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Thursday, July 24. 2008 Esobashing: Aufklärung oder Linksfaschismus?Posted by Christian Grauer in AnthroposophieComments (32) | Trackbacks (0)
Esobashing ist ein neuer Volkssport im Internet. Mit den allzu strapazierfähigen Schlagwörtern Demokratie und Wissenschaftlichkeit im Munde und dem Banner der Aufklärung in der Hand ziehen die Esobasher zu Felde gegen alles, was von der bürgerlichen Normalität und der naturwissenschaftlich untermauerten Mainstream-Weltanschauung abweicht. Natürlich steht alles Anthroposophische im direkten Fokus dieser Kreuzritter der Rationalität, nicht nur, weil es einen esoterischen Hintergrund hat, sondern weil es auch in der Praxis relativ erfolgreich ist. Journalisten wie Michael Grandt bauen so ganze Karrieren auf den Kampf gegen Waldorf und Anthro auf.
Dass in anthroposophischen Einrichtungen oder in Waldorfschulen nicht alles immer nur eitel Sonnenschein ist, ist kein Geheimnis. Ich bin ehemaliger Waldorfschüler und auch heute noch allenthalben in der Szene unterwegs und könnte ganze Bücher mit Kritik füllen (und werde das vielleicht auch noch tun, wenn ich Zeit dazu finde). Auch habe ich keinen Grund, mit Kritik zurückzuhalten, wenn mir anthroposophische Borniertheit überhand zu nehmen scheint (s. z.B. Info3-Blog). Aber gerade weil ich die Szene gut kenne bin ich auch regelmäßig belustigt über die donquijoteske Art, mit der die Esobasher sie als den ultimativen Sündenpfuhl entlarven und undurchdringbare Verschwörungstheorien aufbauen, die sich nicht nur auf Anthroposophen und Waldorfs richten, sondern auch die staatlichen Stellen einbeziehen, die derlei esoterisches Treiben ja offenbar gestatten und womöglich - anthroposophisch unterwandert! - auch noch fördern und decken. Natürlich sind Gewalt in einem Erziehungsheim oder rassistische Thesen in der Lehrerbildung Skandale und ich wünsche da nicht nur lückenlose Aufklärung, sondern betreibe diese im Rahmen des mir möglichen auch aktiv (s. meinen aktuellen Artikel in der Rudolf Steiner Sphäre). Und da wirkt die Kritik auch der Esobasher hilfreich, die vor sich hindämmernde Anthroszene wachzurütteln, dass sie solche Entgleisungen in ihren eigenen Reihen aufmerksamer beobachtet und verhindert. Wenn ich dann allerdings Foren lese, wie Esoblog oder NWA, wo unzulänglich informierte Zeitgenossen sich an der Pauschalisierung ihrer Halbwahrheiten selbstbefriedigen und sich in ihrem Kampf gegen die esoterische Verschwörung gegenseitig aufgeilen, dann schwanke ich zwischen kopschüttelndem Schmunzeln und dem Ausbilden eines Magengeschwürs ob des blutunterlaufenen Fanatismus. Die allzu durchschaubare populistische Manier, mit der z.B. der anonyme Autor von NWA Halbwahrheiten zu Feindbildern zusammenhäkelt und auch trotz Gegenbeweisen auf den handfestesten Irrtümern und Fehlinformationen beharrt und jeden ansatzweise kritischen Kommentar löscht, ist kaum noch ernst zu nehmen. Besonders aber amüsiert mich stets, wenn das positive Bild, das die Waldorfbewegung allgemein genießt, als das Resultat eines professionellen Marketing und einer aggressiven Lobbyarbeit dargestellt wird, mit dem verschleiert werden soll, dass es sich in Wahrheit um eine Sekte handelt, die jedes Mitglied einer Gehirnwäsche unterzieht und die im Geheimen allerlei abartige Praktiken pflegt. Von Sexorgien bis zu Teufelsaustreibungen