustinus, Leibnitz, Kant, Hegel, Heidegger und Adorno nicht einmal zusammen hinbekommen haben, das hat der Jazzosoph Helge Schneider in wenigen Worten auf den Punkt gebracht. Zu lesen in der Vollansicht dieses Eintrags, oder zu hören aus der folgenden Datei: Schachtelhalm.mp3
Existenz!
Was ist eigentlich Existenz?
Viele sind verunsichert, wenn ich dieses schwierige Thema anspreche, und lachen dann, verfallen in ein wahnsinniges Lachen und sterben früh. Warum will der Mensch nicht wissen, wo er her kommt?
Klar, wir wissen, wo wir herkommen: Mama, Papa; und die kommen von anderen Eltern, und die wieder von Eltern, und die von Eltern, und die von Eltern; das geht ganz weit zurück, bis in die Feuerzeit. Die Eiszeit! Da gab es zwar noch keine - ich sag mal "Menschen", aber die Vorgänger von Menschen: kleine Amöben, so Gelibber, glibbriges Zeug, das in der Erde so kokelt, schwelende Laken. Würmchen, kleine Maden. Angeblich ohne Wissen und ohne Abitur. Ganz klar, das gab es damals nicht. Aber Intelligenzien waren schon unterwegs. Zum Beispiel der Aal ist ein sehr altes Tier (was Peter, Du kennst den noch).
Und der erste Mensch: irgend wann hat Gott zu sich selbst gesagt: UUuuaaaaahhrrrrraaaaarr Huuuaarrraaaarruuurr rrrurrraaaaaa. Das heißt ungefähr so - er konnte ja damals nicht hier so sprechen, da gab es die Sprache noch nicht - das heißt so viel wie: verdammt, mir wird langweilig, ich brauche Menschen! Und er machte uns, und direkt hat er gesagt: So! Die sollen nicht nackt sein, die sollen 'ne Hose kriegen und Pullover und so, damit ich meinen Spaß habe. Und Schuhe und Strümpfe, und Slip, BH, all so was. Suspensorium. Und Haare, oder Perrücke, is' egal. Von mir aus machen wir ein paar mit Glatze, und so. Ja, so hat er den Menschen geformt und so. Und dann hat er aber gesagt: ja, ist aber langweilig auf der Erde jetzt mit Feuer nur (damals hat es ja gebrannt, und auch hier in der alten Oper hat es gebrannt.) Und da sagte der Herr, nee jetzt will ich nicht mehr Feuer, jetzt kommt Schachtelhalm.
Und er machte überall auf der ganzen Erde Schachtelhalm. Das kann man sich kaum vorstellen. Schachtelhalm hier, Schachtelhalm da, Schachtelhalm in Amerika! Alles war Schachtelhalm. "Schachtelhalm! Schachtelhalm! Süß und saftig! Eine Mark eine Tüte!" Oder: "kennse den Hans-Günter. Das ist ja vielleicht ein Angeber. Der fährt einen 280er Schachtelhalm SE." Oder: "Guck mal hier, du: echt Schachtelhalm. Super Anzug, echt Schachtehalm, pflegeleicht, hab ich hier gekauft in der Stadt, bei Schachtehalm & A." - "Guten Tach. Ich hätte gern eine Portion - eine Doppelportion Schachtelhalm mit Majonaise und Soße. Und geben Sie mir noch eine - zwei, geben Sie zwei Flaschen Schachtelhalm. Und dann eine Schachtel Schachtelhalm Filter noch dazu. Hier, macht 20 Schachtelhalm. Der Rest ist für Sie. Auf Wiedersehen."
Ja das isses doch.
Aber ich verstehe nicht ganz, wie
Gott langweilig werden kann und
wie er dann den Menschen schafft.
Eher verstehe ich, wie Gott
überhaupt nicht langweilig ist,
er im Überschwang seiner
Lebendigkeit den Menschen schafft
und ihm dann die Langeweile
überkommt, wenn er ihn ansieht.
Ob der Rauswurf aus dem Paradies
viel gebracht hat, wage ich zu
bezweifeln.
Nun sollen wir selbst zu Göttern
werden, der einzige Weg aus der
Falle.
Entscheidend aber ist, dass dann
Schachtelhalm kam und dann der
Schacht Conrad.
Christian Grauer: Am Anfang war die Unterscheidung. Der ontologische Monismus – eine Theorie des Bewusstseins im Anschluss an Kant, Steiner, Husserl und Luhmann.
Info3 Verlag Frankfurt 2007, 109 S. kartoniert, € 13,60
ISBN 978-3-924391-37-9
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