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Wednesday, November 28. 2007 Bewusstseins-Erfahrung als MystikPosted by Christian Grauer in InfosophieComments (3) | Trackbacks (0)
"Bewusstseins-Erfahrung als Mystik - Steiner, Husserl, Luhmann". Das war der Titel, den der Veranstalter meinem Vortrag gegeben hatte. Zwei Wochen lang habe ich keine Zeit gefunden, mich vorzubereiten, dann saĂ ich im Zug nach Alfter auf meinem reservierten Platz, den ich mir im ĂŒberfĂŒllten Zug aber ebenso wie meinen Kopf erst einmal freikĂ€mpfen musste.
Mystik. Ich hatte mir zurechtgelegt, entlang einiger Kapitel meines Buches etwas ĂŒber die Umkehrung des Bewusstseinsbegriffes von der Innenraum-Vorstellung zum ĂŒberrĂ€umlichen und ĂŒberzeitlichen Modus alles Seienden und zur Auflösung des Subjektes in seine Operationen und damit zur Hintergehbarkeit des Ich-Begriffes zu sagen. Hat das mit Mystik zu tun? Ich war zum ersten Mal in Alfter. Ein alter Gutshof, umgbaut zu einer kleinen Privat-Uni. Anthroposophische Massivholz-RustikalitĂ€t mit moderner organisch-ökologischer Zweckbau-Architektur. Dazwischen Studenten, die kreativ und selbstbewusst wirken. Knapp 100 der 400 Studenten der Hochschule nehmen an dem Symposium teil, dazu noch ca. 20 oder 30 externe Teilnehmer. Das Symposium ist Teil der regulĂ€ren Wahlpflichtveranstaltungen im Studium Generale, einem Studienteil, in dem jeder Student, gleich welcher Fachrichtung, einen interdisziplinĂ€ren, vorwiegend kulturwissenschaftlichen Parcour als Basisbildung durchlĂ€uft, um dann umso autonomer und projektorientierter seine eigentlichen Fachstudien durchzufĂŒhren (wenn ich das richtig verstanden habe). Nun aber Mystik. Marcelo da Veiga fĂŒhrt mit einem Geistesgeschichtlichen Abriss und einigen Ăberlegungen zur Stellung der Mystik in der Gegenwart ins Thema ein. Danach folgt ein Vortrag von Manfred KrĂŒger ĂŒber die Mystik im Werk Albrecht DĂŒrers. In einer ĂŒbersichtlichen Kunstbetrachtung zeigt er, wie sich die Themen Selbsterkenntnis und "...der Christus in mir" in DĂŒrers Werk, insbesondere in seinen Selbstbildnissen niederschlagen. Dann folgt eine eurythmische Performance, die zeigt, dass auch Eurythmie prinzipiell ins 21. Jahrhundert transponierbar ist. Danach ein kurzes Plenum zu den beiden VortrĂ€gen. Am Abend werde ich Zeuge einer Rundfunkproduktion zum Thema Online-Dating, die im Rahmen einer Diplomarbeit im Fach Schauspiel vor Ort und mit Publikum aufgezeichnet wird. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, meinen Vortrag wirklich vorzubereiten, denn es trennen mich nur noch ca. 16 Stunden von seinem Gehaltenwerden. Ich denke, einige Ăberlegungen zu der Tatsache, dass Symposien ursprĂŒnglich im Liegen stattfanden und in Verbindung mit Wein, gutem Essen und hĂŒbschen Knaben standen, sollte der einzigen mir bekannten rhetorischen Grundregel genĂŒgen: unbedingt mit einem Witz beginnen! DarĂŒberhinaus haben mir die bereits gehörten VortrĂ€ge doch ein etwas klareres Bild ĂŒber die zentralen Aspekte der Mystik verschafft. Dieses Bild wird am Morgen des zweiten Tages durch einen Vortrag von Ibraim Abouleish, den Bezwinger der Ă€gyptischen WĂŒste, zum Thema Mystik im Islam ergĂ€nzt. Obwohl ich mich eigentlich mit Mystik nie wirklich beschĂ€ftigt habe, ist meine philosophische Perspektive, die ich in meinem Buch als "ontologischen Monismus" bezeichnet habe, und die sowohl die PhĂ€nomenologie Husserls als auch die Systemtheorie von Luhmann einbezieht, doch insoweit mit Mystik kompatibel, als es sich im Unterschied zu bewusstseinsphilosophischen und analytischen AnsĂ€tzen um einen prinzipiell Erfahrungsbasierten Zugang handelt, der dem Ich und der Erscheinungswelt den selben Wirklichkeitsgrund zuspricht. Vor mir spricht aber noch Jens Heisterkamp, dem ich als meinem Verleger verdanke, ĂŒberhaupt in diesen Ring steigen zu dĂŒrfen. Er stellt die drei spirituellen Beweger Eckhard Tolle, Ken Wilber und Andrew Cohen als Vertreter einer modernen, westlichen Mystik in prĂ€gnanten, kurzen und dennoch erstaunlich umfassenden Portraits vor. Nach dem Mittagessen bin ich dann selbst an der Reihe und