ist alles vertreten. Amüsant ist das, weil ich dieses "Marketing" und diese "Lobbyarbeit" kenne und weiß, dass es kaum etwas unprofessionelleres und kontraproduktiveres in der anthroposophischen Welt gibt als deren Öffentlichkeitsarbeit. Natürlich gibt es Broschüren und Websites, natürlich gibt es auch Verbände und Interessensvertretungen und natürlich versuchen auch Waldorfschulen ihre Rechte ggf. vor Gericht zu erstreiten. Darin sehen Esobasher aber regelmäßig einen Beweis dafür, dass hinter Waldorf eine rücksichtslose Mafia von Rechtsanwälten lauert, die alles und jeden versucht mundtot zu machen. Der rationalistische und demokratische Anspruch der Esobasher wirkt zunächst sehr aufgeklärt und sachlich. Und wer könnte etwas dagegen haben, wenn Kindesmisshandlung angeprangert wird! Doch im Verlaufe einer Diskussion zeigt sich nicht selten, dass die scheinbar sachliche Kritik mehr und mehr zur Polemik mutiert, deren Argumentation nicht weiter als bis zu der Gleichung Eso=irrational=böse reicht. So werden Vertreter der Anthroposophie oder anderer esoterischer Richtungen und deren Arbeit pauschal als Idioten und Verrückte bezeichnet und es gilt als eine naturgegebene Selbstverständlichkeit, dass alles, was vom Dogma der Wissenschaftlichkeit abweicht, ausgemachter Blödsinn ist und allein aus diesem Grunde verboten werden sollte. An dieser Stelle wird es dann weniger amüsant, denn da zeigt sich, wo die eigentliche Motivation steckt. Die polemischen und sophistischen Argumentationen zielen keineswegs auf einen Dialog ab. Es ist daher auch aussichtslos, einer Diskussion mit rationalen Argumenten beizukommen. Das Esobashing zielt vielmehr stets auf eine Stigmatisierung und eine daraus abgeleitete Forderung nach Verbot ab. Dafür ist in der Diskussion fast jedes Mittel recht und jede Halbwahrheit billig. Da stehen dann am Ende nicht selten die bedenklichsten Formen von Dogmatismus und Totalitarismus. Die Totalablehnung von Anthro und Waldorf gründet letzlich in einem dogmatisch einseitig szientistischen, linksideologischen oder christlich-dogmatischen Anspruch auf Interpretationshoheit jeder zivilen kulturellen Betätigung. Es geht dem Esobasher nicht darum, Gefahren und Irrungen der esoterischen Welt aufzudecken und anzuklagen, sondern es geht ihm darum, jeden von seiner eigenen Weltanschauung abweichenden Lebensentwurf als Normabweichung zu deklarieren und als solchen zu unterbinden. Und dafür wird durchaus auch schon mal das Grundgesetz und die dort garantierten freiheitlichen Rechte in Frage gestellt. So argumentiert Andreas Lichte gegen den Bestand von Privatschulen mit den Worten "Der Staat vertritt die Interessen der Allgemeinheit. Partikularinteressen können den Interessen der Allgemeinheit zuwiderlaufen. Die Kontrolle MUSS daher der Staat ausüben." (comment-3289">aus einem Blogkommentar). Das zeigt deutlich, worum es eigentlich geht: um staatliche Normpädagogik und kulturelle Gleichschaltung. Populärstes und populistischstes "Argument" ist immer wieder die Entrüstung darüber, dass der Staat überhaupt private Schulen und damit Pluralität finanziert! Die Rassismen in Steiners Werk, die Skandale an Waldorfschulen, das Aufbauschen der Schrulligkeit der Anthroszene zu einer bedrohlichen Sekte - es ist nichts anderes als der Kampf um das Alleinvertretungsrecht einer Ideologie. Es ist Antipluralismus, Intoleranz und letztlich ein faschistischer Anspruch einer Unterordnung des zivilen kulturellen Lebens und der individuellen Selbstbestimmung unter die Kontrolle einer staatlich-normativen Ideologie. Und die stets im Munde geführte Demokratie erweist sich als schierer Strohmann, um sich ins rechte Licht zu setzen. In Wahrheit werden zentrale demokratische Werte wie Selbstbestimmung, Bildungsfreiheit und Freiheit des weltanschaulichen Bekenntnisses in Frage gestellt. Was uns die Esobasher als Demokratie verkaufen wollen ist nichts anderes, als ein säkularer Religionsstaat, eine Diktatur der Norm und Einheitskultur. Das ist in seiner Brisanz und seiner politischen Gefahr weit bedenklicher als alle Hinterwäldlereien und Irrationalismen der am Ende harmlos in ihrem eigenen Ätherleib verstrickten Anthroposophen zusammen! Es bleibt zu hoffen, dass es sich um eine ideologische Minderheit handelt, die sich nur dem am Thema Interessierten als ein nachhaltiges Phänomen zeigt und die nicht zuletzt mit Mitteln wie einem anonymen Blog (s. NWA, weil die Anthros ja eine gefährliche Mafia sind) oder zirkulären Selbstrefernzen versucht, sich Bedeutung anzudichten. Ich denke nicht, dass der gesellschaftliche Mainstream sich solchen antidemokratischen und totalitären Gesinnungen anschließen würde. Allerdings steckt diese Gesinnung hinter einer Maske aus wissenschaftlichem und aufklärerischem Pathos, die sicherlich manchen über die echten Beweggründe dieser Genossen täuschen wird. Und das ungefilterte Internet lässt ja so manche Filzlaus als Elefant erscheinen. Störend für die Anthroposophie und die Waldorfbewegung sind sie aber nicht deswegen, weil sie Kritik daran üben, sondern weil ihr an der Sache völlig desinteressierter und auf die Ausrottung von weltanschaulicher Pluratlität ausgerichteter Kreuzzug eine sachliche Kritik an Anthroposophie und Waldorf stets lauthals überlagern, entqualifizieren und damit letzlich unmöglich machen. Denn, auch das muss gesagt werden, gerade eine sachliche Kritik und aufgeklärte Selbstreflexion fehlt der Anthroposophie und der Waldorfbewegung in geradezu lebensbedrohlicher Weise. Es gibt tatsächlich viel zu viele skandalöse Ansatzpunkte für die Enthüllungsritter und insbesondere wird die Aufarbeitung dieser Skandale und der Strukturen, auf denen sie wachsen, von innen sträflich und in nicht mehr nachvollziehbarem Maße vernachlässigt. Saturday, July 5. 2008 Die Waldorf-NannyPosted by Christian Grauer in Anthroposophie, GesellschaftComments (0) | Trackbacks (0)
Das IPSUM Institut in Stuttgart bietet seit einigen Jahren eine Zusatzausbildung zur Waldorf-Supernanny an. Spezialisiert auf Fragen der Frühkinderziehung und insbesondere der Elternberatung wird dort eben jenem Bedürfnis ein an der Waldorfpädagogik orientiertes Angebot geschaffen, das sich auch in den einschlägigen Sendungen wie "Super-Nanny" äußert. Immer mehr Eltern erleben die Erziehung als eine Aufgabe, die Qualifikationen und professionelle Beratung wünschenswert machen. Diesem Bedürfnis entspricht nun auch Susanne Vieser auf Ihrer Website http://www.frühekindheit.de. Sie hat das IPSUM-Zertifikat und bietet neben Ihrer Tätigkeit als Waldorferziehung nun auch Beratung, Frühförderung und Kleinkindgruppen an. (näheres auf http://www.frühekindheit.de, auch unter www.magdalena-rau.de findet sich eine befreundete Waldorf-Nanny aus der IPSUM-Schule).