so versuche ich, dem Publikum verstĂ€ndlich zu machen, was in meinem Kopf vor sich geht - und was nicht. Dabei bin ich ĂŒberrascht ĂŒber den Genuss, den ich aus der Möglichkeit ziehe, eine ausgedehnte Pause beim Sprechen machen zu können, ohne dass jemand das Wort an sich reiĂt, dazwischen redet oder mich auf andere Weise vom Verfolgen eines Gedankens ablenkt. Das konzentrierte Interesse des Publikums zeigte sich aber nicht nur beim aufmerksamen Zuhören sondern auch in gezielten Fragen wĂ€hrend der Aussprache und im spĂ€teren Plenum, das nach dem letzten Vortrag von Jost Schieren ĂŒber Mystik und Erkenntnis und einer abermaligen eurythmischen Performance stattfand. Das gröĂte Faszinosum an diesem Tag war fĂŒr mich aber die offene Begeisterung, die von den Studierenden sowohl im Plenum als auch in Diskussionen wĂ€hrend der Pausen ausging. Nicht nur dass ich das GefĂŒhl hatte, hier unter Menschen zu sein, fĂŒr die Philosophie weder schiere Profession noch bloĂes Delektieren an semantischen Strukturen ist, sondern echtes Fragen - ich fand dort jenen authentischen wissenschaftlich-kreativen Geist unter den Studierenden, den ich in meinem eigenen Studium an "konventionellen" UniversitĂ€tsinstituten stets vermisst habe. Die ganzen Tage danach war ich elektrisiert von diesem gesamten Ereignis, das mir ganz lebendig vor Augen gefĂŒhrt hat, wie ich mir eine BeschĂ€ftigung mit Philosophie idealerweise vorstellen könnte und dass diese Art der BeschĂ€ftigung weniger inhaltlich als vielmehr methodisch und in ihrer Haltung tatsĂ€chlich etwas mit Mystik zu tun hat. So wurde ich in Alfter aus meiner sturen AlltagsbeschĂ€ftigung etwas herausgehoben und konnte ein StĂŒck vom groĂen Licht sehen! |
Kategorien Quicksearch Mein Buch: Christian Grauer: Am Anfang war die Unterscheidung. Der ontologische Monismus â eine Theorie des Bewusstseins im Anschluss an Kant, Steiner, Husserl und Luhmann. Info3 Verlag Frankfurt 2007, 109 S. kartoniert, € 13,60 ISBN 978-3-924391-37-9 » Mehr Info Bestellen: » beim Verlag per E-Mail oder ĂŒber jede Buchhandlung Links Calendar
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Tue, 19.08.2008 08:24
Lieber Herr Grauer, danke fĂŒr diesen Artikel. Leider wird d iese Diskussion wieder von der Frage Rechts-Links behe [...]
Tue, 19.08.2008 01:15
Schöner Text! Wir haben das ma l verlinkt.
Mon, 18.08.2008 09:28
Herr "Christoph", wo finde ich denn Ihren Rechts-blog? Ein Rechter ist Grauer, ein anderer Michael Eggert, [...]
Sun, 17.08.2008 13:06
Lieber "w.g."! sind Sie ni cht betroffen? Ich bin amĂŒ siert. Sind Sie aus dem an throposophischen Rechts- [...]
Sun, 17.08.2008 12:42
Herr "Christoph", sind Sie nicht betroffen? Sind Sie a us dem anthroposophischen Rech ts-Block?
Sun, 17.08.2008 03:49
Na, hoppla! Hier scheinen sich ja ein paar Leute betroffen z u fĂŒhlen.
Thu, 14.08.2008 22:22
also da hÀtte ich auch untersc hrieben, in anderen lÀndern gi bt es bei den nachrichten eine n, der in gehörlosenspra [...]
Fri, 08.08.2008 11:30
Hallo Ronald Ehrlichmann, I hre Kommentare sind ja sehr gu t ... aber ich frage mich, ob wir Herrn Grauer viel [...]
Fri, 08.08.2008 10:48
Hier die geistigen Grundlagen der Steinerwelt und all ihrer Folgeerscheinungen - man könnt e sagen vom "Darmen zum [...]
Thu, 07.08.2008 14:45
Herr Grauer, "...und könnte g anze BĂŒcher mit Kritik fĂŒllen (und werde das vielleicht auch noch tun, wenn ich Zeit [...]
Wed, 06.08.2008 19:17
Lieber Christian Grauer, Si e haben Recht! Aber nur dam it: "Herr Lichte: die Mail gin g an Sie privat und nich [...]
Wed, 06.08.2008 18:16
Gibt es irgendeinen Leser hier , der meine Sprache spricht, u nd mir erklÀren könnte, WAS He rr Grauer eigentlich (we [...]
Wed, 06.08.2008 17:54
Herr Lichte: die Mail ging an Sie privat und nicht an die Se ktenbeauftragten. Herr Gerl ach: Sie sollten lesen u [...]
Wed, 06.08.2008 17:19
Ach sooo, nicht nur die Anthro -Kritiker, die ganze âbĂŒrgerli che Mitteâ ist âlinksfaschisti schâ. Na, das muss ei [...]
Wed, 06.08.2008 14:27
Zitat Christian Grauer in eine r mail an die Sektenbeauftragt en der Evangelischen Kirche: "Ihre [Andreas Lichtes [...]