Dass mich das so brennend interessiert liegt daran, dass Susanne Vieser meine Schwester ist. Dadurch habe ich auch aus erster Hand viele Informationen über die IPSUM-Ausbildung, die sich als relativ neue Institution offenbar von vielen angestaubten Waldorf-Klischees befreien konnte und den aktuellen Stand der Wissenschaft in ihr Programm integriert. So wurden neben üblichen Anregungen von Steiner auch z.B. die Erkenntnisse des Neurowissenschaftlers Manfred Spitzer einbezogen. Die Ausbildung zielt außerdem auf einen Dialogischen Ansatz insbesondere bei der Beratung, in dem keine Rezepte vorgegeben werden, sondern im Dialog mit den Eltern versucht wird, individuelle pädagogische Herausforderungen zu analysieren und zu einem adäquaten Umgang damit zu kommen. Ich wünsche allen Waldorf-Nannies, besonders aber meiner lieben Schwester viel Erfolg mit dem neuen Projekt! |
Kategorien Quicksearch Mein Buch: Christian Grauer: Am Anfang war die Unterscheidung. Der ontologische Monismus – eine Theorie des Bewusstseins im Anschluss an Kant, Steiner, Husserl und Luhmann. Info3 Verlag Frankfurt 2007, 109 S. kartoniert, € 13,60 ISBN 978-3-924391-37-9 » Mehr Info Bestellen: » beim Verlag per E-Mail oder über jede Buchhandlung Links Andere Blogs » A Goy's World
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Sun, 30.11.2008 22:01
Ach mensch, Marco! Ich weiß ü berhaupt nicht, wo ich anfange n soll ... Erstens: Nein - nicht Polemik ist das Pr [...]
Sun, 30.11.2008 18:48
Ja, das scheint ein Streitpunk t zwischen Anthroposophen zu s ein, die einen werfen den ande ren vor, Steiners Werk w [...]
Sun, 30.11.2008 17:20
Ich fürchte, dass wir in sehr unterschiedlicher Richtung unt erwegs sind. Mir ist keineswe gs an einer konservative [...]
Sun, 30.11.2008 15:20
Diese Frage nach der fehlenden Sinnhaftigkeit oder der fehle nden seelischen und geistigen Substanz (damit meine ic [...]
Sat, 29.11.2008 11:46
zum besseren verständnis: i st das hier eine methodendebat te? geht es darum wie jemand etwas wie sagt? ginge [...]
Fri, 28.11.2008 00:03
"wenn man aber für einen Satz den Sie schreiben Seiten von A nmerkungen, Erläuterungen und Richtigstellungen und Re [...]
Thu, 27.11.2008 19:30
Lieber Herr Hau, jetzt mal la ngsam Herr Hau. Ich habe nie e ine Hysterielaterne angehabt, Sie müssen ja gewaltig e [...]
Thu, 27.11.2008 15:03
"Wenn man heute einen unliebsa men Erzieher, Pädagoge oder so nstwas eine Auswischen möchte (auch in Rosenkriege) lä [...]
Tue, 25.11.2008 21:37
Lieber Herr Grauer, ich polem isiere wie ich das für richtig halte, aber danke für Ihre Er läuterungen und Anmerkun [...]
Sun, 23.11.2008 12:03
Polemik ist das grundlegende P roblem in der gesamten Diskuss ion um, über und mit Felix Hau . Leider bleibt man n [...]
Fri, 21.11.2008 01:41
Lieber Herr Finkelsteen, Si e polemisieren unnötig: Herr H aus Worte richteten sich primä r an Herrn Eggert, der k [...]
Thu, 20.11.2008 22:39
Lieber Herr Grauer, den Sumpf von Esowatch werden Sie mit d ieser Rethorik von Herrn Hau n icht trocken legen. Besi [...]
Thu, 20.11.2008 22:32
Lieber Herr Grauer, das wird mir alles zu kompliziert. Ich gehe hier niemandem auf den Le im. Ich weiss auch, dass [...]
Thu, 20.11.2008 21:36
Lieber Herr Finkelsteen, > Ich verstehe Sie nicht Herr G rauer, > dass Sie für so jema nden die Hand ins > Fe [...]
Thu, 20.11.2008 20:28
Lieber Herr Grauer, wer mehr Mitleid mit dem Täter also dem Schwänzlein(mit Weihwasser be sprenkeltem)Lutscher hat [...]